Identitätsdiebstahl

Die ersten Stunden entscheiden fast alles. Was Sie vor der Anzeige tun, wiegt schwerer als das Verfahren danach.

Illustration: Identitätsdiebstahl

Ein Straftatbestand, den es nicht überall gibt

Viele Länder kennen keinen eigenen Tatbestand des Identitätsdiebstahls: Verfolgt wird die Tat, die damit begangen wird – Betrug, Urkundenfälschung, unbefugter Zugriff auf ein System. Andere haben einen eigenen Tatbestand geschaffen, der schon vor einem Vermögensschaden greift, sobald Identitätsdaten beschafft oder verwendet werden. Der Unterschied bestimmt, wie die Anzeige zu formulieren ist: einmal muss die Betrugshandlung beschrieben werden, einmal genügt die Verwendung der Identität.

Die Reihenfolge, die wichtiger ist als das Recht

Drei Prioritäten in dieser Reihenfolge. Zuerst das E-Mail-Konto: Es setzt alle anderen Zugänge zurück, und solange es nicht gesichert ist, ist nichts sicher. Dann die Zahlungsmittel: sofort sperren und schriftlich bestätigen lassen, denn die Erstattung hängt fast überall von der Schnelligkeit der Meldung ab. Schliesslich die Kredit- und Identitätsdaten: Nur die Auskunft darüber, was auf Ihren Namen eingetragen ist, deckt Verträge auf, die andere abgeschlossen haben.

Das Telefon als Haupteinfallstor

Ein wachsender Teil der Fälle läuft über die Rufnummer: übernommene Anschlüsse, duplizierte SIM-Karten, abgefangene Einmalcodes. Das Warnzeichen ist einfach und wird meist übersehen: ein unerklärlicher Netzverlust bei funktionierendem Gerät. Rufen Sie dann sofort von einem anderen Telefon aus beim Anbieter an. Wo Geld mobil fliesst, beträgt das Zeitfenster für eine Sperrung wenige Minuten.

Die Bereinigung dauert länger als die Tat

Aufwendig ist nicht der Betrug, sondern die Wiederherstellung: falsche Einträge löschen lassen, Verträge auflösen, beweisen, dass ein Antrag nicht von Ihnen stammte. Zwei Regeln helfen. Alles schriftlich, mit Sendenachweis, nie nur telefonisch. Und eine einzige chronologische Akte mit jedem Schreiben, jedem Aktenzeichen und jeder Empfangsbestätigung: Nach dieser Akte, nicht nach der Anzeige, werden alle Stellen fragen.

Die wirksamste Einzelmassnahme

Wo es möglich ist, lassen Sie neue Vertragsabschlüsse auf Ihren Namen sperren – über die Auskunfteien oder eine Betrugspräventionsstelle. Keine andere Maßnahme verhindert so viele Missbräuche, und sie ist meist kostenlos. Notieren Sie das Ablaufdatum: Solche Sperren sind häufig befristet und enden ohne Hinweis.

Die Rechtslage Land für Land

Rechtsrahmen, Verfahren, Fristen und Kosten unterscheiden sich von Land zu Land. Zu jedem der folgenden Länder gibt es eine ausführliche Seite: Rechtsgrundlagen, wichtige Fakten, Vorgehen, Kosten, Anlaufstellen und Fallstricke.

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Europäischer Rahmen

Europäische Union

Die Union hat den Identitätsdiebstahl als solchen nicht harmonisiert, wohl aber den rechtswidrigen Zugang zu einem Konto — fast immer der Ausgangspunkt.

Deutschland, Österreich, Schweiz

Deutschland

Es gibt keinen eigenen Straftatbestand Identitätsdiebstahl: Verfolgt wird die Tat, die damit begangen wird.

Österreich

Paragraf 148a StGB erfasst den betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauch; Watchlist Internet warnt vor aktuellen Maschen.

Schweiz

Seit 2023 kennt das Schweizer Strafrecht einen eigenen Tatbestand des Identitätsmissbrauchs.

Luxemburg, Liechtenstein und Ostbelgien

Luxemburg

Kein eigener Straftatbestand: Verfolgt werden Betrug, Urkundenfälschung und Computerdelikte.

Liechtenstein

Betrugs- und Datendelikte des Strafgesetzbuchs, mit der Landespolizei als Ansprechstelle.

Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft)

Kein eigener Tatbestand, aber ein zentrales Meldeportal und ein Bankenmechanismus für schnelle Sperrungen.

Weitere Länder mit deutschsprachiger Bevölkerung

Italien (Südtirol)

Der Tatbestand der Personenverwechslung ist alt und weit gefasst; für Onlinefälle ist die Postpolizei zuständig.

Namibia

Kein eigener Tatbestand: Verfolgt werden Betrug und Urkundenfälschung, die Bank ist der wichtigste erste Kontakt.

Dieses Thema wird auch behandelt für französischsprachige Länder · englischsprachige Länder.

Zum Weiterlesen

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