Güterstand und Erbrecht — Vereinigte Staaten

Gütergemeinschaft der Errungenschaften (community property) in neun Staaten, gerechte Aufteilung (equitable distribution) in den übrigen, Pflichtteilsersatz für den überlebenden Ehegatten (elective share) in den meisten Staaten, Eheverträge überall wirksam; keine Erbschaftsteuer, aber eine Nachlasssteuer des Bundes oberhalb eines sehr hohen Freibetrags und in einigen Staaten eigene Steuern; Begünstigtenbenennungen gehen dem Testament vor.

Übersichtskarte — Vereinigte Staaten — Güterstand und Erbrecht
Vereinigte Staaten. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Ehegüterrecht ist Staatenrecht. Neun Community-Property-Staaten — Arizona, Kalifornien, Idaho, Louisiana, Nevada, New Mexico, Texas, Washington, Wisconsin — teilen das während der Ehe erworbene Vermögen hälftig; die übrigen wenden Equitable Distribution an: gerecht, nicht unbedingt gleich, nach Beiträgen, Dauer und Bedürfnissen. Beim Tod schützen die meisten Staaten den überlebenden Ehegatten durch einen Wahlanteil (elective share) von typischerweise einem Drittel gegen Enterbung; Louisiana ist der einzige Staat mit Pflichtteil für Kinder (unter 24 oder behindert). Eheverträge sind durchsetzbar bei Offenlegung, Freiwilligkeit und in manchen Staaten Fairness. Der Nachlass durchläuft ein staatliches Probate-Verfahren, das durch Living Trusts weithin vermieden wird; Altersvorsorgekonten und Lebensversicherungen gehen über die Begünstigtenbenennung am Testament vorbei. Die Nachlasssteuer des Bundes greift nur oberhalb eines sehr hohen Freibetrags (15 Millionen Dollar je Person seit 2026), mehrere Staaten erheben eigene Nachlass- oder Erbschaftsteuern.

Deutsche denken in Zugewinngemeinschaft: getrennte Vermögen, Ausgleich des Zugewinns bei Scheidung. Community Property in Kalifornien oder Texas geht weiter — Gehälter und Anschaffungen während der Ehe gehören beiden zur Hälfte, sofort und nicht erst bei Scheidung —, Equitable Distribution in New York oder Florida weniger berechenbar, weil der Richter nach Billigkeit teilt. Ein deutsches Paar, das in Deutschland geheiratet hat und später in die USA zieht, bleibt aus deutscher Sicht in Zugewinngemeinschaft (EU-Güterrechtsverordnung: erster gemeinsamer Aufenthalt), ein amerikanisches Scheidungsgericht wendet aber in aller Regel sein eigenes Recht an.

Beim Tod gibt es in den USA keine Erbschaftsteuer für den Erben, sondern eine Nachlasssteuer, die fast niemanden trifft; Deutschland besteuert den Erwerb des Erben mit Freibeträgen von 500 000 Euro (Ehegatte) und 400 000 Euro (Kind) und greift unbeschränkt, wenn Erblasser oder Erwerber in Deutschland wohnt oder ein deutscher Erblasser vor weniger als fünf Jahren weggezogen ist; das deutsch-amerikanische Erbschaftsteuerabkommen von 1980 verhindert die Doppelbesteuerung. Die Faustregel für Vermögen in beiden Ländern: Ehevertrag mit Rechtswahl, Testament, aktuelle Begünstigtenbenennungen und für US-Immobilien ein Living Trust oder eine Transfer-on-Death-Urkunde gegen das zweite Probate.

Die wichtigsten Punkte

Community-Property-StaatenArizona, Kalifornien, Idaho, Louisiana, Nevada, New Mexico, Texas, Washington, Wisconsin: Errungenschaften gehören beiden hälftig
Equitable DistributionAlle anderen Staaten: gerecht, nicht unbedingt gleich
EhevertragDurchsetzbar bei Offenlegung, Freiwilligkeit und in manchen Staaten Fairness
Wahlanteil (elective share)Schützt den überlebenden Ehegatten in den meisten Staaten gegen Enterbung; Kinder können außerhalb Louisianas enterbt werden
ProbateStaatliches Nachlassverfahren; Living Trusts zur Vermeidung weit verbreitet
Nachlasssteuer des BundesNur oberhalb eines sehr hohen Freibetrags (15 Millionen Dollar seit 2026); mehrere Staaten mit eigenen Steuern
BegünstigtenbenennungenAltersvorsorgekonten und Lebensversicherungen gehen am Testament vorbei
DeutscheZugewinngemeinschaft aus deutscher Sicht bei erstem Aufenthalt in Deutschland; deutsche Erbschaftsteuer bis fünf Jahre nach Wegzug; Abkommen von 1980

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Nachlassplanungspakete kosten einige hundert bis einige tausend Dollar; Probate kann weit mehr kosten (3 bis 7 Prozent des Nachlasses); Ehevertrag 2 000 bis 10 000 Dollar mit getrennten Anwälten; deutscher notarieller Ehevertrag nach Geschäftswert.

Aktuelle Entwicklungen

Nachlass- und Erbschaftsteuern der Staaten wurden vielerorts abgeschafft, bestehen aber in anderen fort (Washington, Oregon, Massachusetts, New York, Pennsylvania, Maryland …), sodass der Wohnsitz beim Tod erheblich zählt; der Bundesfreibetrag wurde 2025 dauerhaft auf 15 Millionen Dollar festgesetzt.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Begünstigtenbenennungen schlagen Testamente: ein Altersvorsorgekonto oder eine Lebensversicherung, die noch den früheren Ehepartner nennt, zahlt an ihn aus, was auch immer das Testament sagt. Immobilien in einem zweiten Staat bedeuten meist ein zweites Probate — ein Trust oder eine Transfer-on-Death-Urkunde vermeidet es. Und für Deutsche: die amerikanische Steuerfreiheit beim Erben schützt nicht vor der deutschen Erbschaftsteuer, solange der Bezug zu Deutschland besteht.

Häufige Fragen

Wir haben in Deutschland geheiratet und leben jetzt in Kalifornien — welches Güterrecht gilt?

Aus deutscher Sicht bleibt die Zugewinngemeinschaft, weil der erste gemeinsame Aufenthalt in Deutschland lag. Ein kalifornisches Scheidungsgericht wendet jedoch kalifornisches Recht an: Vermögen, das während der Ehe in Kalifornien erworben wurde, gilt dort als Community Property, Vermögen aus der deutschen Zeit als Quasi-Community-Property, das ebenfalls geteilt wird. Ein Ehevertrag, der die Zugewinngemeinschaft ausdrücklich wählt und in beiden Ländern wirksam errichtet ist, verhindert den Konflikt.

Fällt in den USA Erbschaftsteuer an, wenn ich meinem Ehepartner alles hinterlasse?

Keine, in keiner Höhe: Übertragungen an den Ehegatten sind von der Bundesnachlasssteuer unbegrenzt befreit, wenn der Ehegatte US-Bürger ist — für einen deutschen Ehegatten ohne US-Pass gilt der Ehegattenfreibetrag nicht, dann braucht es einen Qualified Domestic Trust oder den allgemeinen Freibetrag. Deutschland besteuert den Erwerb des in Deutschland lebenden oder vor weniger als fünf Jahren weggezogenen Ehegatten über 500 000 Euro; das Abkommen von 1980 rechnet die Steuern gegeneinander an.

Brauchen wir einen Living Trust?

Wenn ihr Immobilien in den USA besitzt, besonders in Kalifornien oder Florida, in mehr als einem Staat oder zusätzlich in Deutschland: ja, meist. Der widerrufliche Trust vermeidet das langsame, teure und öffentliche Probate, regelt die Verwaltung bei Geschäftsunfähigkeit und lässt sich mit einem deutschen Testament für das deutsche Vermögen kombinieren. Für kleine Nachlässe genügen Begünstigtenbenennungen und eine Transfer-on-Death-Urkunde, wo der Staat sie kennt.

Offizielle Quellen und Links

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