Burundi: Eheschließung

Eheschließung in Burundi: Die standesamtliche Ehe steht Männern ab 21 und Frauen ab 18 Jahren offen, wobei der Provinzgouverneur aus schwerwiegenden Gründen Befreiung erteilen kann; sie wird in der Gemeinde geschlossen, nach einem fünfzehntägigen Aufgebot (publication des bans; Personen- und Familiengesetzbuch, Art. 87 bis 120).

Illustration: Die Eheschließung
Übersichtskarte — Burundi
Burundi. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Eheschließung

Ehe und Trauung in Burundi: Das Personen- und Familiengesetzbuch (Code des personnes et de la famille) definiert die Ehe als „die freiwillige Verbindung von Mann und Frau nach dem Zivilrecht“ (Art. 87), und die Verfassung von 2018 garantiert die Eheschließungsfreiheit und das Recht, den Partner oder die Partnerin zu wählen; die Ehe darf nur mit „freier und voller Einwilligung der künftigen Ehegatten“ geschlossen werden (Art. 29). Ein Mann darf vor Vollendung des 21. Lebensjahres nicht heiraten, eine Frau nicht vor Vollendung des 18.; der Provinzgouverneur kann aus schwerwiegenden Gründen eine Altersbefreiung erteilen (Art. 88). Ein Brautpreis (dot) darf die Gültigkeit der Ehe nicht bedingen, selbst wenn er schriftlich versprochen wurde (Art. 93).

Die zivilrechtliche Volljährigkeit liegt bei 21 Jahren (Art. 335): Für den Mann fällt das Heiratsalter mit der Volljährigkeit zusammen, während die Frau zwischen 18 und 20 Jahren minderjährig bleibt und die Einwilligung ihrer Eltern braucht; ist ein Elternteil verstorben, abwesend oder entmündigt (interdit), genügt die Einwilligung des anderen (Art. 89), und sind beide betroffen, willigt der Familienrat ein (Art. 92). Verweigert ein Elternteil die Einwilligung, rufen einer der Eltern oder die künftigen Ehegatten den Familienrat an, der einwilligt, die Weigerung bestätigt oder eine Bedenkzeit von höchstens sechs Monaten auferlegt, nach der die Ehe geschlossen werden kann (Art. 90 und 91); die Ehe bewirkt von Rechts wegen die Emanzipation (émancipation) des Minderjährigen (Art. 354).

Der Familienrat (conseil de famille) besteht aus Vater und Mutter des Betroffenen, seinen volljährigen Geschwistern, mindestens zwei weiteren Verwandten und mindestens zwei Personen, die für ihren Gerechtigkeitssinn bekannt sind, und soll sich vom Geist des „Ubushingantahe“ leiten lassen (Art. 371 und 373). Er berät nur gültig, wenn drei Viertel seiner Mitglieder anwesend sind, und beschließt mit Zweidrittelmehrheit der Anwesenden (Art. 377).

Die Ehe ist in gerader Linie zwischen Verwandten und Verschwägerten in allen Graden verboten, in der Seitenlinie zwischen Verwandten bis zum vierten Grad und zwischen früher Verschwägerten bis zum zweiten Grad nach einer Scheidung sowie zwischen Adoptierendem, Adoptiertem und deren nahen Angehörigen (Art. 97 bis 100); der Justizminister kann von den Hindernissen der Artikel 98 und 100 auf einen vom Gouverneur weitergeleiteten Antrag befreien (Art. 101). Ein Ausländer heiratet in Burundi nur, wenn er die Voraussetzungen seines Heimatrechts erfüllt, was ein Zeugnis seines diplomatischen oder konsularischen Vertreters belegt; der Gouverneur kann Staatenlose und Flüchtlinge davon befreien (Art. 94 bis 96).

Die wichtigsten Punkte

MindestalterMann: 21 vollendete Jahre; Frau: 18 vollendete Jahre; Befreiung durch den Provinzgouverneur aus schwerwiegenden Gründen (Art. 88) (Code des personnes et de la famille, 1993)
Zivilrechtliche Volljährigkeit21 Jahre; die Ehe emanzipiert von Rechts wegen (Art. 335 und 354)
Einwilligung der ElternVor der Volljährigkeit erforderlich; bei Weigerung entscheidet der Familienrat (Art. 89 bis 92)
AufgebotAushang mindestens 15 Tage vor der Trauung in der Gemeinde des Wohnsitzes und in der des Herkunftswohnsitzes; Aufgebot verfällt nach 1 Jahr (Art. 113 und 114)
Zuständiger StandesbeamterDer der Gemeinde, in der die künftigen Ehegatten wohnen; wohnen sie in zwei Gemeinden, wählen sie die des Mannes oder die der Frau (Art. 115)
Wartefrist der Frau vor einer neuen Ehe10 Monate nach Auflösung oder Nichtigerklärung der früheren Ehe, aufgehoben durch eine Entbindung (Art. 102) (Code des personnes et de la famille, 1993)
Zweite Ehe bei nicht aufgelöster erster EheVerboten: absolute Nichtigkeit (Art. 103 und 143); 6 Monate bis 2 Jahre Freiheitsstrafe (servitude pénale) und 20.000 bis 100.000 Francs (Strafgesetzbuch, Art. 553) (Code pénal du Burundi, 2017)
Standesbeamter, der gegen das Gesetz traut10 Monate bis 2 Jahre Freiheitsstrafe und 4.000 bis 20.000 Francs oder eine dieser Strafen (Art. 120)

In der Praxis

  • Das Aufgebot auf gemeinsamen Antrag der künftigen Ehegatten erstellen lassen: Es nennt die vollständige Identität jedes Partners, wird datiert, vom Standesbeamten unterschrieben und sofort ausgehängt (Art. 113).
  • Dem Standesbeamten einen Auszug aus der Geburtsurkunde oder eine an deren Stelle tretende Notorietätsurkunde vorlegen und, je nach Fall, die Befreiung, die Sterbeurkunde oder das Scheidungsurteil des früheren Ehegatten, den Beschluss des Familienrats oder das Konsulatszeugnis (Art. 116).
  • Persönlich zu einer öffentlichen Zeremonie erscheinen: Der Standesbeamte verliest die Personenstandsurkunden, belehrt die Ehegatten über ihre Rechte und Pflichten, nimmt ihre Erklärung entgegen und spricht aus, dass sie verbunden sind (Art. 117).
  • Die Einwilligung der Eltern persönlich während der Zeremonie erteilen lassen oder durch eine gesonderte Urkunde, die innerhalb von drei Werktagen vor der Zeremonie abzugeben ist, nur vom zuständigen Standesbeamten entgegengenommen werden kann und von ihm in der Heiratsurkunde vermerkt wird (Art. 118 und 119).
  • Deutsch-burundische Paare: Ein Deutscher, der im Ausland heiraten will, erhält das Ehefähigkeitszeugnis beim Standesamt seines Wohnsitzes oder gewöhnlichen Aufenthalts, sonst des letzten gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland, hilfsweise beim Standesamt I in Berlin; es gilt sechs Monate (§ 39 Personenstandsgesetz). Ob der burundische Standesbeamte es als Nachweis nach Art. 94 und 95 annimmt, vorab bei ihm klären.

Aktuelle Entwicklungen

Das Gesetzesdekret von 1993 bleibt der Text, den die Weltbank in Women, Business and the Law 2024 anführt. Nach dem schriftlichen Beitrag der Zivilgesellschaft vom Oktober 2022 hatte bereits eine interministerielle Kommission dreimal getagt, um das Gesetzbuch zu ändern.

Anlaufstellen

  • Standesamt der Gemeinde des Wohnsitzes: Aufgebot, Akte und Trauung (Art. 113 bis 117).
  • Provinzgouverneur: Altersbefreiung (Art. 88), Befreiung von Staatenlosen und Flüchtlingen vom Konsulatszeugnis (Art. 96), Weiterleitung der Verwandtschaftsbefreiungen an den Justizminister (Art. 101).
  • Familienrat: Einwilligung zur Ehe, wenn ein Elternteil sie verweigert (Art. 90).
  • Residenzgericht (tribunal de résidence) am Ehewohnsitz: Nichtigkeit der Ehe (Art. 141).
  • Deutsche Botschaft in Bujumbura: keine Rechts- und Konsularangelegenheiten; Pässe und Personenstandsurkunden bearbeitet die Deutsche Botschaft in Nairobi (Kenia), Schengen-Visa die Botschaft Belgiens in Bujumbura.

Gut zu wissen

Die Ehe einer Frau, die vor dem erforderlichen Alter geheiratet hat, kann nicht mehr wegen mangelnder Ehemündigkeit angefochten werden, sobald sie schwanger ist oder entbunden hat, auch wenn sie dieses Alter noch nicht erreicht hat (Art. 145 b).

Häufige Fragen

Was geschieht mit einer Ehe, die ohne das erforderliche Alter oder ohne Zustimmung der Eltern geschlossen wurde?

Mangelnde Ehemündigkeit ist ein Grund absoluter Nichtigkeit, doch die Ehe kann nicht mehr angefochten werden, wenn das erforderliche Alter erreicht ist oder sobald die Frau schwanger ist oder entbunden hat (Art. 143 und 145); Eltern, die eingewilligt haben, können sie nie anfechten (Art. 146). Die fehlende Zustimmung der Eltern ist eine relative Nichtigkeit, die die Eltern sechs Monate nach Kenntnis nicht mehr geltend machen können (Art. 148 und 153).

Kann ein Ausländer vor dem burundischen Standesbeamten heiraten?

Ja, wenn er die Voraussetzungen seines Heimatrechts erfüllt, belegt durch ein Zeugnis seiner Botschaft oder seines Konsulats (Art. 94 und 95); für einen Flüchtling genügt nach Angaben des HCR sein Flüchtlingsausweis.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Eheschließung · Mit einem anderen Land vergleichen

Quellen

  1. Décret-loi n° 1/024 du 28 avril 1993 portant réforme du Code des personnes et de la famille — pravo.hse.ru, 1993 (auf Französisch)
  2. Burundi — Code pénal : loi n° 1/27 du 29 décembre 2017 portant révision du Code pénal — lemandat.org, 2017 (auf Französisch)

Amtliche oder institutionelle Dokumente, auf die sich diese Seite stützt, abgerufen am 12. Oktober 2026. Die Links öffnen sich in einem neuen Tab.

Seite geprüft im . Die genannten Rechtstexte können sich ändern: Im Zweifel bei der genannten amtlichen Quelle bestätigen.

Text mit künstlicher Intelligenz erstellt, vom Team von AffectionPlus gegengelesen und geprüft (Methode und Quellen: Über uns). Dieser Inhalt ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Ein Fehler? Schreiben Sie uns.

Diese Seite in der Sitemap finden