Der Ausgangspunkt: das fruchtbare Fenster
Alle Methoden der Selbstbeobachtung beruhen auf einer biologischen Tatsache. Ein Zyklus enthält nur etwa sechs fruchtbare Tage: die fünf Tage vor dem Eisprung und den Eisprungtag selbst. Zwei Zeitspannen erklären diese Zahl:
- Spermien überleben bis zu fünf Tage im Gebärmutterhals — aber nur, wenn sie dort fruchtbaren Schleim vorfinden. Ohne ihn sterben sie innerhalb von Stunden.
- Die Eizelle ist nur 12 bis 24 Stunden nach dem Eisprung befruchtungsfähig. Danach ist der Zyklus im Hinblick auf die Fruchtbarkeit beendet.
Die Schwierigkeit liegt in einer zweiten Tatsache: Der Eisprung fällt nicht auf einen festen Tag. Die zweite Zyklushälfte (Lutealphase) dauert recht konstant 12 bis 16 Tage, die erste dagegen schwankt erheblich — von Zyklus zu Zyklus bei derselben Frau, unter dem Einfluss von Stress, Reisen, Krankheit oder Zeitverschiebung. Deshalb ist jede Berechnung, die nur auf dem Kalender beruht, strukturell fragil: Sie sagt ein Ereignis voraus, das sich der Voraussage entzieht. Die symptothermale Methode sagt nicht voraus, sie beobachtet.
Zwei Zeichen, zwei verschiedene Aufgaben
| Zeichen | Was es anzeigt | Wann |
|---|---|---|
| Der Zervixschleim | Dass sich das fruchtbare Fenster öffnet. Unter steigendem Östrogen wird er reichlich, klar und spinnbar — und ermöglicht das Überleben der Spermien. | Ein vorauslaufendes Zeichen: Es warnt vor dem Eisprung |
| Die Aufwachtemperatur | Dass sich das fruchtbare Fenster geschlossen hat. Nach dem Eisprung hebt Progesteron die Basaltemperatur um 0,2 bis 0,5 °C, und sie bleibt bis zur nächsten Blutung erhöht. | Ein bestätigendes Zeichen: Es belegt den Eisprung erst im Nachhinein |
Keines der beiden genügt allein. Der Schleim öffnet das Fenster, ohne zu sagen, wann es sich schließt; die Temperatur schließt es, ohne vorgewarnt zu haben. Die Methode ist die Verbindung beider, und diese Verbindung erklärt den Sicherheitsabstand zu den Methoden mit nur einem Zeichen.
Die Auswerteregel
Die unfruchtbare Phase nach dem Eisprung beginnt, wenn beide Bedingungen erfüllt sind — es gilt die spätere:
- Temperaturregel. Drei aufeinanderfolgende Werte über den sechs vorangegangenen, wobei der dritte mindestens 0,2 °C über dem höchsten dieser sechs liegt. Die unfruchtbare Phase beginnt am Abend des dritten Tages.
- Schleimregel. Den Höhepunkt bestimmen: den letzten Tag mit spinnbarem, klarem Schleim oder glitschigem Gefühl. Die unfruchtbare Phase beginnt am Abend des dritten Tages danach.
Die Regeln für den Zyklusanfang — die Tage, bevor Schleim auftritt — sind heikler und unterscheiden sich je nach Schule. Genau dort macht eine ausgebildete Beraterin den Unterschied, und genau dort häufen sich die Fehler beim Selbststudium.
Sicherheit
| Schwangerschaften pro 100 Frauen und Jahr | |
|---|---|
| Perfekte Anwendung (Regeln ohne Abweichung) | etwa 0,4 |
| Typische Anwendung (in einer geschulten, begleiteten Gruppe) | etwa 2 |
| Typische Anwendung (weite Schätzungen, alle Praktiken) | 2 bis über 10 |
Die günstigste Zahl stammt aus einer großen deutschen prospektiven Studie mit geschulten und begleiteten Anwenderinnen. Sie lässt sich nicht einfach auf jemanden übertragen, der allein im Internet lernt: Der Abstand zwischen 0,4 und 10 liegt nicht an der Methode, sondern an Ausbildung und Regelmäßigkeit.
Was sie tatsächlich verlangt
- Eine Einführung. Rechnen Sie mit drei bis sechs begleiteten Übungszyklen, bevor Sie sich als Verhütung darauf verlassen.
- Tägliches Messen, direkt nach dem Aufwachen, vor dem Aufstehen, immer an derselben Stelle (oral, vaginal oder rektal — aber stets dieselbe), nach mindestens drei Stunden ununterbrochenem Schlaf.
- Tägliche Schleimbeobachtung, abends für den vergangenen Tag notiert.
- Eine Entscheidung zu zweit: Enthaltsamkeit oder Kondom während des fruchtbaren Fensters, typischerweise acht bis zwölf Tage pro Zyklus. Das klärt man vorher, nicht mittendrin.
Wann sie nicht trägt
Die Methode setzt einen lesbaren Zyklus mit Eisprung voraus. Sie wird unzuverlässig oder unbrauchbar nach der Geburt, während der Stillzeit, in den Wechseljahren, beim polyzystischen Ovarialsyndrom, bei Nachtarbeit oder sehr unregelmäßigen Zeiten und in den Monaten nach dem Absetzen hormoneller Verhütung, solange die Zyklen ihren eigenen Rhythmus wiederfinden. Sie schützt vor keiner sexuell übertragbaren Infektion.
