Eheschließung
Die Ehe wird vor dem Standesbeamten oder in Form der konkordatären Ehe geschlossen. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, mit gerichtlicher Ermächtigung ausnahmsweise 16. Für gleichgeschlechtliche Paare hat der Gesetzgeber 2016 die zivile Union geschaffen: rechtlich der Ehe weitgehend gleichgestellt, aber ausdrücklich nicht als Ehe bezeichnet und ohne gemeinsame Adoption.
Es gilt italienisches Recht mit Aufgebot und Trauung beim Standesamt der Gemeinde; in Südtirol kann beides auf Deutsch erfolgen. Der Engpass für binationale Paare ist das nulla osta — die Bescheinigung des Heimatkonsulats, dass dem Eheschluss nichts entgegensteht. Stellt das Konsulat es nicht aus, braucht es einen gerichtlichen Ersatz, und der dauert.
Die wichtigsten Punkte
| Mindestalter | 18 Jahre; 16 nur mit gerichtlicher Ermächtigung |
|---|---|
| Mehrehe | Verboten; nach italienischem Recht ist die Doppelehe strafbar. |
| Aufgebot | Öffentlicher Aushang vor der Trauung |
| Gleichgeschlechtliche Paare | Zivile Union, nicht Ehe; keine gemeinsame Adoption |
| Namensrecht | Die Ehefrau behält ihren Namen; der Name des Ehemanns kann hinzugefügt werden |
| Güterstand | Ohne Erklärung gilt Gütergemeinschaft |
| Sprache | Trauung und Urkunden auf Deutsch möglich |
In der Praxis
- Das Aufgebot rechtzeitig beantragen: Zwischen Antrag und Trauung liegen gesetzliche Fristen.
- Wenn Sie Gütertrennung wollen, muss das bei der Trauung erklärt oder notariell vereinbart werden.
- Für Verlobte aus dem Ausland ein Ehefähigkeitszeugnis besorgen – das dauert oft am längsten.
- Mehrere mehrsprachige Auszüge der Heiratsurkunde bestellen; sie werden im Ausland verlangt.
Kosten und Übernahme
Aufgebot und Trauung kosten je nach Gemeinde und Trauort unterschiedlich viel. Beglaubigte Übersetzungen, Apostillen und gegebenenfalls das gerichtliche Ersatzverfahren für das nulla osta sind die größeren Posten.
Aktuelle Entwicklungen
Die Gemeinden haben zusätzliche Trauorte ausgewiesen und die Verfahren digitalisiert; für Urkunden aus EU-Staaten gelten die erleichterten Regeln der EU-Urkundenverordnung.
Anlaufstellen
- Standesämter der Gemeinden.
- Notariate für Ehevertrag und Güterstand.
- Bürgerschalter des Landes für Urkunden.
Gut zu wissen
Die Gütergemeinschaft gilt automatisch, wenn nichts anderes erklärt wird. Sie umfasst auch Erwerbungen eines Ehegatten allein – wer das nicht will, muss vorher handeln.
Häufige Fragen
Was ist das nulla osta und wie bekommt man es?
Eine Bescheinigung des Konsulats des Heimatstaats in Italien, dass nach dessen Recht kein Ehehindernis besteht. Beantragen Sie es frühzeitig. Verweigert das Konsulat die Ausstellung, kann das zuständige Gericht es ersetzen — dieses Verfahren dauert Monate und sollte parallel zur übrigen Planung laufen.
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Partnerschaft und Zusammenleben
Zwei Formen neben der Ehe: die zivile Union für gleichgeschlechtliche Paare und die faktische Lebensgemeinschaft mit Zusammenlebensvertrag.
Das Gesetz von 2016 hat zwei Institute geschaffen. Die zivile Union steht ausschließlich gleichgeschlechtlichen Paaren offen und ist der Ehe in Unterhalt, Erbrecht und Güterstand weitgehend gleichgestellt. Die faktische Lebensgemeinschaft gilt für alle Paare, die zusammenleben, und kann durch einen notariell oder anwaltlich beurkundeten Zusammenlebensvertrag ausgestaltet werden.
Italien kennt seit 2016 zwei Formen neben der Ehe: die zivile Union, die gleichgeschlechtlichen Paaren vorbehalten ist und der Ehe nahekommt, und die faktische Lebensgemeinschaft, die allen offensteht und durch einen Zusammenlebensvertrag ausgestaltet werden kann. Die faktische Lebensgemeinschaft bringt vor allem Besuchs- und Auskunftsrechte im Krankenhaus sowie einen begrenzten Schutz der Wohnung — kein Erbrecht.
Die wichtigsten Punkte
| Zivile Union | Nur für gleichgeschlechtliche Paare; Auflösung ohne vorherige Trennung möglich |
|---|---|
| Faktische Lebensgemeinschaft | Erfordert die Eintragung im melderechtlichen Familienbogen |
| Zusammenlebensvertrag | Regelt Vermögen und Beiträge; Erbrecht kann er nicht begründen |
| Kein gesetzliches Erbrecht | Unverheiratete Partner erben nur mit Testament |
| Rechte im Alltag | Besuchsrecht im Krankenhaus und Auskunftsrechte sind ausdrücklich geregelt |
| Wohnung | Eintrittsrecht in den Mietvertrag beim Tod des Partners |
In der Praxis
- Lassen Sie die Lebensgemeinschaft melderechtlich eintragen: Ohne diese Eintragung greifen die gesetzlichen Rechte nicht.
- Einen Zusammenlebensvertrag abschließen, wenn eine Immobilie oder ein gemeinsames Unternehmen im Spiel ist.
- Ein Testament ist unverzichtbar – der Vertrag ersetzt es nicht.
- Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ergänzen, damit der Partner im Ernstfall handeln kann.
Kosten und Übernahme
Der Zusammenlebensvertrag verursacht Notar- oder Anwaltshonorare nach Aufwand. Die Eintragung der faktischen Lebensgemeinschaft im Melderegister der Gemeinde ist gebührenfrei oder sehr günstig.
Aktuelle Entwicklungen
Die Rechtsprechung hat die Rechte faktisch zusammenlebender Partner bei Wohnung und Gesundheitsentscheidungen schrittweise gestärkt; ein gesetzliches Erbrecht besteht weiterhin nicht.
Anlaufstellen
- Meldeämter der Gemeinden.
- Notariate und Rechtsanwaltskammer Bozen.
- Beratungsstellen für Paare und Familien.
Gut zu wissen
Der Zusammenlebensvertrag regelt das Vermögen zu Lebzeiten, nicht den Todesfall. Wer den Partner absichern will, braucht zusätzlich ein Testament – und muss dabei die Pflichtteile der Verwandten beachten.
Häufige Fragen
Was ist ein Zusammenlebensvertrag?
Eine notariell oder anwaltlich beurkundete Vereinbarung zwischen faktisch zusammenlebenden Partnern über Vermögen, Wohnung und Beiträge zum Zusammenleben. Er wird im Melderegister vermerkt. Ein Erbrecht begründet er nicht — dafür braucht es ein Testament.
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Gleichgeschlechtliche Ehe
Keine Ehe, sondern die zivile Union nach italienischem Recht — und Elternschaft nur über die Gerichte.
Italien kennt seit 2016 die zivile Union, die gleichgeschlechtlichen Paaren vorbehalten ist und der Ehe in Vermögens-, Unterhalts- und Erbfragen weitgehend gleichkommt. Bei der Elternschaft endet die Gleichstellung: Die Adoption des Kindes des Partners ist nicht gesetzlich geregelt und wird von Gerichten im Einzelfall über die Adoption in besonderen Fällen zugelassen. In Südtirol erfolgt das Verfahren zweisprachig.
Südtirol zeigt, wie eine Autonomie an Grenzen stösst: Sprache und Verwaltung sind deutsch, das Familienrecht ist vollständig italienisch. Für ein Paar, das aus dem deutschsprachigen Raum zuzieht, ist das die praktisch wichtigste Konsequenz — der Status ändert sich mit dem Umzug, ohne dass jemand etwas unterschreibt.
Die wichtigsten Punkte
| Ehe | Nicht verfügbar; stattdessen die zivile Union seit 2016 |
|---|---|
| Zivile Union | Erklärung vor dem Standesbeamten; der Ehe weitgehend gleichgestellt |
| Unterschiede | Keine Treuepflicht, andere Auflösung, keine geregelte Elternschaft |
| Adoption | Nur über die Adoption in besonderen Fällen, richterlich zugelassen |
| Fortpflanzungsmedizin | Für Frauenpaare in Italien nicht zugänglich |
| Ausländische Ehe | Wird in Italien als zivile Union eingetragen |
| Zuständigkeit | Jugendgericht Bozen, zweisprachig |
In der Praxis
- Eine im Ausland geschlossene Ehe wird als zivile Union eingetragen — für Zuziehende bedeutet das eine Herabstufung.
- Planen Sie die Elternschaft gerichtlich: Ohne Beschluss hat der zweite Elternteil keine Rechte.
- Behandlungen der Fortpflanzungsmedizin erfolgen in der Praxis im Ausland, meist in Spanien oder Österreich.
- Erbrechtlich ist die zivile Union der Ehe weitgehend gleichgestellt — dieser Punkt ist gesichert.
Kosten und Übernahme
Die Erklärung der zivilen Union verursacht geringe Gebühren. Gerichtsverfahren zur Anerkennung einer Elternschaft sind kostspielig; bei geringem Einkommen greift das patrocinio a spese dello Stato.
Aktuelle Entwicklungen
Die italienische Rechtsprechung hat die Adoption in besonderen Fällen schrittweise auf gleichgeschlechtliche Paare erstreckt, während der Gesetzgeber unverändert zurückhaltend bleibt.
Anlaufstellen
- Standesamt der Gemeinde, für die Erklärung der zivilen Union.
- Jugendgericht Bozen, für Adoptionsverfahren.
- Antidiskriminierungsstelle des Landes und Beratungsstellen.
Gut zu wissen
Der entscheidende Punkt für Zuziehende: Eine in Deutschland, Österreich oder der Schweiz geschlossene Ehe wird hier nicht als Ehe weitergeführt, sondern als zivile Union eingetragen, mit geringeren Wirkungen bei der Elternschaft.
Häufige Fragen
Was passiert mit unserer deutschen oder österreichischen Ehe?
Sie wird in Italien als zivile Union eingetragen und entfaltet deren Wirkungen. Vermögens- und erbrechtlich ist das nahe an der Ehe; bei der Elternschaft nicht. Prüfen Sie vor einem Umzug insbesondere die Stellung des nicht leiblichen Elternteils.
Wie wird der zweite Elternteil anerkannt?
Über die Adoption in besonderen Fällen, die das Jugendgericht im Einzelfall bewilligt. Eine gesetzliche Regelung fehlt, die Rechtsprechung ist aber gefestigt. Das Verfahren dauert und erfordert anwaltliche Vertretung.
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Kirchliche Trauung
Italien ist der Sonderfall: Eine katholische Trauung hat zivile Wirkung – für Religionen ohne Staatsvertrag gilt das nicht.
Italien kennt die konkordatäre Ehe: Eine nach katholischem Ritus geschlossene Ehe entfaltet zivile Wirkung, sobald sie in die Standesamtsregister eingetragen wird. Dasselbe gilt für Religionsgemeinschaften, die mit dem Staat ein Abkommen geschlossen haben, etwa Waldenser, jüdische Gemeinden, Adventisten und weitere. Religionsgemeinschaften ohne solches Abkommen – darunter der Islam – können keine zivilrechtlich wirksame Ehe schließen.
Italien ist der Sonderfall im deutschsprachigen Raum: Eine katholische Trauung kann zivile Wirkung entfalten, wenn sie nach dem Konkordat in die Personenstandsregister eingetragen wird — die sogenannte Konkordatsehe. Das Aufgebot beim Standesamt bleibt trotzdem erforderlich. Für Religionsgemeinschaften mit einem Staatsvertrag gelten vergleichbare Regeln; für alle anderen bleibt es bei der rein zivilen Eheschließung.
Die wichtigsten Punkte
| Konkordatäre Ehe | Katholische Trauung mit ziviler Wirkung durch Eintragung |
|---|---|
| Abkommen | Weitere Konfessionen mit Staatsvertrag können ebenfalls wirksam trauen |
| Ohne Abkommen | Keine zivile Wirkung; eine Zivilehe ist zusätzlich erforderlich |
| Aufgebot | Auch bei der konkordatären Ehe beim Standesamt zu beantragen |
| Eintragung | Der Pfarrer übermittelt die Urkunde binnen weniger Tage an das Standesamt |
| Kirchliche Nichtigkeit | Ein kirchliches Nichtigkeitsurteil kann für den Staat anerkannt werden |
In der Praxis
- Auch für die kirchliche Trauung das zivile Aufgebot beim Standesamt beantragen – ohne das entsteht keine zivile Wirkung.
- Nach der Trauung prüfen, ob die Eintragung tatsächlich erfolgt ist, und einen Auszug anfordern.
- Wenn Ihre Religionsgemeinschaft kein Abkommen hat, zusätzlich zivil heiraten.
- Den Güterstand vor der Trauung klären; ohne Erklärung gilt Gütergemeinschaft.
Kosten und Übernahme
Für die zivile Eheschließung fallen Gemeindegebühren an, die je nach Trauort variieren. Die kirchliche Feier ist für Gemeindemitglieder üblicherweise kostenlos; Musik, Blumen und Chor kommen hinzu.
Aktuelle Entwicklungen
Die Zahl rein ziviler Trauungen steigt auch in Südtirol, und die Gemeinden haben zusätzliche Trauorte ausgewiesen — von Schlössern bis zu Almhütten. Die Konkordatsehe bleibt in ländlichen Gemeinden verbreitet.
Anlaufstellen
- Standesämter der Gemeinden.
- Pfarrämter und Kirchenverwaltungen.
- Kirchliches Gericht der Diözese für Nichtigkeitsverfahren.
Gut zu wissen
Die zivile Wirkung hängt allein an der Eintragung. Kontrollieren Sie einige Wochen nach der Hochzeit beim Standesamt, ob sie vollzogen wurde – Versäumnisse kommen vor und fallen sonst erst Jahre später auf.
Häufige Fragen
Was ist eine Konkordatsehe?
Eine katholische Trauung, die zugleich zivile Wirkung hat, weil der Geistliche sie in die Personenstandsregister eintragen lässt. Voraussetzung ist das vorherige Aufgebot beim Standesamt. Sie ersparen sich damit eine zweite Zeremonie, nicht aber die Formalitäten.
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Hochzeitsbräuche und Zeremonien
Ehrenpforte der Nachbarn, Musikkapelle beim Kirchgang und Tracht statt Anzug.
Die Südtiroler Hochzeit ist stark dorfgebunden. Die Nachbarschaft errichtet eine Ehrenpforte vor dem Haus; die Musikkapelle begleitet den Kirchgang; viele Gäste und oft auch das Paar tragen Tracht statt Anzug und Kleid. Nach italienischem Recht hat die kirchliche Trauung über das Konkordat unmittelbar zivilrechtliche Wirkung.
Südtiroler Hochzeiten verbinden alpine und italienische Elemente. Die Ehrenpforte, die Nachbarn vor dem Haus errichten, und der Kirchgang mit Musikkapelle sind fest verankert; Tracht statt Anzug ist in vielen Tälern der Normalfall, nicht die Ausnahme. Gefeiert wird oft auf einem Hof oder in einem Gasthof, mit Speisen, die zwischen Knödel und Antipasti keine Wahl treffen müssen.
Die wichtigsten Punkte
| Kirchliche Trauung | Über das Konkordat mit unmittelbarer zivilrechtlicher Wirkung |
|---|---|
| Ehrenpforte | Von der Nachbarschaft errichtet und geschmückt |
| Musikkapelle | Begleitet den Kirchgang durch das Dorf |
| Tracht | Dirndl und Lederhose sind volle Festkleidung, kein Kostüm |
| Kranzl | Kopfschmuck der Braut in mehreren Tälern |
| Sprachgruppen | Deutsche, italienische und ladinische Bräuche nebeneinander |
| Fest | Mehrgängiges Essen, oft bis in die Nacht |
In der Praxis
- Tracht ist hier festliche Kleidung, nicht Folklore — sie wird ernst genommen.
- Die Musikkapelle und die Nachbarschaft werden frühzeitig eingebunden und bedankt.
- Die kirchliche Trauung ersetzt hier das Standesamt, wenn sie konkordatsrechtlich erfolgt.
- In gemischtsprachigen Familien wird die Zeremonie zweisprachig gestaltet.
Was es kostet
Eine Südtiroler Hochzeit kostet üblicherweise zwischen fünfzehntausend und dreißigtausend Euro. Musikkapelle, Schützen und Ehrenpforte werden mit einem Umtrunk oder einer Spende abgegolten, nicht mit einem Honorar.
Aktuelle Entwicklungen
Hochzeiten auf Almen und Berghütten haben stark zugenommen, auch bei Paaren aus dem Ausland; die traditionellen Elemente — Musikkapelle, Tracht, Ehrenpforte — bleiben dabei fast immer erhalten.
Häufige Fragen
Trägt man in Südtirol Tracht zur Hochzeit?
In vielen Tälern ja — Dirndl und Lodenanzug sind bei Gästen wie beim Brautpaar verbreitet und keineswegs folkloristisch gemeint. Fragen Sie im Zweifel die Familie; als Gast aus dem Ausland ist gepflegte Kleidung immer richtig, Tracht ein Zeichen von Respekt, aber keine Pflicht.
Was ist die Ehrenpforte?
Ein geschmückter Bogen, den Nachbarn vor dem Haus des Brautpaares errichten, oft mit Girlanden und einem Spruch. Er entsteht ohne Auftrag und wird nicht bezahlt; üblich ist eine Einladung der Nachbarschaft zum Umtrunk.
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Güterstand und Erbrecht
Gütergemeinschaft als Regelfall und ein sehr starkes Pflichtteilsrecht, das die Testierfreiheit stark einschränkt.
Ohne abweichende Erklärung leben Ehegatten in Gütergemeinschaft: Was während der Ehe erworben wird, gehört beiden. Im Erbrecht gilt ein ausgeprägtes System der Pflichtteile: Ehegatte, Kinder und unter Umständen Eltern haben Anspruch auf feste Quoten des Nachlasses, über die der Erblasser nicht verfügen kann. Erbverträge sind grundsätzlich unzulässig.
Italien kennt die Gütergemeinschaft als gesetzlichen Regelfall — ungewöhnlich im deutschsprachigen Raum: Was während der Ehe erworben wird, gehört beiden zu gleichen Teilen, sofern nicht bei der Eheschließung Gütertrennung erklärt wird. Das Pflichtteilsrecht ist zudem sehr stark und schränkt die Testierfreiheit erheblich ein. Für Südtiroler Höfe gilt zusätzlich das Höferecht mit dem geschlossenen Hof, das die Teilung verhindert.
Die wichtigsten Punkte
| Gesetzlicher Güterstand | Gütergemeinschaft, sofern nichts anderes erklärt wird |
|---|---|
| Gütertrennung | Durch Erklärung bei der Trauung oder notariellen Vertrag |
| Pflichtteile | Feste Quoten für Ehegatte, Kinder und gegebenenfalls Eltern |
| Erbverträge | Grundsätzlich unzulässig; Ausnahme ist der Familienpakt für Unternehmen |
| Wohnung | Der überlebende Ehegatte hat ein Wohnrecht an der Familienwohnung |
| Höfe | In Südtirol gilt zusätzlich das Höferecht mit dem Grundsatz der Unteilbarkeit des geschlossenen Hofs |
In der Praxis
- Den Güterstand vor der Trauung festlegen: Die Erklärung bei der Trauung ist der einfachste Zeitpunkt.
- Ein Testament errichten, aber die Pflichtteile einkalkulieren – sonst wird es angefochten.
- Bei einem landwirtschaftlichen Betrieb frühzeitig klären, ob er als geschlossener Hof gebunden ist.
- Schenkungen dokumentieren: Sie werden bei der Berechnung der Pflichtteile angerechnet.
Kosten und Übernahme
Die Erklärung der Gütertrennung bei der Eheschließung ist kostenlos, eine spätere notarielle Änderung kostet nach Tarif. Erbschaftsteuerlich ist Italien in gerader Linie mild, mit hohen Freibeträgen für Kinder und Ehegatten.
Aktuelle Entwicklungen
Die Höfegesetzgebung ist mehrfach angepasst worden, um Übergaben zu erleichtern; erbschaftsteuerlich bleibt Italien in gerader Linie eines der günstigsten Länder Europas.
Anlaufstellen
- Notariate in Südtirol.
- Landesgericht Bozen für Erbstreitigkeiten.
- Landesabteilung Landwirtschaft für Fragen des Höferechts.
Gut zu wissen
Das Südtiroler Höferecht ist eine Besonderheit, die viele überrascht: Der geschlossene Hof geht ungeteilt an eine Person über, die übrigen Erben werden abgefunden. Wer einen Hof besitzt, sollte die Nachfolge zu Lebzeiten regeln.
Häufige Fragen
Muss man in Italien Gütertrennung ausdrücklich wählen?
Ja. Ohne ausdrückliche Erklärung gilt die Gütergemeinschaft: Alles während der Ehe Erworbene gehört beiden hälftig. Die Erklärung kann bei der Eheschließung oder später notariell abgegeben werden. Für Selbständige und Unternehmer ist das eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt.
Was ist der geschlossene Hof?
Eine Südtiroler Besonderheit: Landwirtschaftliche Betriebe, die als geschlossener Hof eingetragen sind, dürfen im Erbfall nicht geteilt werden. Ein Hofübernehmer erhält den Hof, die übrigen Erben werden abgefunden. Das Landesrecht regelt das eigenständig und geht dem allgemeinen Erbrecht vor.
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Scheidung
In Südtirol gilt italienisches Recht. Für die Scheidung gilt das italienische System: Auf die Trennung folgt nach einer Wartezeit die Scheidung. Seit der Reform von 2015 beträgt diese Frist bei einvernehmlicher Trennung sechs Monate, bei gerichtlicher Trennung zwölf Monate. Die Reform von 2022, in Kraft seit 2023, erlaubt es, Trennung und Scheidung in einem einzigen Verfahren zu beantragen.
Italien verlangte lange zwei getrennte Schritte: erst die Trennung, dann nach einer Wartezeit die Scheidung. Die Reform von 2022 erlaubt es, beide in einem Verfahren zu führen und die Anträge zu verbinden, was viel Zeit spart. Die Wartefristen zwischen Trennung und Scheidung bestehen weiter — sechs Monate bei einvernehmlicher, zwölf Monate bei streitiger Trennung.
Die wichtigsten Punkte
| Zweistufigkeit | Trennung, dann Scheidung – ein italienisches Spezifikum |
|---|---|
| Wartezeit | Sechs Monate nach einvernehmlicher, zwölf Monate nach gerichtlicher Trennung |
| Ein Verfahren | Seit der Reform von 2023 können beide Schritte zusammen beantragt werden |
| Ohne Gericht | Einvernehmliche Trennung und Scheidung sind auch vor dem Standesamt oder per assistierter Verhandlung möglich, wenn keine minderjährigen Kinder betroffen sind |
| Unterhalt | Nach der Rechtsprechung vorrangig auf Eigenständigkeit ausgerichtet, nicht auf Erhaltung des Lebensstandards |
| Zuständigkeit | Landesgericht Bozen; das Verfahren kann vollständig auf Deutsch geführt werden |
In der Praxis
- Wenn Sie sich einig sind, prüfen Sie die Trennung vor dem Standesamt: schneller und deutlich günstiger als ein Gerichtsverfahren.
- Die Vereinbarung über Kinder und Wohnung sorgfältig ausformulieren – sie wird Grundlage der späteren Scheidung.
- Bestehen Sie von Anfang an auf der Verfahrenssprache Deutsch; ein Wechsel im laufenden Verfahren ist umständlich.
- Alle Einkommens- und Vermögensunterlagen früh zusammenstellen: Der Streit dreht sich fast immer um sie.
Kosten und Übernahme
Eine einvernehmliche Trennung und Scheidung kann in einfachen Fällen vor dem Standesbeamten oder mit anwaltlicher Verhandlung abgewickelt werden, was günstig ist. Gerichtliche Verfahren verursachen einen Einheitsbeitrag und Anwaltskosten; das patrocinio a spese dello Stato greift bei geringem Einkommen.
Aktuelle Entwicklungen
Die Reform des Zivilprozesses von 2022 hat Trennung und Scheidung in einem Verfahren ermöglicht und ein einheitliches Familienverfahren geschaffen; die einvernehmliche Trennung vor dem Standesbeamten bleibt für Paare ohne minderjährige Kinder möglich.
Anlaufstellen
- Landesgericht Bozen, Familienabteilung.
- Standesämter der Gemeinden für die einvernehmliche Trennung.
- Rechtsanwaltskammer Bozen und Familienberatungsstellen.
Gut zu wissen
Die Wartezeit beginnt mit der gerichtlichen oder standesamtlichen Trennung, nicht mit dem Auszug. Ein informeller Auszug bringt die Frist nicht in Gang – das ist der häufigste und teuerste Irrtum.
Häufige Fragen
Muss man in Italien erst getrennt leben?
Ja, die Trennung bleibt Voraussetzung: sechs Monate bei einvernehmlicher, zwölf Monate bei streitiger Trennung. Seit der Reform von 2022 können Trennung und Scheidung aber in einem einzigen Verfahren beantragt werden, was die Gesamtdauer erheblich verkürzt.
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Allgemeine Quellen
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol — amtliches Landesportal, deutsch und italienisch
- Landesinstitut für Statistik ASTAT — Landesstatistiken
