Vulva ist nicht Vagina
Der häufigste Begriffsfehler überhaupt. Die Vulva ist alles von außen Sichtbare: Schamhügel, äußere und innere Schamlippen, Klitoriseichel mit ihrer Vorhaut, Harnröhrenöffnung und Scheideneingang. Die Vagina ist der innen liegende Muskelschlauch. Wer über Lust spricht, spricht meist über die Vulva.
Die Klitoris ist größer, als die meisten denken
Sichtbar ist nur die Eichel. Darunter liegen Körper und zwei bis zu neun Zentimeter lange Schenkel sowie zwei Schwellkörper, die den Scheideneingang umfassen. Insgesamt trägt das Organ mehrere tausend Nervenendigungen — deutlich mehr als die Eichel des Penis. Erst seit den späten 1990er Jahren ist diese Anatomie vollständig beschrieben und in Lehrbüchern angekommen, was viel über die Geschichte der Medizin verrät.
Der oft diskutierte „G-Punkt“ ist keine eigene Struktur, sondern am ehesten der Bereich, in dem die inneren Anteile der Klitoris, die Harnröhre und umgebendes Drüsengewebe durch die vordere Scheidenwand erreichbar sind.
Vielfalt ist die Regel
Schamlippen sind selten symmetrisch, die inneren ragen häufig über die äußeren hinaus, Farbe und Größe variieren stark. Das ist Normalvariante, kein Makel. Die stark steigenden Zahlen kosmetischer Genitaloperationen sind vor allem ein Ergebnis retuschierter Bilder.
Penis und Hoden
Der Penis besteht aus zwei Schwellkörpern und dem Harnröhrenschwellkörper. Eine Erektion ist ein Kreislaufvorgang: Die Arterien weiten sich, der Abfluss wird gedrosselt. Deshalb sind Erektionsprobleme oft ein frühes Warnsignal für Gefäß- und Herzerkrankungen und gehören abgeklärt (siehe Erektionsstörungen).
Größenunterschiede im erigierten Zustand sind viel geringer als im schlaffen. Studien mit ärztlich gemessenen Werten ergeben im Mittel rund 13 bis 14 Zentimeter Länge — weit unter dem, was Internetforen behaupten.
Der Beckenboden — der unterschätzte Muskel
Die Beckenbodenmuskulatur trägt die Organe, steuert Kontinenz und ist an Erektion und Orgasmus beteiligt. Sie kann zu schwach sein — etwa nach Geburten — oder chronisch zu verspannt, was Schmerzen beim Sex und Probleme beim Wasserlassen verursacht. Beides lässt sich mit spezialisierter Physiotherapie gut behandeln; in den meisten Gesundheitssystemen ist sie ärztlich verordnungsfähig.
