Sexualität im Alter

Weniger Automatik, mehr Absicht — und oft mehr Zufriedenheit.

Illustration: Sexualität im Alter

Was sich verändert

Bei Frauen sinkt mit den Wechseljahren der Östrogenspiegel: Die Scheidenschleimhaut wird dünner und trockener, die Erregung braucht länger. Das ist gut behandelbar — lokale Östrogene und Gleitmittel wirken zuverlässig, und die Angst vor Hormonen ist bei lokaler Anwendung weitgehend unbegründet. Bei Männern dauert es länger bis zur Erektion, sie fällt weniger fest aus, die Refraktärzeit wird länger. Auch das ist normal und kein Grund, das Thema zu beenden.

Was oft besser wird

Befragungen älterer Paare zeigen regelmäßig: weniger Leistungsdruck, mehr Zeit, keine Verhütungssorgen, oft mehr Offenheit im Gespräch. Viele berichten von höherer Zufriedenheit bei geringerer Häufigkeit. Die entscheidende Variable ist nicht das Alter, sondern die Gesundheit — und die Verfügbarkeit einer Partnerin oder eines Partners.

Drei praktische Hinweise

In Pflegesituationen

Sexualität hört in Heimen und in der Pflege nicht auf, wird dort aber selten mitgedacht. Selbstbestimmung, Privatsphäre und der Schutz vor Übergriffen sind hier gleichermaßen Themen. Pflegeeinrichtungen haben dazu zunehmend eigene Konzepte — danach zu fragen, ist legitim.

Häufige Fragen

Hört Sexualität im Alter auf?

Nein. Befragungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der über Siebzigjährigen sexuell aktiv bleibt, und dass die Zufriedenheit weniger von der Häufigkeit abhängt als von der Qualität der Beziehung. Was sich ändert, ist der Ablauf: Es dauert länger, und die Berührung gewinnt gegenüber dem Verkehr an Gewicht.

Welche Rolle spielen Medikamente?

Eine große und oft übersehene. Blutdrucksenker, Antidepressiva, Diuretika und einige Prostatamittel beeinträchtigen Erektion, Befeuchtung und Verlangen. Wenn eine Veränderung zeitlich mit einem neuen Medikament zusammenfällt, sprechen Sie es an — häufig gibt es eine Alternative.

Braucht man im Alter noch Schutz?

Ja. Die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen steigt in den älteren Altersgruppen deutlich, weil Verhütung nach den Wechseljahren wegfällt und Schutz damit oft ebenfalls. Ein Kondom schützt in jedem Alter vor demselben, und ein Test bei einem neuen Partner ist kein Misstrauen.

Wen aufsuchen bei diesem Problem?

Die Seite Wen aufsuchen, und wann nennt Symptom für Symptom die richtige Fachperson — Hausarzt, Urologe, Frauenarzt, Sexualtherapeut, Psychologe — und die Notfälle, die nicht warten können.

Zum Weiterlesen

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