Der Liebesbetrug

Den Betrug erkennen, in der richtigen Reihenfolge reagieren und genau wissen, wo man meldet.

Illustration: Der Liebesbetrug

Wie Liebesbetrug funktioniert

Der Betrug mit vorgetäuschten Gefühlen gehört zu den häufigsten Online-Betrugsformen, und er trifft nicht die Naiven: Er nutzt ein Bedürfnis, das alle haben — Aufmerksamkeit und Bindung. Das Drehbuch ist fast immer dasselbe.

  1. Ein schmeichelhafter Erstkontakt, meist von einem sehr attraktiven, oft jüngeren Profil, das zuerst schreibt.
  2. Eine sehr schnelle Steigerung: tägliche Nachrichten, Liebeserklärungen, Zukunftspläne nach zwei Wochen.
  3. Ständige Hindernisse für ein Treffen oder ein Videogespräch: Auslandseinsatz, Bohrinsel, humanitärer Einsatz.
  4. Die Geldforderung, die immer kommt: Flugticket, Zollgebühren, Krankenhausrechnung, Freigabe einer Erbschaft, „Investition“ in Kryptowährung.

Die Regel ohne Ausnahme

Niemals Geld an eine Person senden, die man online kennengelernt und nie persönlich getroffen hat — gleich welche Dringlichkeit behauptet wird, wie lange der Kontakt besteht oder wie echt die Gefühle sind. Kein legitimer Grund erfordert eine Überweisung an eine unbekannte Person.

Die Warnzeichen

Melden: Die ersten sechs Stunden entscheiden

Behandeln Sie einen Betrug wie eine Blutung: Die Reihenfolge der Handgriffe zählt mehr als ihre Perfektion. Tun Sie das Folgende der Reihe nach — ohne abzuwarten, bis Sie sicher sind, dass es wirklich Betrug war.

  1. Rufen Sie zuerst die Bank an. Nicht die Filialberatung, sondern die Betrugs-Hotline, die rund um die Uhr besetzt ist. Verlangen Sie ausdrücklich einen Rückruf der Überweisung, eine Sperrung der Karte oder eine Kontosperre, wenn Zugangsdaten abgeflossen sind.
  2. Sperren Sie das Zahlungsmittel. In vielen Ländern gibt es dafür eine einzige Notrufnummer, die für alle Institute gilt und jederzeit erreichbar ist. Suchen Sie sie heraus, bevor Sie sie brauchen.
  3. Sichern Sie die Beweise — und blockieren Sie erst danach. Exportieren Sie den Chatverlauf, fotografieren Sie das Profil, notieren Sie den genauen Benutzernamen, die Wallet-Adresse oder Kontonummer, die Überweisungsreferenzen und die Telefonnummern. Ein gelöschtes Profil ist eine leere Akte.
  4. Melden Sie auf der Plattform. Jede seriöse Seite hat eine Meldefunktion. Sie sorgt für die Sperrung des Kontos und schützt die nächste Person, die gerade schon angeschrieben wird.
  5. Melden Sie der zuständigen nationalen Stelle. Die meisten Länder haben eine eigene Meldestelle für Online-Betrug, getrennt von der Polizei und meist ohne persönliches Erscheinen nutzbar. Manche können das Geld bei der Empfängerbank einfrieren, wenn die Meldung innerhalb einer Stunde erfolgt.
  6. Erstatten Sie Anzeige. Auch wenn die Täterschaft im Ausland sitzt, auch wenn es aussichtslos scheint: Das Aktenzeichen wird von Bank, Versicherung und Finanzamt verlangt, und dieselben Konten tauchen bei vielen Betroffenen auf.

Das Zahlungsmittel entscheidet über Ihre Chancen

KreditkarteDer beste Schutz. Eine nicht autorisierte Zahlung ist in der Regel zu erstatten, und ein Widerspruch bleibt nach den Regeln des Kartensystems meist monatelang möglich.
ÜberweisungNur in den allerersten Stunden über einen Rückruf zurückholbar. Danach so gut wie nie.
MobilgeldEine Stornierung ist beim Anbieter manchmal möglich, solange der Empfänger das Geld nicht abgehoben hat. Eine Frage von Minuten.
Bargeldtransfer ins AuslandWird am Schalter abgeholt und ist damit nicht nachverfolgbar. Nur vor der Abholung stornierbar.
GutscheinkartenSofort den Herausgeber kontaktieren: Ist der Code noch nicht eingelöst, ist eine Sperre manchmal möglich.
KryptowährungNicht rückholbar. Genau deshalb wurde sie verlangt.

Der zweite Betrug

In den Wochen danach werden Sie wahrscheinlich von einem „Geldrückhol-Service“, einem angeblichen Anwalt oder einem angeblichen Ermittler kontaktiert, der gegen Gebühr Ihr Geld zurückholen will. Das sind fast ausnahmslos dieselben Netzwerke, die dieselbe Person ein zweites Mal angehen. Keine legitime Stelle verlangt eine Zahlung dafür, gestohlenes Geld zurückzugeben.

Sextortion

Eine stark zunehmende Variante: Nach wenigen Nachrichten wird ein intimes Videogespräch vorgeschlagen, aufgezeichnet und anschließend mit der Verbreitung an Ihre Kontakte gedroht. Die richtige Reaktion besteht aus fünf Schritten: nicht zahlen — Erpressung endet nie nach der ersten Zahlung —, jeden Kontakt abbrechen, Beweise sichern, die Privatsphäre-Einstellungen der sozialen Netzwerke schließen, um den Zugriff auf Ihre Kontaktliste zu kappen, und melden. Es gibt kostenlose Dienste, die die erneute Verbreitung eines intimen Bildes verhindern, ohne dass Sie es je irgendwohin senden müssen.

Daten schützen

Nicht in generelles Misstrauen kippen

Betrüger sind eine laute Minderheit: Die allermeisten Menschen auf Dating-Seiten meinen es ernst. Wenige klare Regeln nehmen den größten Teil des Risikos, ohne jedes Gespräch in ein Verhör zu verwandeln.

Auch in diesem Bereich

Die Rechtslage Land für Land

Rechtsrahmen, Verfahren, Fristen und Kosten unterscheiden sich von Land zu Land. Zu jedem der folgenden Länder gibt es eine ausführliche Seite: Rechtsgrundlagen, wichtige Fakten, Vorgehen, Kosten, Anlaufstellen und Fallstricke.

Wählen Sie ein Land, um die ausführliche Seite zu öffnen.

Europäischer Rahmen

Europäische Union

Zwei Rechtsakte helfen Betroffenen: das Verbot irreführender Geschäftspraktiken und die Pflicht der Bank, eine nicht autorisierte Zahlung zu erstatten.

Deutschland, Österreich, Schweiz

Deutschland

Anzeige online über die Internetwachen der Länder, und eine Erstattung, die davon abhängt, wer die Zahlung freigegeben hat.

Österreich

Anzeige bei jeder Polizeidienststelle, und mit der Watchlist Internet eine öffentlich finanzierte Meldestelle.

Schweiz

Ein Meldeformular des Bundesamts für Cybersicherheit, Anzeige bei der Kantonspolizei — und keine gesetzliche Erstattungspflicht.

Luxemburg, Liechtenstein und Ostbelgien

Luxemburg

Polizei rund um die Uhr, eine zentrale Kartensperrnummer und mehrsprachige Unterstützung.

Liechtenstein

Eine Landespolizei als einzige Anlaufstelle, und Zahlungsregeln nach dem Recht des Europäischen Wirtschaftsraums.

Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft)

Eine zentrale Anlaufstelle für Betrugsmeldungen, eine Adresse für verdächtige Nachrichten und Card Stop rund um die Uhr.

Weitere Länder mit deutschsprachiger Bevölkerung

Italien (Südtirol)

Die Postpolizei als spezialisierte Stelle, mit Online-Anzeige und italienischem Zahlungsrecht.

Namibia

Anzeige bei der Polizei, und beim Mobilgeld ist die Sperre beim Anbieter der einzige schnelle Weg.

Dieses Thema wird auch behandelt für französischsprachige Länder · englischsprachige Länder · die spanischsprachigen Länder · Italien und die italienische Schweiz · die portugiesischsprachigen Länder · die Niederlande, Flandern und Suriname.

Zum Weiterlesen

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