Die Rechtsgrundlage
Der Supreme Court entschied im Juni 2015 in Obergefell v. Hodges, dass die Verfassung die Staaten verpflichtet, gleichgeschlechtliche Ehen zu schließen und anzuerkennen. Im Dezember 2022 verabschiedete der Kongress den Respect for Marriage Act, der den Defense of Marriage Act aufhob und die bundes- und zwischenstaatliche Anerkennung anderswo wirksam geschlossener Ehen vorschreibt — als Sicherung für den Fall, dass das Verfassungsurteil geändert würde. Adoption ist in jedem Staat möglich, die Stiefkindadoption weit verbreitet; die Elternschaftsvermutung für die Ehefrau der Mutter ist Staatenrecht, weshalb eine bestätigende Adoption (confirmatory adoption) empfohlen wird, da ein Adoptionsbeschluss überall anerkannt werden muss, eine Geburtsurkunde nicht. Leihmutterschaft ist Sache der Staaten, von umfassend geregelt (Kalifornien) bis verboten (Michigan bis 2024, Louisiana eingeschränkt). Diskriminierungsschutz im Arbeitsrecht gilt bundesweit seit Bostock (2020); in anderen Bereichen hängt er vom Staat ab.
Die USA öffneten die Ehe zwei Jahre vor Deutschland (2017), und deutsch-amerikanische gleichgeschlechtliche Paare heiraten in beiden Ländern ohne Hindernis; eine amerikanische Ehe wird in Deutschland seit 2017 als Ehe eingetragen, eine deutsche in den USA voll anerkannt. Die großen Unterschiede liegen bei den Kindern: Zwei-Mütter-Familien nach Samenspende sind in den USA in den meisten Staaten ab Geburt anerkannt, in Deutschland muss die zweite Mutter bis zur angekündigten Abstammungsreform weiterhin adoptieren; Leihmutterschaft ist in mehreren Staaten legal und kommerziell, in Deutschland verboten.
Deutsche Paare, die in den USA ein Kind durch Leihmutterschaft bekommen, erhalten dort eine Geburtsurkunde mit beiden Vätern; Deutschland erkennt eine amerikanische Gerichtsentscheidung über die Elternschaft an, wenn ein Elternteil genetisch verwandt ist (BGH 2014), die bloße Geburtsurkunde reicht nicht — deshalb in Kalifornien oder Illinois immer den pre-birth order oder parentage judgment einholen. Der Diskriminierungsschutz für gleichgeschlechtliche Paare ist in Deutschland flächendeckend, in den USA außerhalb des Arbeitsrechts vom Staat abhängig.
Die wichtigsten Punkte
| Ehe | Landesweit seit Obergefell v. Hodges, Juni 2015 |
|---|---|
| Bundesgesetz | Respect for Marriage Act, Dezember 2022: bundes- und zwischenstaatliche Anerkennung |
| Adoption | In jedem Staat möglich; Stiefkindadoption weit verbreitet |
| Elternschaft | Vermutung je nach Staat; bestätigende Adoption empfohlen, weil ein Beschluss überall gilt |
| Leihmutterschaft | Staat für Staat geregelt, von umfassend erlaubt bis verboten; Gerichtsbeschluss vor der Geburt in den freundlichen Staaten |
| Diskriminierung | Arbeitsrecht bundesweit seit Bostock 2020; sonst nach Staat und Stadt |
| Deutsche | Ehe in Deutschland voll anerkannt; Elternschaft nach Leihmutterschaft nur mit Gerichtsentscheidung und genetischer Verbindung |
In der Praxis
- Auch wenn die Geburtsurkunde beide Eltern nennt, wird eine Zweit- oder bestätigende Adoption empfohlen: ein Adoptionsbeschluss muss in jedem Staat und im Ausland anerkannt werden, eine Geburtsurkunde nicht — das gilt besonders für die Anerkennung in Deutschland.
- Das Leihmutterschaftsrecht des konkreten Staates prüfen, nicht des Landes: die Unterschiede sind extrem; einen parentage order vor der Geburt einholen.
- Außerhalb des Arbeitsrechts hängt der Diskriminierungsschutz ganz vom Staat und der Stadt ab; die staatlichen Menschenrechtskommissionen nehmen Beschwerden an.
- Eine amerikanische Ehe ist in der EU und in den meisten Ländern mit Ehe für alle anerkannt; für Deutschland genügt die Urkunde mit Apostille, die Nachbeurkundung ist möglich.
- Das deutsche Konsulat stellt dem in den USA geborenen Kind eines deutschen Elternteils den Kinderreisepass aus; bei Leihmutterschaft wird die deutsche Staatsangehörigkeit erst nach Anerkennung der Elternschaft festgestellt.
Kosten und Übernahme
Eine Heiratslizenz kostet je nach Staat etwa 30 bis 150 Dollar. Eine bestätigende Adoption kostet mit Anwaltskosten typischerweise 1 000 bis 3 000 Dollar — allgemein als lohnend angesehen. Leihmutterschaft 120 000 bis 200 000 Dollar.
Aktuelle Entwicklungen
Der Respect for Marriage Act, im Dezember 2022 unterzeichnet, garantiert die bundes- und zwischenstaatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen; Michigan hat 2024 die Leihmutterschaft legalisiert. Deutschland erlaubt seit Juni 2024 die doppelte Staatsangehörigkeit, was binationalen Paaren die Einbürgerung erleichtert.
Anlaufstellen
- County Clerk's Office für die Heiratslizenz.
- Familiengericht des Staates für die bestätigende oder Zweitadoption.
- Staatliche Menschenrechtskommission für Diskriminierung außerhalb des Arbeitsrechts.
- Deutsche Konsulate: Nachbeurkundung der Ehe, Pässe für Kinder; Lambda Legal, GLAD für Rechtsberatung.
Gut zu wissen
Der Respect for Marriage Act verlangt die Anerkennung bestehender und auswärtiger Ehen, verpflichtet aber nicht jeden Staat, Lizenzen auszustellen, falls das Verfassungsurteil kippte — das ist die genaue Grenze des Schutzes. Für deutsche Paare zählt vor allem die Elternschaft: eine amerikanische Geburtsurkunde mit zwei Vätern ist in Deutschland nichts wert ohne den Gerichtsbeschluss.
Häufige Fragen
Wird unsere amerikanische gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland eingetragen?
Ja, seit der Ehe für alle 2017 als Ehe, mit Urkunde, Apostille und Übersetzung; eine vor 2017 geschlossene Ehe, die in Deutschland als Lebenspartnerschaft eingetragen war, gilt seitdem als Ehe. Die Nachbeurkundung beim Standesamt ist freiwillig, erleichtert aber alles Weitere.
Wir sind zwei Männer und planen eine Leihmutterschaft in Kalifornien — wie wird das Kind deutsch?
Nur über eine amerikanische Gerichtsentscheidung (pre-birth order oder parentage judgment), die die Elternschaft feststellt, und die genetische Vaterschaft eines deutschen Vaters: der BGH erkennt solche Entscheidungen seit 2014 an, die Geburtsurkunde allein nicht. Das Konsulat stellt danach den Pass aus; der zweite Vater wird in Deutschland durch die Anerkennung der Entscheidung ebenfalls Elternteil. Rechtsrat in beiden Ländern vor Vertragsschluss ist unverzichtbar.
Sind wir als deutsches Paar in konservativen Staaten geschützt?
Die Ehe wird überall anerkannt, auch in Texas oder Alabama, und der Arbeitsplatz ist bundesweit geschützt. Bei Wohnung, Dienstleistungen und öffentlichen Einrichtungen hängt der Schutz vom Staat und der Stadt ab; große Städte haben eigene Antidiskriminierungsverordnungen. Die Menschenrechtskommission des Staates oder Organisationen wie Lambda Legal helfen bei einer Beschwerde.
Offizielle Quellen und Links
- Congress.gov — Respect for Marriage Act (2022) — bundesgesetzliche Anerkennung
- Lambda Legal — Rechtsberatung für LGBTQ-Paare und Eltern
- Bundesgerichtshof — Beschluss XII ZB 463/13 (Leihmutterschaft Kalifornien) — Anerkennung der Elternschaft
- USA.gov — amtliches Portal der Bundesregierung, mit Verweisen auf die Behörden der Bundesstaaten
- Congress.gov und Gesetzessammlungen der Bundesstaaten — Bundesgesetze; jedes Familien- und Strafrecht ist Sache der Bundesstaaten
- Deutsche Vertretungen in den USA — germany.info — Botschaft Washington und Generalkonsulate: Urkunden, Pässe, Anwaltslisten, Hinweise für Deutsche in den USA
