Weibliche Lust

Die Forschungslage ist eindeutiger, als es die Mythen vermuten lassen.

Illustration: Weibliche Lust

Die zentrale Erkenntnis

In großen Befragungen geben rund 18 bis 20 Prozent der Frauen an, allein durch Penetration zuverlässig zum Orgasmus zu kommen. Die überwiegende Mehrheit braucht direkte oder indirekte klitorale Stimulation. Das ist keine Funktionsstörung, sondern schlicht Anatomie — und es erklärt den sogenannten Orgasm Gap, die Lücke zwischen heterosexuellen Männern und Frauen bei der Orgasmushäufigkeit. Bei lesbischen Frauen verschwindet diese Lücke weitgehend, was zeigt, dass es nicht am Körper liegt, sondern am Repertoire.

Was in der Praxis hilft

Wenn es gar nicht klappt

Anorgasmie kann primär sein — noch nie ein Orgasmus — oder erworben. Häufige Ursachen sind Medikamente (besonders SSRI), hormonelle Veränderungen, Schmerz, Erschöpfung, aber auch Leistungsdruck und Scham. Sexualtherapie hat hier gute Erfolgsquoten, oft in wenigen Sitzungen. Anlaufstellen sind Sexualberatungsstellen, Familienberatungsstellen und die regionalen Fachstellen für sexuelle Gesundheit — vertraulich und meist kostenlos.

Der Orgasmus ist nicht das Ziel

Paradox, aber gut belegt: Je stärker der Orgasmus zum Pflichtprogramm wird, desto unwahrscheinlicher wird er. Wer den Fokus von der Zielerreichung auf die Empfindung verschiebt, berichtet häufiger von befriedigendem Sex — mit und ohne Höhepunkt.

Häufige Fragen

Warum ist die Klitoris so lange falsch dargestellt worden?

Weil erst spät vollständig beschrieben wurde, dass der sichtbare Teil nur die Spitze eines etwa zehn Zentimeter großen Organs ist, dessen Schenkel die Scheide umgreifen. In Schulbüchern taucht die vollständige Darstellung erst seit wenigen Jahren auf, und ältere Werke sind weiterhin im Umlauf.

Ist ein Orgasmus beim Verkehr die Regel?

Nein. Ein erheblicher Teil der Frauen kommt durch Penetration allein nicht zum Orgasmus, und das ist keine Funktionsstörung, sondern die häufigste Anatomie. Wer das weiß, verliert eine Menge unnötigen Drucks — auf beiden Seiten.

Was verändert sich mit dem Alter?

Die Befeuchtung nimmt mit dem Östrogenabfall ab, das Gewebe wird empfindlicher, und die Erregung braucht länger. Nichts davon beendet das Lustempfinden; es verschiebt die Bedingungen. Gleitmittel, mehr Zeit und, bei Beschwerden, eine lokale Hormonbehandlung sind die üblichen Antworten.

Wen aufsuchen bei diesem Problem?

Die Seite Wen aufsuchen, und wann nennt Symptom für Symptom die richtige Fachperson — Hausarzt, Urologe, Frauenarzt, Sexualtherapeut, Psychologe — und die Notfälle, die nicht warten können.

Zum Weiterlesen

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