Ehe, Partnerschaft und Scheidung — Deutschland

Eheschließung. 18 Jahre ohne Ausnahme, Ehe für alle seit Oktober 2017, Anmeldung beim Standesamt. Scheidung. Trennungsjahr, Zerrüttungsprinzip, Anwaltszwang — und ein automatischer Versorgungsausgleich. Partnerschaft und Zusammenleben. Keine neuen Lebenspartnerschaften seit 2017, und für unverheiratete Paare gilt: fast keine Rechte ohne Vertrag.

Illustration: Ehe, Partnerschaft und Scheidung
Übersichtskarte — Deutschland
Deutschland. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Eheschließung

Die §§ 1303 ff. BGB regeln die Eheschließung. Seit 2017 ist die Ehe für Paare gleichen Geschlechts geöffnet; im selben Jahr wurden Ehen von unter 16-Jährigen für unwirksam erklärt und bei 16- und 17-Jährigen die Aufhebbarkeit eingeführt. Das Bundesverfassungsgericht verlangte 2023 Nachbesserungen bei den Folgeregelungen.

Das deutsche Verfahren kennt eine Hürde, die binationale Paare regelmäßig überrascht: Stellt der Heimatstaat der ausländischen Person kein Ehefähigkeitszeugnis aus, braucht es eine Befreiung durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts. Dieses Verfahren dauert Monate, prüft das ausländische Recht im Einzelfall und ist gebührenpflichtig. Planen Sie es von Anfang an ein, nicht als Notlösung.

Die wichtigsten Punkte

Alter18 Jahre; keine Befreiung mehr möglich
MehreheVerboten; die Doppelehe ist strafbar. Im Ausland geschlossene Mehrehen werden nicht anerkannt und begründen kein Aufenthaltsrecht für eine zweite Ehefrau.
Ehe für alleSeit 1. Oktober 2017
AnmeldungBeim Standesamt des Wohnorts, gültig sechs Monate
UnterlagenAusweis, beglaubigter Ausdruck aus dem Geburtenregister, Aufenthaltsbescheinigung; bei Vorehen das Scheidungsurteil
Ausländische VerlobteMeist Ehefähigkeitszeugnis oder Befreiung durch das Oberlandesgericht
TrauzeugenFreiwillig, bis zu zwei
NameSeit Mai 2025 sind echte Doppelnamen für Ehepaare möglich
Kein Aufgebot mehrDas öffentliche Aufgebot wurde abgeschafft; es genügt die Anmeldung
Gültigkeit der AnmeldungDie Prüfung gilt sechs Monate; danach ist sie zu wiederholen
OrtTrauung auch außerhalb des Standesamts möglich, wenn die Gemeinde den Ort zugelassen hat

In der Praxis

  • Termin zur Anmeldung frühzeitig vereinbaren, besonders bei internationalen Konstellationen.
  • Ehevertrag vor der Trauung notariell schließen, wenn Unternehmen oder Kinder aus früheren Beziehungen vorhanden sind.
  • Nach der Trauung Steuerklassen, Versicherungen und Testament anpassen.
  • Eine im Ausland geschlossene Ehe im Inland nachbeurkunden lassen.
  • Die Anmeldung so legen, dass die Sechsmonatsfrist den Termin abdeckt.
  • Bei ausländischen Urkunden früh mit Übersetzung und Legalisation beginnen: Das dauert am längsten.

Kosten und Übernahme

Die Anmeldung der Eheschließung kostet je nach Kommune vierzig bis achtzig Euro, mit Zuschlägen für Auslandsbezug. Die Befreiung vom Ehefähigkeitszeugnis ist einkommensabhängig und kann mehrere hundert Euro kosten. Übersetzungen und Apostillen kommen hinzu.

Aktuelle Entwicklungen

Die Standesämter akzeptieren zunehmend elektronisch übermittelte Urkunden aus EU-Staaten, für die dank der EU-Urkundenverordnung keine Apostille mehr nötig ist; für Drittstaaten bleibt es beim bisherigen Verfahren.

Anlaufstellen

  • Standesamt des Wohnorts.
  • Notariate für Eheverträge.
  • Oberlandesgerichte für Befreiungen bei ausländischen Verlobten.
  • Oberlandesgericht für die Befreiung vom Ehefähigkeitszeugnis.

Gut zu wissen

Ohne Ehevertrag gilt automatisch die Zugewinngemeinschaft. Für Selbstständige und Patchworkfamilien ist das selten die passende Lösung. Ohne Ehevertrag gilt die Zugewinngemeinschaft. Sie teilt nur den Zuwachs, nicht das eingebrachte Vermögen – für Selbstständige ist eine modifizierte Regelung oft sinnvoll.

Häufige Fragen

Was tun, wenn kein Ehefähigkeitszeugnis erhältlich ist?

Dann beantragen Sie über das Standesamt die Befreiung durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts. Das Verfahren dauert je nach Land und Aktenlage mehrere Monate und ist einkommensabhängig gebührenpflichtig. Reichen Sie vollständige, übersetzte und legalisierte Unterlagen ein — jede Nachforderung verlängert die Bearbeitung um Wochen.

Der allgemeine Artikel: Eheschließung · Mit einem anderen Land vergleichen

Partnerschaft und Zusammenleben

Die eingetragene Lebenspartnerschaft wurde 2001 eingeführt und war gleichgeschlechtlichen Paaren vorbehalten. Seit der Öffnung der Ehe am 1. Oktober 2017 können keine neuen Partnerschaften begründet werden; bestehende bleiben gültig oder können in eine Ehe umgewandelt werden. Die nichteheliche Lebensgemeinschaft ist gesetzlich nicht geregelt.

Seit der Öffnung der Ehe 2017 werden keine neuen Lebenspartnerschaften mehr begründet; bestehende bleiben und können in eine Ehe umgewandelt werden. Für unverheiratete Paare gilt: Es gibt praktisch keine gesetzlichen Rechte. Kein Erbrecht, kein Unterhalt nach der Trennung, kein Zeugnisverweigerungsrecht, keine automatische Vertretung im Krankheitsfall. Was nicht vertraglich oder testamentarisch geregelt ist, besteht nicht.

Die wichtigsten Punkte

Neue LebenspartnerschaftenSeit Oktober 2017 nicht mehr möglich
UmwandlungDurch gemeinsame Erklärung vor dem Standesamt, rückwirkend auf den Tag der Begründung
Nichteheliche LebensgemeinschaftKein Unterhalt, kein Zugewinn, kein gesetzliches Erbrecht
Betreuungsunterhalt§ 1615l BGB gibt dem betreuenden Elternteil nach der Geburt einen eigenen Anspruch
MietrechtEintrittsrecht des Partners in den Mietvertrag beim Tod
ErbschaftsteuerUngünstigste Steuerklasse mit niedrigem Freibetrag
NotvertretungsrechtSeit 2023 nur für Ehegatten, nicht für Partner
Keine neuen BegründungenSeit der Öffnung der Ehe können Lebenspartnerschaften nicht mehr neu geschlossen werden
Kein gesetzliches ErbrechtNichteheliche Partner erben nur mit Testament
PartnerschaftsvertragFormfrei möglich, bei Immobilien notariell

In der Praxis

  • Partnerschaftsvertrag schließen: Wer zahlt was, wem gehört was, was gilt bei Trennung.
  • Testament errichten — ohne es erbt der Partner nichts.
  • Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erstellen.
  • Bezugsrechte bei Versicherungen und Altersvorsorge aktualisieren.
  • Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ergänzen; das Notvertretungsrecht gilt nur für Ehegatten und nur kurzzeitig.

Kosten und Übernahme

Ein notarieller Partnerschaftsvertrag kostet je nach Vermögenswert einige hundert Euro, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung deutlich weniger. Gemessen an den Folgen einer fehlenden Regelung ist das der günstigste Teil der Vorsorge.

Aktuelle Entwicklungen

Ein Gesetzentwurf zur Einführung einer Verantwortungsgemeinschaft für Menschen, die füreinander einstehen wollen, ohne zu heiraten, wird seit mehreren Jahren diskutiert; beschlossen ist er nicht.

Anlaufstellen

  • Standesamt für die Umwandlung.
  • Notariate für Verträge und Testamente.
  • Verbraucherzentralen für Musterformulierungen.
  • Notariate für Testament und Partnerschaftsvertrag.

Gut zu wissen

Das Ehegattennotvertretungsrecht von 2023 gilt ausdrücklich nur für Verheiratete. Unverheiratete Paare brauchen zwingend eine Vorsorgevollmacht, sonst darf der Partner im Krankenhaus nichts erfahren und nichts entscheiden. Der Erbschaftsteuerfreibetrag für nichteheliche Partner ist sehr niedrig. Bei einer gemeinsamen Immobilie kann das dazu führen, dass der überlebende Partner verkaufen muss.

Häufige Fragen

Erbt der unverheiratete Partner?

Nein, ohne Testament nicht — und selbst mit Testament fällt er erbschaftsteuerlich in die ungünstigste Klasse mit einem Freibetrag von nur zwanzigtausend Euro. Bei gemeinsamem Wohneigentum ist das der Punkt, an dem es teuer wird. Lassen Sie sich notariell beraten, bevor Sie gemeinsam kaufen.

Der allgemeine Artikel: Partnerschaft und Zusammenleben · Mit einem anderen Land vergleichen

Gleichgeschlechtliche Ehe

Ehe für alle seit Oktober 2017 — die Abstammung der zweiten Mutter ist bis heute nicht geregelt.

Die Ehe steht gleichgeschlechtlichen Paaren seit dem 1. Oktober 2017 offen, beschlossen in einer namentlichen Abstimmung ohne Fraktionszwang. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird seither nicht mehr begründet; bestehende Partnerschaften können in eine Ehe umgewandelt werden. Was fehlt, ist die Reform des Abstammungsrechts: Die Ehefrau der Frau, die das Kind zur Welt bringt, wird nicht automatisch Mutter, sondern muss ihr eigenes Kind adoptieren.

Die Öffnung der Ehe kam in Deutschland überraschend schnell: Nach Jahren des Stillstands wurde sie binnen einer Woche auf die Tagesordnung gesetzt und mit den Stimmen einer Mehrheit über die Fraktionsgrenzen hinweg beschlossen. Genau diese Eile erklärt, warum das Abstammungsrecht unberührt blieb — es war schlicht nicht Teil des Gesetzes.

Die wichtigsten Punkte

EheGeöffnet seit dem 1. Oktober 2017
LebenspartnerschaftKeine neuen mehr; Umwandlung in eine Ehe möglich
AdoptionGemeinsame Adoption und Stiefkindadoption möglich
AbstammungKeine automatische Mutterschaft der Ehefrau — Stiefkindadoption nötig
SamenspendeZugänglich; das Samenspenderregistergesetz regelt die Auskunft des Kindes
LeihmutterschaftVerboten; im Ausland begründete Elternschaft wird nur teilweise anerkannt
DiskriminierungAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Frist von zwei Monaten

In der Praxis

  • Beantragen Sie die Stiefkindadoption sofort nach der Geburt: bis zum Beschluss hat die zweite Mutter keine Rechte am Kind.
  • Die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft erfolgt beim Standesamt und wirkt auf das Datum der Partnerschaft zurück.
  • Eine deutsche Ehe wird in der gesamten EU anerkannt; ausserhalb Europas prüfen Sie im Einzelfall.
  • Bei Leihmutterschaft im Ausland ist die rechtliche Elternschaft in Deutschland nicht gesichert — vorher beraten lassen.

Kosten und Übernahme

Die Eheschliessung kostet je nach Kommune vierzig bis achtzig Euro. Die Stiefkindadoption verursacht Gerichts- und Notarkosten sowie in der Regel Anwaltskosten und dauert mehrere Monate.

Aktuelle Entwicklungen

Eine Reform des Abstammungsrechts, die die automatische Mutterschaft der Ehefrau vorsieht, ist seit mehreren Legislaturperioden angekündigt und bislang nicht verabschiedet.

Anlaufstellen

  • Standesamt des Wohnorts, für Eheschliessung und Umwandlung.
  • Jugendamt und Familiengericht, für die Stiefkindadoption.
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes, kostenlose Beratung.

Gut zu wissen

Die fehlende Abstammungsregelung ist der grösste praktische Mangel: Zwischen Geburt und Adoptionsbeschluss steht das Kind rechtlich nur einem Elternteil zu, mit allen Folgen bei Krankheit, Reise oder Todesfall.

Häufige Fragen

Warum muss die zweite Mutter adoptieren?

Weil das Abstammungsrecht unverändert an die Vaterschaftsvermutung anknüpft und keine entsprechende Regelung für die Ehefrau der Gebärenden kennt. Die Stiefkindadoption ist deshalb bis heute der einzige Weg, und sie dauert Monate, in denen das Kind rechtlich nur eine Mutter hat.

Lohnt die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft?

Sie ist nicht verpflichtend, aber meist sinnvoll: Die Ehe wird im Ausland deutlich zuverlässiger anerkannt, und die Umwandlung wirkt auf das Datum der Begründung der Partnerschaft zurück, was für Fristen im Aufenthalts- und Rentenrecht zählt.

Der allgemeine Artikel: Gleichgeschlechtliche Ehe · Mit einem anderen Land vergleichen

Kirchliche Trauung

Seit 2009 darf die kirchliche Trauung auch ohne vorherige Zivilehe stattfinden - rechtliche Wirkung hat sie trotzdem keine.

Rechtsgültig ist allein die Eheschliessung vor der Standesbeamtin oder dem Standesbeamten. Bis 2008 war es strafbar, eine kirchliche Trauung vor der standesamtlichen vorzunehmen; diese Regel wurde mit der Reform des Personenstandsrechts aufgehoben. Seitdem ist die Reihenfolge frei, aber eine nur kirchlich geschlossene Ehe erzeugt keinerlei zivilrechtliche Wirkungen.

Bis 2008 war es in Deutschland verboten, eine kirchliche Trauung vor der standesamtlichen vorzunehmen; seit 2009 ist dieses Verbot aufgehoben. Rechtlich hat sich damit nichts an der Wirkung geändert: Nur die Eheschließung vor dem Standesamt begründet die Ehe. Die meisten Kirchen verlangen weiterhin die vorherige Zivilehe, weil sie an der klaren Zuordnung festhalten — eine kirchliche Regel, keine staatliche.

Die wichtigsten Punkte

RechtswirkungNur die standesamtliche Eheschliessung begründet die Ehe
ReihenfolgeSeit 2009 frei: die kirchliche Trauung darf vorangehen
FolgeEine nur kirchliche Ehe begründet weder Guterstand noch Erbrecht noch Unterhalt
AnmeldungBeim Standesamt des Wohnorts, mit Geburtsurkunde und Ausweis
TrauzeugenNicht vorgeschrieben, auf Wunsch bis zu zwei
Kirchliche VoraussetzungenJe nach Konfession unterschiedlich, oft mit Vorbereitungskurs
KirchenaustrittEr kann die kirchliche Trauung ausschließen
Freie TrauungOhne rechtliche und ohne kirchliche Wirkung
Kirchliche EhenichtigkeitEigenes Verfahren vor dem kirchlichen Gericht

In der Praxis

  • Die kirchlichen Unterlagen mehrere Monate vorher anfordern; Taufscheine kommen aus dem Geburtsort.
  • Bei konfessionsverschiedenen Paaren früh mit dem Pfarramt sprechen – Dispensverfahren dauern.

Kosten und Übernahme

Die kirchliche Trauung ist für Gemeindemitglieder in der Regel kostenlos; für Blumen, Musik, Organist und eine auswärtige Kirche fallen Gebühren an. Die standesamtliche Trauung kostet je nach Kommune und Trauort zwischen etwa vierzig und mehreren hundert Euro.

Aktuelle Entwicklungen

Ökumenische Trauungen und Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare sind in mehreren Landeskirchen und Bistümern möglich geworden; die Regelungen unterscheiden sich weiterhin von Region zu Region erheblich.

Anlaufstellen

  • Standesamt des Wohnorts.
  • Pfarramt oder Gemeinde der jeweiligen Konfession.
  • Beratungsstellen der Kirchen für Ehevorbereitung.
  • Kirchliche Gerichte der Bistümer für Nichtigkeitsverfahren.

Gut zu wissen

Die Aufhebung des Voranstellungsverbots 2009 wird oft missverstanden: Sie erlaubt die kirchliche Feier vorab, sie verleiht ihr aber keine rechtliche Wirkung. Wer nur kirchlich heiratet, ist rechtlich ledig. Seit 2009 darf kirchlich vor der standesamtlichen Trauung geheiratet werden. Viele Gemeinden verlangen die Heiratsurkunde trotzdem – klären Sie das vorab.

Häufige Fragen

Darf man in Deutschland zuerst kirchlich heiraten?

Staatlich ja, seit der Aufhebung des früheren Verbots. Kirchenrechtlich verlangen die großen Kirchen in der Regel weiterhin die vorherige standesamtliche Trauung und machen davon nur in Ausnahmefällen eine Ausnahme. Fragen Sie in der Gemeinde nach, bevor Sie planen.

Der allgemeine Artikel: Kirchliche Trauung · Mit einem anderen Land vergleichen

Hochzeitsbräuche und Zeremonien

Polterabend, Baumstammsägen und ein Spalier, das man sich freikaufen muss.

Drei Bräuche prägen die deutsche Hochzeit. Der Polterabend am Vorabend, bei dem Porzellan zerschlagen wird — niemals Glas — und das Brautpaar gemeinsam zusammenkehrt. Das Baumstammsägen nach der Trauung, bei dem beide mit der Zugsäge einen Stamm durchtrennen müssen. Und das Spalier der Gäste, oft mit einem Band, das freigeschnitten oder freigekauft wird.

Die deutschen Hochzeitsbräuche sind regional sehr unterschiedlich und werden fast nie alle zusammen gefeiert. Der Polterabend findet einige Tage vor der Hochzeit statt, das Baumstammsägen direkt nach der Trauung, das Spalier beim Verlassen der Kirche. Für ein binationales Paar ist die praktische Frage weniger, welche Bräuche man übernimmt, als wer sie organisiert — traditionell sind das Freunde und Nachbarn, nicht das Brautpaar selbst.

Die wichtigsten Punkte

Standesamt zuerstDie standesamtliche Trauung ist die rechtlich wirksame; die kirchliche ist freiwillig
PolterabendAm Vorabend: Porzellan zerschlagen, niemals Glas
ZusammenkehrenDas Paar kehrt die Scherben gemeinsam auf — darin liegt der Sinn
BaumstammsägenGemeinsames Durchsägen eines Stammes nach der Trauung
SpalierVon Kolleginnen, Verein oder Nachbarschaft gebildet
BrautentführungRegional verbreitet; der Bräutigam muss sie auslösen
HochzeitszeitungVon Freunden gestaltet und am Fest verteilt

In der Praxis

  • Glas beim Polterabend bringt Unheil — es ist ausschließlich Porzellan.
  • Das Spalier wird meist ohne Wissen des Paares organisiert; etwas Bargeld einstecken.
  • Die kirchliche Trauung ist seit 2009 auch vor der standesamtlichen zulässig, hat aber keine Rechtswirkung.
  • Geldgeschenke sind üblich und gelten nicht als unpersönlich.

Was es kostet

Polterabend und Spalier kosten wenig und werden meist von Freunden getragen. Die eigentliche Feier liegt je nach Region und Gästezahl zwischen achttausend und dreißigtausend Euro, mit der Location als größtem Posten.

Aktuelle Entwicklungen

Freie Trauungen mit Rednerinnen und Rednern haben stark zugenommen und werden häufig mit der standesamtlichen Trauung kombiniert; klassische Bräuche wie das Baumstammsägen werden dabei oft bewusst zitiert statt streng eingehalten.

An wen Sie sich wenden

  • Standesamt, für die Eheschließung.

Häufige Fragen

Was passiert beim Polterabend?

Gäste zerschlagen Porzellan — niemals Glas, das bringt der Überlieferung nach Unglück —, und das Brautpaar kehrt die Scherben gemeinsam auf. Gefeiert wird formlos, oft im Hof oder vor dem Haus, meist ohne Einladungskarten. Wer aus dem Ausland kommt, sollte wissen: Es ist kein Ersatz für die Hochzeitsfeier, sondern ein eigener Abend davor.

Muss man sich wirklich freikaufen?

Beim Spalier nach der Trauung wird dem Paar symbolisch der Weg versperrt, etwa mit einem Band, das durchschnitten werden muss, oder mit einer Aufgabe. Freigekauft wird mit einer kleinen Runde oder einem Beitrag. Es ist ein Spiel, kein Zwang — der Betrag ist symbolisch.

Der allgemeine Artikel: Hochzeitsbräuche und Zeremonien · Mit einem anderen Land vergleichen

Güterstand und Erbrecht

Zugewinngemeinschaft als gesetzlicher Güterstand, Pflichtteil in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils.

Ohne Ehevertrag leben Ehegatten in Zugewinngemeinschaft: Die Vermögen bleiben getrennt, bei Scheidung oder Tod wird der Zuwachs ausgeglichen. Im Erbrecht gilt die gesetzliche Erbfolge mit Pflichtteilsrecht; der Güterstand kann jederzeit ohne Mindestdauer durch notariellen Ehevertrag geändert werden (§ 1408 BGB).

Die Zugewinngemeinschaft ist kein Gütergemeinschaftsmodell: Während der Ehe bleiben die Vermögen getrennt, ausgeglichen wird erst bei Scheidung oder Tod. Beim Tod erhöht sich der gesetzliche Erbteil des Ehegatten pauschal um ein Viertel. Erbschaftsteuerlich hat der Ehegatte einen Freibetrag von fünfhunderttausend Euro, Kinder je vierhunderttausend — Zahlen, die bei Wohneigentum in Ballungsräumen schneller ausgeschöpft sind, als viele denken.

Die wichtigsten Punkte

Gesetzlicher GüterstandZugewinngemeinschaft
WahlgüterständeGütertrennung, Gütergemeinschaft, modifizierte Zugewinngemeinschaft
Erbteil des EhegattenNeben Kindern die Hälfte (ein Viertel plus pauschaler Zugewinnausgleich)
PflichtteilHälfte des gesetzlichen Erbteils, als Geldanspruch
TestamentEigenhändig vollständig handschriftlich, mit Ort, Datum und Unterschrift
Berliner TestamentVerbreitet; Kinder können beim ersten Todesfall den Pflichtteil fordern
ErbschaftsteuerFreibeträge: 500 000 € für Ehegatten, 400 000 € je Kind
Modifizierte ZugewinngemeinschaftDer häufigste Ehevertrag: Zugewinnausgleich bleibt, einzelne Vermögenswerte werden ausgenommen
AusschlagungSechs Wochen ab Kenntnis, sechs Monate bei Auslandsaufenthalt
PflichtteilsergänzungSchenkungen der letzten zehn Jahre werden anteilig angerechnet
ErbscheinFür Grundbuch und Banken meist erforderlich, sofern kein notarielles Testament vorliegt

In der Praxis

  • Ehevertrag prüfen, wenn ein Unternehmen, große Vermögensunterschiede oder Kinder aus früheren Beziehungen vorhanden sind.
  • Testament handschriftlich verfassen oder notariell beurkunden lassen.
  • Beim Zentralen Testamentsregister registrieren lassen.
  • Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ergänzen.
  • Ein notarielles Testament erspart den Erben in der Regel den kostenpflichtigen Erbschein.
  • Schenkungen mit Datum dokumentieren: Sie beeinflussen den Pflichtteil noch zehn Jahre lang.

Kosten und Übernahme

Ein notarieller Ehevertrag kostet nach Geschäftswert, häufig im niedrigen vierstelligen Bereich bei mittleren Vermögen. Ein handschriftliches Testament ist kostenlos, ein notarielles ersetzt später den Erbschein und spart damit oft mehr, als es kostet.

Aktuelle Entwicklungen

Die Reform des Namensrechts hat 2025 auch Auswirkungen auf Familienkonstellationen; erbschaftsteuerlich werden die Freibeträge seit Jahren als anpassungsbedürftig diskutiert, sind aber unverändert.

Anlaufstellen

  • Notariate und das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer.
  • Nachlassgerichte bei den Amtsgerichten.
  • Finanzämter für die Erbschaftsteuererklärung.
  • Zentrales Testamentsregister der Bundesnotarkammer.

Gut zu wissen

Ein am Computer geschriebenes und ausgedrucktes Testament ist unwirksam. Es muss vollständig von Hand geschrieben, datiert und unterschrieben sein — oder notariell beurkundet werden. Das Berliner Testament ist beliebt, hat aber eine Falle: Es kann die Freibeträge der Kinder im ersten Erbfall verschenken und die Steuerlast insgesamt erhöhen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Zugewinngemeinschaft konkret?

Jeder behält sein Vermögen; geteilt wird nur der während der Ehe erzielte Zuwachs, und zwar erst am Ende. Wer mehr hinzugewonnen hat, zahlt die Hälfte der Differenz aus. Schulden eines Ehegatten treffen den anderen nicht — außer bei gemeinsamer Unterschrift.

Der allgemeine Artikel: Güterstand und Erbrecht · Mit einem anderen Land vergleichen

Scheidung

§§ 1564 ff. BGB: Die Ehe wird geschieden, wenn sie gescheitert ist. Nach einem Trennungsjahr wird das Scheitern vermutet, wenn beide Ehegatten zustimmen; nach drei Jahren Trennung auch gegen den Willen des anderen. Der Versorgungsausgleich wird von Amts wegen durchgeführt.

Deutschland verlangt ein Trennungsjahr, und dieses Jahr beginnt mit der Trennung von Tisch und Bett — sie kann auch innerhalb derselben Wohnung stattfinden, wenn die Lebensbereiche getrennt sind. Anwaltszwang besteht mindestens für den antragstellenden Ehegatten. Eine Besonderheit ist der Versorgungsausgleich: Die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften werden von Amts wegen hälftig geteilt, ohne dass jemand es beantragen müsste.

Die wichtigsten Punkte

TrennungsjahrEin Jahr bei Einverständnis, drei Jahre ohne Zustimmung des anderen
Trennung in der WohnungMöglich, wenn die häusliche Gemeinschaft aufgehoben ist
AnwaltszwangVor dem Familiengericht; bei einvernehmlicher Scheidung genügt ein Anwalt, der aber nur eine Partei vertritt
VersorgungsausgleichRentenanwartschaften aus der Ehezeit werden von Amts wegen geteilt
ZugewinnausgleichAuf Antrag; der Vermögenszuwachs während der Ehe wird ausgeglichen
UnterhaltNachehelicher Unterhalt nur unter gesetzlichen Voraussetzungen, Grundsatz der Eigenverantwortung
KinderGemeinsame Sorge bleibt die Regel; Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle
HärtefallscheidungAusnahmsweise vor Ablauf des Trennungsjahres, bei unzumutbarer Härte
Drei Jahre TrennungNach drei Jahren wird die Zerrüttung unwiderleglich vermutet, auch gegen den Willen des anderen
ScheidungsfolgenvereinbarungNotariell; sie verkürzt das Verfahren erheblich
VerfahrenskostenhilfeBei geringem Einkommen möglich, auf Antrag vor Einreichung

In der Praxis

  • Trennungszeitpunkt schriftlich festhalten — er ist für Fristen und für den Zugewinn maßgeblich.
  • Bei einvernehmlicher Scheidung reicht ein Anwalt; die andere Seite stimmt lediglich zu.
  • Verfahrenskostenhilfe prüfen, wenn das Einkommen gering ist.
  • Nach dem Urteil Rentenversicherung, Krankenkasse, Testament und Vollmachten anpassen.
  • Das Datum der Trennung schriftlich festhalten, etwa in einer E-Mail an den Partner – es ist später der Anknüpfungspunkt.
  • Eine Scheidungsfolgenvereinbarung prüfen: Sie erspart die streitigen Nebenverfahren, die am teuersten sind.

Kosten und Übernahme

Die Kosten richten sich nach dem Verfahrenswert, der sich aus Einkommen und Vermögen ergibt; ein einfaches Verfahren kostet häufig zwischen zweitausend und viertausend Euro einschließlich Anwalt. Bei geringem Einkommen gibt es Verfahrenskostenhilfe.

Aktuelle Entwicklungen

Die Reform des Unterhaltsrechts und die Diskussion über ein Wechselmodell als gesetzliches Leitbild dauern an; verfahrensrechtlich sind Online-Anhörungen und die elektronische Akte inzwischen Standard.

Anlaufstellen

  • Familiengericht am Wohnort.
  • Fachanwältinnen und Fachanwälte für Familienrecht.
  • Beratungsstellen der Kommunen und Kirchen für Trennungsberatung.
  • Notariate für die Scheidungsfolgenvereinbarung.

Gut zu wissen

Der Versorgungsausgleich wird automatisch durchgeführt und ist bei langen Ehen mit unterschiedlicher Erwerbsbiografie oft der größte Posten überhaupt — wichtiger als das Sparbuch. Der Versorgungsausgleich wird von Amts wegen durchgeführt und verzögert das Verfahren regelmäßig um Monate. Rentenkonten frühzeitig klären lassen.

Häufige Fragen

Was ist der Versorgungsausgleich?

Die hälftige Teilung der während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften, die das Gericht von Amts wegen durchführt. Bei kurzen Ehen unter drei Jahren erfolgt er nur auf Antrag. Er lässt sich durch notariellen Ehevertrag ausschließen, was aber gerichtlich auf Angemessenheit geprüft wird.

Der allgemeine Artikel: Scheidung · Mit einem anderen Land vergleichen

Allgemeine Quellen

Seite geprüft im September 2026. Die genannten Rechtstexte können sich ändern: Im Zweifel bei der genannten amtlichen Quelle bestätigen.

Diese Seite in der Sitemap finden