Was sich verändert
Bei Frauen sinkt mit den Wechseljahren der Östrogenspiegel: Die Scheidenschleimhaut wird dünner und trockener, die Erregung braucht länger. Das ist gut behandelbar — lokale Östrogene und Gleitmittel wirken zuverlässig, und die Angst vor Hormonen ist bei lokaler Anwendung weitgehend unbegründet. Bei Männern dauert es länger bis zur Erektion, sie fällt weniger fest aus, die Refraktärzeit wird länger. Auch das ist normal und kein Grund, das Thema zu beenden.
Was oft besser wird
Befragungen älterer Paare zeigen regelmäßig: weniger Leistungsdruck, mehr Zeit, keine Verhütungssorgen, oft mehr Offenheit im Gespräch. Viele berichten von höherer Zufriedenheit bei geringerer Häufigkeit. Die entscheidende Variable ist nicht das Alter, sondern die Gesundheit — und die Verfügbarkeit einer Partnerin oder eines Partners.
Drei praktische Hinweise
- Medikamente prüfen lassen. Blutdruckmittel, Antidepressiva und Prostatamedikamente wirken häufig auf Libido und Erektion. Oft gibt es Alternativen.
- Geschlechtskrankheiten gibt es in jedem Alter. Die Diagnosezahlen bei über 50-Jährigen steigen seit Jahren, unter anderem weil nach der Menopause keine Kondome mehr benutzt werden. Bei neuen Partnerschaften gilt dasselbe wie mit 25 (siehe Geschlechtskrankheiten).
- Körperliche Grundlagen zählen doppelt. Bewegung, Blutdruck, Blutzucker und Schlaf wirken sich im Alter unmittelbar auf die Sexualität aus.
In Pflegesituationen
Sexualität hört in Heimen und in der Pflege nicht auf, wird dort aber selten mitgedacht. Selbstbestimmung, Privatsphäre und der Schutz vor Übergriffen sind hier gleichermaßen Themen. Pflegeeinrichtungen haben dazu zunehmend eigene Konzepte — danach zu fragen, ist legitim.
Häufige Fragen
Hört Sexualität im Alter auf?
Nein. Befragungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der über Siebzigjährigen sexuell aktiv bleibt, und dass die Zufriedenheit weniger von der Häufigkeit abhängt als von der Qualität der Beziehung. Was sich ändert, ist der Ablauf: Es dauert länger, und die Berührung gewinnt gegenüber dem Verkehr an Gewicht.
Welche Rolle spielen Medikamente?
Eine große und oft übersehene. Blutdrucksenker, Antidepressiva, Diuretika und einige Prostatamittel beeinträchtigen Erektion, Befeuchtung und Verlangen. Wenn eine Veränderung zeitlich mit einem neuen Medikament zusammenfällt, sprechen Sie es an — häufig gibt es eine Alternative.
Braucht man im Alter noch Schutz?
Ja. Die Zahl der sexuell übertragbaren Infektionen steigt in den älteren Altersgruppen deutlich, weil Verhütung nach den Wechseljahren wegfällt und Schutz damit oft ebenfalls. Ein Kondom schützt in jedem Alter vor demselben, und ein Test bei einem neuen Partner ist kein Misstrauen.
