Gesundheit: Schwangerschaft, STI und Versorgung — Schweiz

Schwangerschaft. Keine Franchise für Mutterschaftsleistungen und vierzehn Wochen Mutterschaftsurlaub zu achtzig Prozent des Lohns. Menstruation und Periodenprodukte. Reduzierter Satz von 2,6 % seit 1. Januar 2025; Gratisabgabe Kanton für Kanton und Stadt für Stadt; kein eidgenössischer Menstruationsurlaub.

Illustration: Gesundheit: Schwangerschaft, STI und Versorgung
Übersichtskarte — Schweiz
Schweiz. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Schwangerschaft

Seit 2014 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Leistungen der Mutterschaft ohne Franchise und ohne Selbstbehalt: Vorsorge, Geburt und Kontrollen kosten nichts. Der Mutterschaftsurlaub dauert vierzehn Wochen und wird über die Erwerbsersatzordnung mit achtzig Prozent des Lohns entschädigt. Seit 2021 besteht ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub.

Die Schweiz trennt strikt zwischen dem arbeitsrechtlichen Schutz und der Lohnfortzahlung: Das Arbeitsgesetz verbietet die Beschäftigung während acht Wochen nach der Geburt, die Erwerbsersatzordnung zahlt die Mutterschaftsentschädigung während vierzehn Wochen zu achtzig Prozent des Lohnes. Wer die Arbeit vorher wieder aufnimmt, verliert den Anspruch auf die restliche Entschädigung — ein Punkt, der regelmäßig zu Fehlentscheidungen führt.

Die wichtigsten Punkte

FranchiseKeine Franchise und kein Selbstbehalt für Mutterschaftsleistungen
VorsorgeSieben Kontrollen und zwei Ultraschalluntersuchungen bei unauffälligem Verlauf
MutterschaftsurlaubVierzehn Wochen zu achtzig Prozent des Lohns
VaterschaftsurlaubZwei Wochen seit 2021
HebammenFreiberufliche Leistungen inklusive Hausbesuchen sind gedeckt
ArbeitsverbotAcht Wochen nach der Geburt darf nicht gearbeitet werden
GeburtsortSpital, Klinik oder Geburtshaus

In der Praxis

  • Prüfen, ob die Versicherung die Befreiung von der Franchise tatsächlich anwendet – Abrechnungsfehler sind häufig.
  • Die Hebammen-Nachsorge zu Hause vor der Spitalentlassung anmelden; sie ist gedeckt.
  • Der Mutterschaftsurlaub beginnt erst mit der Geburt und kann nicht vorgezogen werden.
  • Der Arbeitgeber darf in den acht Wochen nach der Geburt keine Arbeit verlangen.

Kosten und Übernahme

Mutterschaftsleistungen sind ohne Franchise und Selbstbehalt gedeckt.

Aktuelle Entwicklungen

Seit 2021 besteht ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub, der über die Erwerbsersatzordnung entschädigt wird; zudem wurde ein Betreuungsurlaub für schwer erkrankte Kinder eingeführt. Weitergehende Modelle einer gemeinsamen Elternzeit sind politisch in Diskussion.

Anlaufstellen

  • Freiberufliche Hebammen im Kanton.
  • Geburtsabteilungen der Spitäler und Geburtshäuser.
  • Mütter- und Väterberatungsstellen.

Gut zu wissen

Wer vor dem Termin aus gesundheitlichen Gründen aussetzt, erhält Krankentaggeld und nicht die Mutterschaftsentschädigung. Die Beträge unterscheiden sich deutlich.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz?

Vierzehn Wochen Mutterschaftsentschädigung zu achtzig Prozent des Lohnes, höchstens bis zu einem gesetzlichen Tageshöchstbetrag. Die ersten acht Wochen nach der Geburt besteht ein absolutes Arbeitsverbot. Nimmt die Mutter die Arbeit vor Ablauf der vierzehn Wochen wieder auf, endet der Anspruch vorzeitig.

Kostet die Schwangerschaftsvorsorge in der Schweiz etwas?

Die vorgesehenen Kontrolluntersuchungen, die Geburt und die Nachkontrolle sind von der Grundversicherung gedeckt, und ab der dreizehnten Schwangerschaftswoche entfallen Franchise und Selbstbehalt für Leistungen im Zusammenhang mit der Mutterschaft. Zusatzleistungen wie ein Einzelzimmer sind davon nicht erfasst.

Der allgemeine Artikel: Schwangerschaft · Mit einem anderen Land vergleichen

Menstruation und Periodenprodukte

Seit dem 1. Januar 2025 gilt für Tampons, Binden und Menstruationstassen der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 2,6 % statt 8,1 %. Das Parlament hatte das 2019 beschlossen, umgesetzt wurde es mit der Revision des Mehrwertsteuergesetzes. Eine Gratisabgabe ist nicht Bundessache: Kantone, Städte und Einrichtungen finanzieren sie, und das Arbeitsrecht kennt keinen Menstruationsurlaub.

Genf und Waadt haben als Erste Spender in Schulen und öffentlichen Gebäuden installiert; mehrere Kantone und Städte der Deutschschweiz sind gefolgt, jeder mit eigenem Umfang. Hochschulen entscheiden selbst. Dieselbe Person kann also im Gymnasium Gratisprodukte finden und in der Gemeinde keine.

Die Endometriose wird von der Grundversicherung wie jede Krankheit übernommen, abzüglich Franchise und Selbstbehalt, in den Frauenkliniken der Universitäts- und Kantonsspitäler, einige mit zertifiziertem Endometriosezentrum. Ein Arztzeugnis deckt die Arbeitsunfähigkeit; einzelne öffentliche Arbeitgeber haben für ihr Personal einen Menstruationsurlaub eingeführt, ohne allgemeine Rechtsgrundlage.

Wiederverwendbare Produkte fallen unter denselben reduzierten Satz; die Krankenkasse zahlt nichts.

Die wichtigsten Punkte

Mehrwertsteuer2,6 % seit 1. Januar 2025 (vorher 8,1 %)
GratisabgabeKantone und Städte: Genf und Waadt voran, weitere folgten; Hochschulen nach eigener Wahl
MenstruationsurlaubKeiner auf Bundesebene; einzelne öffentliche Arbeitgeber
EndometrioseGrundversicherung, Franchise und Selbstbehalt; Endometriosezentren in mehreren Spitälern
Wiederverwendbare ProdukteGleicher reduzierter Satz, keine Erstattung

In der Praxis

  • Fragen Sie Schule, Hochschule oder Gemeinde: Die Gratisabgabe ist lokal.
  • Vergleichen Sie Preise zwischen Anbietern und mit dem Ausland: Der Steuerunterschied ist klein, der Preisunterschied kann groß sein.
  • Bei Regelschmerzen mit Arbeitsausfall zur Frauenärztin; ein Arztzeugnis deckt die Abwesenheit.

Was es kostet

Ein Zyklus kostet üblicherweise 6 bis 15 Franken in Einwegprodukten; eine Tasse 25 bis 40 Franken. Steuer 2,6 %. Die Grundversicherung erstattet nichts.

Was sich zuletzt geändert hat

Der 2019 beschlossene reduzierte Satz gilt seit dem 1. Januar 2025 mit der Revision des Mehrwertsteuergesetzes.

Wo es Hilfe gibt

  • Eidgenössische Steuerverwaltung: geltende Mehrwertsteuersätze.
  • Kantonale Bildungsdirektionen: Gratisspender in Schulen.
  • Endo-Help und Patientinnenvereinigungen.
  • Kantonale Fachstellen für sexuelle Gesundheit.

Gut zu wissen

Den reduzierten Satz sieht man dem Preisschild nicht an: Prüfen Sie, ob die Senkung von 2025 weitergegeben wurde.

Häufige Fragen

Ist die Steuer auf Tampons in der Schweiz gesunken?

Ja: 2,6 % statt 8,1 % seit dem 1. Januar 2025.

Gibt es kostenlose Produkte in Schweizer Schulen?

In mehreren Kantonen und Städten, allen voran Genf und Waadt; die Entscheidung ist lokal.

Gibt es Menstruationsurlaub?

Nicht im Bundesrecht. Einzelne öffentliche Arbeitgeber haben ihn für ihr Personal eingeführt.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Menstruation und Periodenprodukte · Mit einem anderen Land vergleichen

Sexualtherapie

Freier Titel, aber ein privater Titel „Spezialistin in Sexologie SSS“ und Hochschulzertifikate; die Grundversicherung zahlt nur Ärzte und angeordnete Psychotherapie.

Die Schweiz schützt das Wort „Sexologe“ nicht. Geschützt sind der Titel Psychologin und die Tätigkeit als Psychotherapeutin durch das Psychologieberufegesetz sowie die ärztliche Tätigkeit durch das Medizinalberufegesetz. Sexualtherapie wird also unter dem Grundberuf ausgeübt — Ärztin, psychologische Psychotherapeutin, Hebamme, Physiotherapeut, Pflegefachperson — oder als nicht reglementierte Therapie im Rahmen der Wirtschaftsfreiheit.

Die Schweizerische Gesellschaft für Sexologie (SSS) vergibt den privaten Titel „Spezialist/Spezialistin in Sexologie SSS“ nach einem anerkannten Curriculum, 45 Stunden Supervision und Selbsterfahrung, mit Fortbildungspflicht; ihre Ausbildenden müssen die europäischen Zertifikate FECSM oder ECPS tragen. Hochschulseitig gibt es Weiterbildungszertifikate in klinischer Sexologie, in der Romandie an der Universität Genf mit dem Universitätsspital; in der Deutschschweiz bildet das Zürcher Institut für klinische Sexologie und Sexualtherapie (ZISS) aus. Der Verband der Psychologinnen und Psychologen in klinischer Sexologie bündelt die Psychologen des Feldes.

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt ärztliche Behandlung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Seit dem 1. Juli 2022 übernimmt sie auch psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung — das Anordnungsmodell: fünfzehn Sitzungen je Anordnung, verlängerbar, mit Bericht an den Vertrauensarzt nach dreißig Sitzungen. Eine Sexualtherapeutin, die eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin ist, kann also auf Anordnung abrechnen, sofern eine anerkannte Störung behandelt wird.

Wer weder Ärztin noch Psychotherapeutin ist, wird von der Grundversicherung nie bezahlt. Manche Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Sitzungen bei Therapeutinnen mit ASCA- oder EMR-Registrierung, je nach Police. Eine Sitzung kostet üblicherweise 120 bis 200 Franken.

Die wichtigsten Punkte

Titel SexologeNicht geschützt; geschützt: Arzt, Psychologin, Psychotherapeutin
Privater ReferenztitelSpezialist in Sexologie SSS: anerkanntes Curriculum, Supervision, Fortbildungspflicht
AusbildungHochschulzertifikate in klinischer Sexologie (Genf); ZISS in Zürich
Grundversicherung, ÄrzteÜbernommen, abzüglich Franchise und Selbstbehalt
Grundversicherung, psychologische PsychotherapieAuf ärztliche Anordnung seit Juli 2022 (15 Sitzungen je Anordnung, verlängerbar)
Sexologin ohne Arzt- oder PsychotherapeutenstatusNie Grundversicherung; Zusatzversicherung bei ASCA- oder EMR-Registrierung möglich
Üblicher Preis120 bis 200 Franken je Sitzung

In der Praxis

  • Suchen Sie die Person in der Spezialistenliste der SSS: Sie zeigt Grundberuf und Titel.
  • Für die Grundversicherung führt der Weg über die Hausärztin, die eine Psychotherapie bei einer anerkannten Psychotherapeutin anordnet oder an eine sexualmedizinische Sprechstunde überweist.
  • Bei nichtärztlichen Sexologinnen nach der ASCA- oder EMR-Nummer fragen und die Zusatzversicherung nach dem Betrag.
  • Die Universitätsspitäler (Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne) haben sexualmedizinische Sprechstunden mit Zuweisung.

Kosten und Erstattung

Ärztlich: Grundversicherung, Franchise und Selbstbehalt selbst. Angeordnete Psychotherapie: ebenso. Sexologin ohne diese Status: 120 bis 200 Franken je Sitzung, selbst zu zahlen, sofern keine Zusatzversicherung greift.

Was sich zuletzt geändert hat

Das Anordnungsmodell hat am 1. Juli 2022 das Delegationsmodell abgelöst: Psychologische Psychotherapeutinnen rechnen selbst mit der Kasse ab, auf ärztliche Anordnung. Psychologen ohne eidgenössischen Weiterbildungstitel in Psychotherapie sind nicht erfasst.

Anlaufstellen

  • Schweizerische Gesellschaft für Sexologie (SSS): Liste der zertifizierten Spezialistinnen.
  • Zürcher Institut für klinische Sexologie und Sexualtherapie (ZISS).
  • Stiftung ASCA und Erfahrungsmedizinisches Register (EMR): von Zusatzversicherungen anerkannte Therapeuten.
  • Kantonale Fachstellen für sexuelle Gesundheit: Beratung zu reduzierten Tarifen.
  • Sexualmedizinische Sprechstunden der Universitätsspitäler.

Gut zu wissen

Ein CAS oder ein „Diplom“ in Sexologie verleiht für sich allein keinen Spezialistentitel: Die SSS verlangt zusätzlich supervidierte Praxis. Und kein sexologischer Titel öffnet die Grundversicherung — nur der Status als Ärztin oder Psychotherapeut.

Häufige Fragen

Zahlt die Grundversicherung Sexualtherapie?

Nur bei Ärzten oder bei anerkannten psychologischen Psychotherapeutinnen auf ärztliche Anordnung. Sonst selbst zu zahlen, allenfalls teilweise über eine Zusatzversicherung.

Was ist der Titel Spezialistin SSS wert?

Er ist privat, aber anspruchsvoll: anerkanntes Curriculum, 45 Stunden Supervision, Fortbildungspflicht. Rechtlich bedeutet er nichts; praktisch ist er der beste Anhaltspunkt in der Schweiz.

Wie viele Sitzungen deckt eine Anordnung?

Fünfzehn, einmal formlos verlängerbar; nach dreißig Sitzungen braucht es einen Bericht an den Vertrauensarzt der Kasse.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Sexualtherapie · Mit einem anderen Land vergleichen

Psychische Gesundheit

Seit Juli 2022 genügt eine ärztliche Anordnung, damit die Grundversicherung die Psychotherapie bei Psychologen bezahlt.

Das Anordnungsmodell hat die delegierte Psychotherapie abgelöst: Hausärztinnen und Hausärzte können Psychotherapie bei psychologischen Psychotherapeuten anordnen, zunächst fünfzehn Sitzungen, verlängerbar. Die Grundversicherung übernimmt die Kosten abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr erreichbar, für Kinder und Jugendliche gibt es eine eigene kostenlose Nummer.

Seit Juli 2022 gilt das Anordnungsmodell: Eine ärztliche Anordnung genügt, damit die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Psychotherapie bei psychologischen Psychotherapeutinnen übernimmt. Das hat den Zugang spürbar verbessert; geblieben sind Franchise und Selbstbehalt, die je nach gewähltem Modell mehrere hundert Franken im Jahr ausmachen, bevor die Kasse zahlt.

Die wichtigsten Punkte

AnordnungsmodellSeit Juli 2022 in Kraft, ersetzt die delegierte Psychotherapie
AnordnungDurch die Hausarztpraxis, zunächst fünfzehn Sitzungen
KostenübernahmeGrundversicherung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt
Dargebotene HandKostenlos und rund um die Uhr erreichbar
JugendlicheEigene kostenlose und anonyme Beratungsnummer
Fürsorgerische UnterbringungGerichtlich überprüfbar, mit Beschwerderecht
NotfallPsychiatrische Notfalldienste in jedem Kanton

In der Praxis

  • Lassen Sie sich die Anordnung in der Hausarztpraxis ausstellen - mehr braucht es nicht.
  • Rechnen Sie mit der Franchise: im ersten Jahr kann ein erheblicher Teil selbst zu tragen sein.
  • Die Beratungsnummern sind kostenlos, anonym und jederzeit erreichbar, auch für Angehörige.
  • Gegen eine fürsorgerische Unterbringung können Sie jederzeit Beschwerde einreichen.

Kosten und Übernahme

Angeordnete Psychotherapie wird von der Grundversicherung übernommen, abzüglich Franchise und Selbstbehalt.

Aktuelle Entwicklungen

Das Anordnungsmodell hat die Zahl der abrechenbaren Behandlungen deutlich erhöht und die Wartezeiten in mehreren Kantonen verkürzt, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Engpässe bestehen weiter in ländlichen Regionen.

Anlaufstellen

  • Dargebotene Hand, rund um die Uhr.
  • Psychiatrische Notfalldienste der Kantone.
  • Ambulatorien der psychiatrischen Kliniken.

Gut zu wissen

Die Reform hat den Zugang stark erleichtert, die Franchise bleibt aber geschuldet. Bei hoher Franchise kann eine Psychotherapie im ersten Jahr vollständig selbst zu bezahlen sein - prüfen Sie Ihr Versicherungsmodell.

Häufige Fragen

Wie kommt man in der Schweiz zu einer bezahlten Psychotherapie?

Über eine ärztliche Anordnung — von der Hausärztin, einer Kinderärztin oder einer Psychiaterin. Damit übernimmt die Grundversicherung die Behandlung bei einer zugelassenen psychologischen Psychotherapeutin. Vor dem Anordnungsmodell war eine Delegation durch einen Arzt nötig; das ist seit Juli 2022 nicht mehr der Fall.

Was zahlt man selbst?

Franchise und zehn Prozent Selbstbehalt bis zum jährlichen Höchstbetrag. Je nach gewählter Franchise fallen die ersten Sitzungen daher praktisch vollständig zu Ihren Lasten. Bei knappen Mitteln lohnt ein Gespräch über die Franchisenwahl beim nächsten Versicherungswechsel.

Der allgemeine Artikel: Psychische Gesundheit · Mit einem anderen Land vergleichen

Zahnbehandlung

Das Land, in dem Zahnbehandlung fast gar nicht versichert ist — und aus dem am meisten ins Ausland gefahren wird.

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt Zahnbehandlungen nur in drei abschließend geregelten Fällen: bei schwerer, nicht vermeidbarer Erkrankung des Kausystems, bei Zahnschäden durch eine schwere Allgemeinerkrankung oder wenn die Behandlung durch eine solche Erkrankung nötig wird. Karies, Krone, Prothese und übliche Kieferorthopädie sind damit nicht gedeckt.

Unfälle fallen unter die Unfallversicherung, die abgebrochene Zähne übernimmt.

Zahnzusatzversicherungen decken typischerweise 50 bis 75 % bis zu einer Jahreshöchstsumme, mit Wartefrist und Gesundheitsfragen beim Abschluss — nach Auftreten der Probleme lohnen sie sich kaum noch.

Die Kantone finanzieren Schulzahnpflege und Kontrollen für Kinder, mit stark unterschiedlichen Regeln.

Da die Preise zu den höchsten Europas gehören, sind Fahrten ins benachbarte Frankreich sowie nach Ungarn und Polen für umfangreiche Arbeiten sehr verbreitet.

Die wichtigsten Punkte

GrundversicherungZahnbehandlung ausgeschlossen, außer in drei Fällen
UnfälleUnfallversicherung
Zusatzversicherung50 bis 75 % bis zu einer Jahreshöchstsumme
KinderSchulzahnpflege, kantonal geregelt
KieferorthopädieSelbst zu zahlen, außer bei anerkanntem Geburtsgebrechen (IV)

In der Praxis

  • Holen Sie mehrere Kostenvoranschläge ein: Die Preisunterschiede zwischen Praxen sind erheblich.
  • Eine Zusatzversicherung schließt man ab, bevor Probleme bestehen.
  • Die Universitätszahnkliniken in Genf, Bern, Zürich und Basel sind deutlich günstiger, mit längeren Wartezeiten.

Kosten und Übernahme

Zahnreinigung 150–250 Fr. Krone 1 200–2 000 Fr. Implantat mit Krone 3 500–6 000 Fr. Kieferorthopädie 8 000–15 000 Fr. In aller Regel selbst zu zahlen.

Aktuelle Entwicklungen

Die Debatte über eine obligatorische Zahnversicherung kehrt in den Kantonen regelmäßig zurück; mehrere Initiativen wurden abgelehnt.

Anlaufstellen

  • Universitätszahnkliniken Genf, Lausanne, Bern, Zürich, Basel.
  • Schulzahnpflegedienste der Kantone.
  • Kantonale zahnärztliche Gesellschaften, für Notfälle.

Gut zu wissen

Viele bemerken erst bei der Rechnung, dass Zahnbehandlung nicht in der Grundversicherung ist. Vor jeder größeren Arbeit einen schriftlichen Kostenvoranschlag verlangen.

Häufige Fragen

Deckt die Grundversicherung den Zahnarzt?

Nein, außer in drei gesetzlich abschließend geregelten Fällen.

Lohnt sich die Behandlung im Ausland?

Bei umfangreichen Arbeiten häufig deutlich. Planen Sie die Nachsorge und klären Sie schriftlich, wer nacharbeitet.

Der allgemeine Artikel: Zahnbehandlung · Mit einem anderen Land vergleichen

HIV und Aids

Seit 2024 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die PrEP – nach Jahren, in denen sie privat bezahlt werden musste.

Die Schweiz hat mit dem Swiss Statement von 2008 als erstes Land offiziell festgehalten, dass HIV unter wirksamer Therapie sexuell nicht übertragen wird. Die Behandlung wird von der Grundversicherung getragen. Die PrEP wurde lange privat bezahlt; seit 2024 ist sie Bestandteil der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, begleitet von einem strukturierten Betreuungsprogramm.

Die Schweiz hat die PrEP 2024 in die obligatorische Krankenpflegeversicherung aufgenommen, nachdem sie jahrelang privat bezahlt werden musste. Zuvor hatte ein nationales Programm den Zugang zu vergünstigten Preisen organisiert. Die Checkpoints in den größeren Städten bieten Test, Beratung und PrEP-Begleitung aus einer Hand.

Die wichtigsten Punkte

TestBei Ärztinnen und Ärzten, in Checkpoints, in teilnehmenden Apotheken oder per Selbsttest
CheckpointsGemeinschaftsnahe Gesundheitszentren mit Schnelltest und Beratung
PrEPSeit 2024 Leistung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
PEPIn den Notfallstationen der Spitäler
BehandlungÜber die Grundversicherung, Franchise und Selbstbehalt bleiben
Swiss StatementErste offizielle Erklärung weltweit zur Nichtübertragbarkeit unter Therapie
MeldungAnonymisierte Meldung ohne Namen

In der Praxis

  • Franchise und Selbstbehalt vorab mit der Versicherung klären: Die Deckung ist nicht vollständig.
  • Checkpoints bieten Schnelltests und Beratung ohne Umweg über die Hausarztpraxis.
  • Nach einer Exposition direkt auf die Notfallstation.
  • Das Betreuungsprogramm zur PrEP umfasst regelmässige Kontrollen – es gehört zur Leistung.

Kosten und Übernahme

Behandlung und PrEP werden von der Grundversicherung getragen, unter Vorbehalt von Franchise und Selbstbehalt.

Aktuelle Entwicklungen

Seit 2024 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die PrEP; die Checkpoints bieten weiterhin niederschwellige Tests und Beratung, auch anonym.

Anlaufstellen

  • Checkpoints in Zürich, Genf, Lausanne, Basel, Bern und Lugano.
  • Aids-Hilfe Schweiz und kantonale Stellen.
  • Infektiologische Sprechstunden der Universitätsspitäler.

Gut zu wissen

Franchise und Selbstbehalt bleiben auch nach der Aufnahme der PrEP in die Grundversicherung bestehen. Im ersten Jahr kann das spürbar sein – planen Sie es ein.

Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse in der Schweiz die PrEP?

Seit 2024 ja, im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und nach den geltenden Bedingungen; Franchise und Selbstbehalt fallen an. Zuvor war sie eine reine Selbstzahlerleistung, die über ein nationales Programm verbilligt zugänglich war.

Quellen

Der allgemeine Artikel: HIV und Aids

Hepatitis B

Die Säuglingsimpfung wird erst seit 2019 empfohlen – zuvor richtete sie sich an Jugendliche.

Die Schweiz empfahl die Hepatitis-B-Impfung lange erst im Jugendalter, was eine ungeschützte Lücke in der frühen Kindheit liess. Seit 2019 wird sie auch für Säuglinge empfohlen, im Kombinationsimpfstoff. Das Screening in der Schwangerschaft ist vorgesehen, und die Behandlung wird von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung getragen.

Die Schweiz hat die Säuglingsimpfung erst 2019 allgemein empfohlen — davor richtete sich die Empfehlung an Jugendliche zwischen elf und fünfzehn Jahren. Das erklärt eine Lücke bei den mittleren Jahrgängen. Die Impfung wird von der Grundversicherung übernommen, wenn sie nach den Empfehlungen erfolgt.

Die wichtigsten Punkte

SäuglingsimpfungSeit 2019 empfohlen, im Kombinationsimpfstoff
JugendlicheZuvor war die Impfung zwischen 11 und 15 Jahren empfohlen
KostenübernahmeKostenlos im Rahmen der kantonalen Impfprogramme
SchwangerschaftBestimmung des HBs-Antigens vorgesehen
Neugeborene von TrägerinnenImpfung und Immunglobulin nach der Geburt
TestBei Ärztinnen, in Checkpoints oder im Zentrum für sexuelle Gesundheit

In der Praxis

  • Wer vor 2019 geboren wurde, sollte den Impfausweis prüfen: Die Impfung erfolgte eventuell erst im Jugendalter – oder gar nicht.
  • Nach einer Exposition innerhalb von 48 Stunden auf die Notfallstation.

Kosten und Übernahme

Die Impfung ist über die kantonalen Programme kostenlos; die Behandlung fällt unter Franchise und Selbstbehalt.

Aktuelle Entwicklungen

Seit 2019 ist die Hepatitis-B-Impfung für Säuglinge empfohlen und wird von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen; die Nachholimpfung bei Jugendlichen bleibt möglich.

Anlaufstellen

  • Kantonale Impfprogramme und Hausarztpraxen.
  • Checkpoints und Zentren für sexuelle Gesundheit.
  • Hepatologische Sprechstunden der Universitätsspitäler.

Gut zu wissen

Erwachsene, die vor der Ausweitung von 2019 geboren wurden, sind die am schlechtesten geschützte Gruppe. Eine einzige Antikörperbestimmung zeigt, ob eine Impfung nötig ist.

Häufige Fragen

Warum wurde in der Schweiz früher erst im Jugendalter geimpft?

Weil die Strategie lange darauf setzte, kurz vor dem Alter der ersten sexuellen Kontakte zu impfen. Seit 2019 wird die Impfung für Säuglinge empfohlen, was einen früheren und vollständigeren Schutz bringt. Wer dazwischen aufgewachsen ist, sollte den Impfausweis prüfen lassen.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Hepatitis B

HPV (Humane Papillomviren)

Kostenlose Impfung über die kantonalen Programme – aber kein organisiertes Früherkennungsprogramm.

Die Impfung wird für Jugendliche beider Geschlechter empfohlen und ist im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ohne Franchise kostenlos, mit Nachholimpfung bis 26 Jahre. Bei der Früherkennung fehlt dagegen ein organisiertes Programm: Der Abstrich erfolgt auf eigene Initiative und fällt in der Regel unter Franchise und Selbstbehalt.

Die Impfung ist über die kantonalen Programme für Mädchen und Jungen kostenlos, wenn sie in diesem Rahmen erfolgt — ausserhalb davon fallen Franchise und Selbstbehalt an. Was der Schweiz fehlt, ist ein organisiertes Früherkennungsprogramm mit Einladungen: Die Vorsorge läuft über die individuelle gynäkologische Kontrolle, was zu Lücken bei Frauen ohne regelmässigen Arztkontakt führt.

Die wichtigsten Punkte

Impfalter11 bis 14 Jahre empfohlen, Nachholimpfung bis 26
KostenübernahmeKostenlos im Rahmen der kantonalen Programme, ohne Franchise
FrüherkennungOpportunistisch, kein organisiertes Programm
IntervallAbstrich alle drei Jahre nach zwei unauffälligen Jahresabstrichen
Kosten der FrüherkennungFällt unter Franchise und Selbstbehalt
Kantonale UnterschiedeAusgestaltung der Programme variiert erheblich
HPV-TestNicht als Primärtest im Programm etabliert

In der Praxis

  • Die Impfung über das kantonale Programm organisieren – nur so entfällt die Franchise.
  • Für die Früherkennung selbst einen Termin vereinbaren: Eine Einladung gibt es nicht.
  • Die Auswirkung der Franchise vorab klären, bevor Sie den Termin planen.
  • Die Nachholimpfung bis 26 ist weiterhin kostenlos.

Kosten und Übernahme

Die Impfung ist über die kantonalen Programme kostenlos; die Früherkennung fällt unter Franchise und Selbstbehalt.

Aktuelle Entwicklungen

Die kantonalen Impfprogramme sind auf Jungen ausgeweitet und die Altersgrenzen angehoben worden; die Einführung eines organisierten Früherkennungsprogramms mit HPV-Test wird fachlich diskutiert.

Anlaufstellen

  • Kantonale Gesundheitsämter und Impfprogramme.
  • Gynäkologische Praxen und Hausarztpraxen.
  • Zentren für sexuelle Gesundheit.

Gut zu wissen

Der Abstrich wird von der Grundversicherung nur eingeschränkt getragen und fällt meist unter die Franchise. Wer eine hohe Franchise gewählt hat, zahlt ihn faktisch selbst.

Häufige Fragen

Ist die HPV-Impfung in der Schweiz kostenlos?

Im Rahmen der kantonalen Impfprogramme ja, ohne Franchise und Selbstbehalt. Ausserhalb dieser Programme wird sie über die Grundversicherung abgerechnet, mit Kostenbeteiligung. Fragen Sie nach dem kantonalen Programm, bevor Sie einen Termin vereinbaren.

Quellen

Der allgemeine Artikel: HPV (Humane Papillomviren)

Allgemeine Quellen

Seite geprüft im Oktober 2026. Die genannten Rechtstexte können sich ändern: Im Zweifel bei der genannten amtlichen Quelle bestätigen.

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