Schlaf

Die am meisten unterschätzte Stellschraube für Beziehung und Gesundheit.

Illustration: Schlaf

Was im Schlaf passiert

Der Körper durchläuft Zyklen von etwa 90 Minuten aus Leicht-, Tief- und REM-Schlaf. Der Tiefschlaf dominiert in der ersten Nachthälfte und dient der körperlichen Erholung; REM-Phasen werden zum Morgen hin länger und sind für Gedächtnis und emotionale Verarbeitung entscheidend. Wer die letzten zwei Stunden streicht, verliert überproportional viel REM-Schlaf — und merkt es an der Stimmung.

Erwachsene brauchen meist sieben bis neun Stunden. Ein zuverlässiges Zeichen für ausreichenden Schlaf: Sie wachen ohne Wecker annähernd zur gleichen Zeit auf und sind tagsüber nicht ungewollt müde.

Schlaf, Libido und Beziehung

Schlafmangel senkt den Testosteronspiegel, dämpft das Verlangen bei allen Geschlechtern und erhöht die Reizbarkeit messbar. Paarforschung zeigt, dass eine schlecht geschlafene Nacht die Wahrscheinlichkeit von Konflikten am Folgetag deutlich steigert — und die Fähigkeit senkt, sie wieder beizulegen. Wer an der Beziehung arbeiten will, sollte zuerst den Schlaf in Ordnung bringen.

Bei Schlafstörungen: was wirklich hilft

Die nationalen Leitlinien sind sich einig: Erste Wahl bei chronischer Insomnie ist die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), nicht das Schlafmittel. Sie wirkt besser und vor allem länger. Kernstücke sind:

Digitale Programme zur KVT-I sind in mehreren Ländern verordnungsfähig und werden dann von der Krankenversicherung bezahlt.

Wann zur Ärztin

Bei lautem Schnarchen mit Atemaussetzern und Tagesmüdigkeit (Verdacht auf Schlafapnoe — behandelbar und kardiovaskulär relevant), bei unruhigen Beinen, bei Schlafstörungen über drei Monate, und wenn eine Depression dahinterstecken könnte. Frei verkäufliche Schlafmittel mit Antihistaminika sind für den Dauergebrauch nicht geeignet, Benzodiazepine schon gar nicht.

Was sich von Land zu Land unterscheidet

Der Schlafbedarf unterscheidet sich nicht nach Land. Der Zugang zu Behandlung, Schlaflabor und sogar zu Melatonin schon.

Überall gilt: Melatonin verschiebt den Zeitpunkt des Einschlafens, es vertieft den Schlaf nicht. Es hilft bei Jetlag und verschobenem Rhythmus, bei einer eingefahrenen Insomnie deutlich weniger – dort ist die strukturierte Verhaltenstherapie das Mittel der Wahl.

Zum Weiterlesen

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