Die Rechtsgrundlage
Der Code des personnes et de la famille (Personen- und Familiengesetzbuch) von 2012 lässt die Ehegatten ihren Güterstand bei der Trauung wählen — Gütergemeinschaft (régime de la communauté) oder Gütertrennung (séparation de biens) —, und diese Wahl wird in der Heiratsurkunde vermerkt. Er hat außerdem die Erbrechte des überlebenden Ehegatten gestärkt. Die Erbfolge kann je nach Status der Beteiligten und nach den getroffenen Optionen dem geschriebenen Recht, dem Brauch (coutume) oder religiösem Recht unterliegen; Bräuche, die der gleichberechtigten Erbfolge des Code widersprechen, sind in Erbsachen allerdings ohne Wirkung. Verfassung und Protokoll von Maputo (Protokoll zur Afrikanischen Charta der Menschenrechte über die Rechte der Frauen) garantieren die Gleichberechtigung; in der Praxis benachteiligen Bräuche Witwen und Töchter dennoch häufig. Die Gleichheit der Kinder kommt in den neueren Gesetzen voran, bleibt in der Praxis aber umstritten. Nachlässe werden oft in der Familie nach Brauch geregelt, ohne Gericht.
Deutsch-togolesische Paare haben oft Vermögen in beiden Ländern — eine Wohnung in Deutschland, ein Grundstück oder ein Haus in Togo, Ersparnisse, die zwischen den Familien hin- und hergehen. Welches Güterrecht gilt, beurteilt jedes Land nach seinen eigenen Regeln. Deutschland wendet für Ehen, die seit dem 29. Januar 2019 geschlossen wurden, die EU-Güterrechtsverordnung an, auch wenn Togo kein EU-Staat ist: maßgeblich ist grundsätzlich der erste gemeinsame gewöhnliche Aufenthalt nach der Heirat, und ein späterer Umzug ändert daran im Prinzip nichts; für ältere Ehen gilt das deutsche internationale Privatrecht. Ein Paar, das in Lomé heiratet und gleich danach in Deutschland lebt, kann deshalb aus deutscher Sicht in der Zugewinngemeinschaft leben, obwohl in der togolesischen Urkunde ein anderer Güterstand steht — ob die in Togo getroffene Wahl in Deutschland trägt, hängt vom anwendbaren Recht ab.
Die Ehegatten können das Güterrecht nach der Verordnung selbst wählen: das Recht des gewöhnlichen Aufenthalts oder der Staatsangehörigkeit eines von ihnen; die Wahl muss schriftlich, datiert und von beiden unterschrieben sein und bedarf in Deutschland der notariellen Beurkundung. So lässt sich die Lücke zwischen beiden Rechtsordnungen schließen. In Togo selbst entscheiden die Papiere: die vollständige Abschrift der Heiratsurkunde mit dem gewählten Güterstand, Eigentumstitel auf beide Namen und ein notarielles Testament. Wer aus Deutschland Geld für Grundstück oder Hausbau in Togo überweist, sollte seine Beteiligung schriftlich festhalten — im Eigentumstitel oder in einer notariellen Urkunde —, denn ohne Nachweis ist sie später kaum durchzusetzen.
Die wichtigsten Punkte
| Wahl des Güterstands | Bei der Trauung, in der Heiratsurkunde vermerkt |
|---|---|
| Güterstände | Gütergemeinschaft oder Gütertrennung |
| Nachweis | Die copie intégrale (vollständige Abschrift) der Heiratsurkunde nennt den Güterstand — viele Ehegatten kennen ihn nicht |
| Erbfolge | Geschriebenes Recht, Brauch oder religiöses Recht je nach Status der Beteiligten; Erbrechte des Ehegatten seit 2012 gestärkt |
| Witwen und Töchter | Durch Bräuche häufig benachteiligt, obwohl Verfassung und Protokoll von Maputo Gleichheit garantieren |
| Kinder | Gleichheit in den neueren Gesetzen auf dem Vormarsch, in der Praxis umstritten |
| Eigentumstitel | Eintragung auf beide Namen: der wirksamste Schutz |
| Testament | Notarielles Testament: das einzige verlässliche Mittel, den überlebenden Ehegatten zu schützen |
| Deutsche | EU-Güterrechtsverordnung für Ehen ab 29. Januar 2019 (erster gemeinsamer gewöhnlicher Aufenthalt), ältere Ehen nach deutschem IPR; Rechtswahl in Deutschland notariell; gesetzlicher Güterstand dort Zugewinngemeinschaft; Erbschaftsteuer-Freibetrag des Ehegatten 500 000 Euro |
In der Praxis
- Eine copie intégrale der Heiratsurkunde verlangen und den eingetragenen Güterstand prüfen: viele Ehegatten kennen ihn nicht — für deutsche Notare und Gerichte mit Übersetzung.
- Lebt das Paar in Deutschland oder will es dort leben, beim deutschen Notar einen Ehevertrag mit Rechtswahl schließen (Recht des Aufenthalts oder der Staatsangehörigkeit eines Ehegatten) und mit ihm klären, wie sich die in Togo getroffene Wahl dazu verhält.
- Die Beiträge zu jedem Erwerb schriftlich festhalten, mit Kaufverträgen und Überweisungsbelegen — besonders Geld aus Deutschland für Grundstück und Hausbau in Togo.
- Immobilien, die beide finanzieren, auf beide Namen eintragen lassen, bei den services des domaines und der conservation foncière (Grundbuchamt).
- Ein notarielles Testament errichten, beim Notar hinterlegen und eine Vertrauensperson über seine Existenz informieren; für Vermögen in Deutschland zusätzlich ein deutsches Testament — aus deutscher Sicht gilt für den Nachlass das Recht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts, sofern nicht im Testament das Recht der Staatsangehörigkeit gewählt wird (EU-Erbrechtsverordnung).
- Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, gibt auch Einkünfte aus Togo, etwa Mieten, in der Steuererklärung an und klärt die Behandlung im Ausland gezahlter Steuern mit Finanzamt oder Steuerberater.
Kosten und Übernahme
In Togo sind Notar- und Eintragungsgebühren moderat: Eintragung und Testament kosten wenig, ein streitiges Teilungsverfahren dagegen viel und dauert Jahre. In Deutschland kosten Ehevertrag und Rechtswahl beim Notar nach dem Geschäftswert, also nach dem Vermögen der Ehegatten, ein notarielles Testament ebenso; Übersetzungen der togolesischen Urkunden kommen hinzu.
Aktuelle Entwicklungen
Das gemeinsame Problem der Region ist nicht der Inhalt der Gesetze, sondern ihre Anwendung: Nachlässe werden oft in der Familie nach Brauch geregelt, ohne den Richter. Der Code von 2012 hat die Stellung des überlebenden Ehegatten auf dem Papier gestärkt. Die EU-Güterrechtsverordnung gilt seit dem 29. Januar 2019 in den teilnehmenden Staaten, darunter Deutschland; Deutschland diskutiert seit 2025 eine Reform der Erbschaftsteuer.
Anlaufstellen
- Notare und officiers d'état civil: Testamente, Kaufurkunden, Abschriften der Heiratsurkunde.
- Die in Erbsachen zuständigen Gerichte.
- Cliniques juridiques (Rechtsberatungsstellen) und Frauenrechtsorganisationen, oft entscheidend für Witwen, denen die Enteignung droht.
- Services des domaines und conservation foncière: Eigentumstitel.
- Deutsche Botschaft Lomé: Informationen zum anwendbaren Güterrecht; deutscher Notar und Steuerberater für Ehevertrag, Rechtswahl und Steuern.
Gut zu wissen
Der wirksamste Schutz besteht aus drei Dokumenten: der eingetragenen Heiratsurkunde, dem Eigentumstitel auf beide Namen und einem notariellen Testament. Ohne sie setzt sich in Togo fast immer der Brauch gegen den Gesetzestext durch. Und für deutsch-togolesische Paare: welcher Güterstand in Deutschland gilt, hängt nicht allein von der Urkunde aus Lomé ab, sondern vom ersten gemeinsamen Aufenthalt — eine notarielle Rechtswahl beendet die Unsicherheit.
Häufige Fragen
Wir haben in Lomé geheiratet und leben in Deutschland — welcher Güterstand gilt?
Aus deutscher Sicht für Ehen seit dem 29. Januar 2019 das Recht des ersten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalts nach der Heirat (EU-Güterrechtsverordnung): sind Sie gleich nach der Hochzeit nach Deutschland gezogen, in der Regel die deutsche Zugewinngemeinschaft; haben Sie zunächst in Togo gelebt, das togolesische Recht mit dem in der Urkunde gewählten Güterstand. Für ältere Ehen entscheidet das deutsche internationale Privatrecht. Eine notariell beurkundete Rechtswahl (Recht des Aufenthalts oder der Staatsangehörigkeit eines Ehegatten) schafft Klarheit; die Botschaft in Lomé erläutert die Grundsätze.
Wie schütze ich meinen Ehepartner, falls ich sterbe?
In Togo mit einem notariellen Testament — dem einzigen verlässlichen Mittel, den überlebenden Ehegatten gegen Ansprüche der Familie nach Brauch zu schützen —, mit Eigentumstiteln auf beide Namen und einer copie intégrale der eingetragenen Heiratsurkunde. Der Code von 2012 hat die Erbrechte des Ehegatten gestärkt, doch ihre Durchsetzung hängt an diesen Papieren. Für Vermögen in Deutschland gilt aus deutscher Sicht das Erbrecht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts, außer Sie wählen im Testament das Recht Ihrer Staatsangehörigkeit; der Ehegatte hat in Deutschland einen Erbschaftsteuer-Freibetrag von 500 000 Euro.
Ich überweise Geld für unser Haus in Togo — gehört es dann auch mir?
Nur wenn es belegt ist: entscheidend sind der Eigentumstitel und der Güterstand in der Heiratsurkunde. Steht das Grundstück nur auf den Namen Ihres Ehegatten oder seiner Familie und haben Sie keine schriftlichen Nachweise über Ihre Beiträge, ist Ihr Anteil bei Trennung oder Tod schwer durchzusetzen — ein streitiges Teilungsverfahren dauert Jahre. Lassen Sie den Kauf notariell beurkunden, die Eintragung auf beide Namen vornehmen und bewahren Sie Überweisungsbelege und Verträge auf.
Offizielle Quellen und Links
- République togolaise — offizielles Portal — Portal des Staates und seiner Dienste (auf Französisch)
- Deutsche Botschaft Lomé — Bestimmung des anwendbaren Güterrechts — EU-Güterrechtsverordnung, erster gemeinsamer Aufenthalt, notarielle Rechtswahl
- EU-Erbrechtsverordnung 650/2012 — Erbrecht bei Vermögen in Deutschland, Rechtswahl im Testament
- République togolaise — portail officiel de l'État et de ses services
