Die Rechtsgrundlage
Die Vereinigten Staaten haben kein allgemeines Kinderbetreuungssystem. Bundesmittel fließen über den Child Care and Development Block Grant, der staatliche Zuschussprogramme für erwerbstätige Familien mit geringem Einkommen finanziert, und über Head Start und Early Head Start für Kinder in Armut. Sonst stützen sich Familien auf den Child and Dependent Care Tax Credit, Dependent Care Flexible Spending Accounts des Arbeitgebers (bis 5 000 Dollar vorsteuerlich) und ihr eigenes Einkommen. Zulassung, Betreuungsschlüssel und Qualitätsbewertung sind Sache der Staaten, sodass Kosten und Standards enorm schwanken; unlizenzierte Betreuung kleiner Kinderzahlen ist in vielen Staaten legal. Öffentliche Vorschule (Pre-K) gibt es in vielen Staaten und Großstädten, meist ab vier Jahren, in New York City ab drei. Es gibt keinen bezahlten Mutterschutz oder Elternurlaub des Bundes: der Family and Medical Leave Act gibt zwölf unbezahlte Wochen mit Kündigungsschutz in Betrieben ab 50 Beschäftigten; Kalifornien, New York, New Jersey, Washington, Massachusetts und einige weitere Staaten zahlen 8 bis 12 Wochen Elterngeld aus Versicherungssystemen.
Für deutsche Familien ist die Kinderbetreuung der größte Kulturschock der USA: keine Kita mit Rechtsanspruch ab einem Jahr, kein Elterngeld für 14 Monate, keine 8 Wochen Mutterschutz nach der Geburt — sondern ein Markt, auf dem ein Krippenplatz in San Francisco oder Boston 2 500 bis 3 500 Dollar im Monat kostet und viele Mütter nach sechs bis zwölf Wochen zurück an den Arbeitsplatz gehen. Entsandte deutsche Arbeitnehmer behalten meist die deutschen Regelungen (Elternzeit, Elterngeld bei Fortbestand des deutschen Arbeitsverhältnisses), lokal Angestellte nicht.
Deutsche Kinder in den USA wachsen oft zweisprachig auf: deutsche Schulen (Deutsche Internationale Schulen in New York, Washington, Boston, Silicon Valley, Portland) nehmen ab Kindergartenalter auf, Samstagsschulen und Sprachschulen des Netzwerks der ZfA bieten Deutschunterricht, und das Kindergeld wird für Kinder in den USA nur bei fortbestehender deutscher Steuerpflicht gezahlt. Zurück in Deutschland gilt der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem ersten Geburtstag sofort.
Die wichtigsten Punkte
| Bundesrolle | Zuschüsse des Child Care and Development Block Grant; Head Start und Early Head Start für arme Familien |
|---|---|
| Steuern | Child and Dependent Care Tax Credit (bis 35 Prozent von 3 000 bzw. 6 000 Dollar); Dependent Care FSA bis 5 000 Dollar vorsteuerlich |
| Zulassung | Staat für Staat, mit unterschiedlichen Schlüsseln, Ausbildung und Kontrollen; unlizenzierte Betreuung kleiner Gruppen oft legal |
| Vorschule | Öffentliche Pre-K in vielen Staaten und Großstädten, meist ab vier Jahren; New York City ab drei |
| Optionen | Kindertagesstätten, lizenzierte Tagesmütter (family child care), Nannies, Au-pairs, Verwandte |
| Kosten | Zu den höchsten der OECD im Verhältnis zum Einkommen: 10 000 bis 25 000 Dollar im Jahr, an den Küsten mehr |
| Elternurlaub | Kein bezahlter Bundesurlaub; FMLA zwölf unbezahlte Wochen ab 50 Beschäftigten; bezahlte Programme in Kalifornien, New York, New Jersey, Washington und weiteren Staaten |
In der Praxis
- Die Zuschussberechtigung des Staates bei der Child Care Agency prüfen; Einkommensgrenzen und Wartelisten schwanken stark; Head Start oder Early Head Start beantragen, wenn man infrage kommt — kostenlos, mit Gesundheits- und Familiendiensten.
- Den Arbeitgeber nach einem Dependent Care FSA fragen, der vorsteuerlich läuft und oft mehr wert ist als der Steuerkredit; beides zusammen ist nur begrenzt möglich.
- Die Zulassungsdatenbank des Staates auf Inspektionsberichte prüfen, bevor man eine Einrichtung besichtigt; sich in teuren Ballungsräumen schon in der Schwangerschaft auf Wartelisten setzen.
- Ein Au-pair (Programm des State Department, J-1-Visum, etwa 200 Dollar Taschengeld pro Woche plus Kost, Logis und Agenturgebühren) ist für Familien mit Platz oft günstiger als eine Nanny; deutsche Au-pairs sind zahlreich.
- Für die Schule das Angebot der Deutschen Internationalen Schulen und der Samstagsschulen prüfen; das deutsche Kindergeld bei der Familienkasse klären, wenn das Arbeitsverhältnis in Deutschland fortbesteht.
Kosten und Übernahme
Vollzeitbetreuung eines Kleinkinds kostet gewöhnlich 10 000 bis 25 000 Dollar im Jahr, in Küstenmetropolen deutlich mehr, wo sie die Studiengebühren übersteigen kann; eine Nanny 35 000 bis 60 000 Dollar im Jahr zuzüglich Arbeitgeberabgaben; Au-pair etwa 20 000 Dollar im Jahr mit Agentur. Zuschüsse erreichen wegen Mittelgrenzen und Wartelisten nur eine Minderheit der Berechtigten.
Aktuelle Entwicklungen
Das Auslaufen der Stabilisierungsmittel aus der Pandemie hat in vielen Staaten Einrichtungen geschlossen und Gebühren erhöht, und Personalmangel bleibt die Hauptbeschränkung des Angebots; weitere Staaten (Maryland, Delaware, Minnesota) haben bezahlten Familienurlaub eingeführt oder beschlossen.
Anlaufstellen
- Child Care Aware of America mit staatlichen Vermittlungsdiensten.
- Zulassungsbehörde für Kinderbetreuung des Staates für Inspektionsberichte; Head Start und Early Head Start im County.
- Care.com und Sittercity für Nannies und Babysitter; Au-pair-Agenturen des State-Department-Programms.
- Deutsche Internationale Schulen und Samstagsschulen (ZfA-Netzwerk); Familienkasse für das Kindergeld.
Gut zu wissen
Unlizenzierte und unregulierte Betreuung ist in vielen Staaten für kleine Kinderzahlen legal: prüfen, welche Lizenz ein Anbieter hat und was sie verlangt. Und deutsche Selbstverständlichkeiten — Mutterschutz, Elterngeld, Kitaplatz — gibt es hier nicht; wer lokal angestellt wird, sollte bezahlten Elternurlaub und Betreuungszuschüsse vor der Unterschrift verhandeln.
Häufige Fragen
Gibt es in den USA Elternzeit und Elterngeld?
Nicht auf Bundesebene: der FMLA gibt zwölf unbezahlte Wochen mit Kündigungsschutz in Betrieben ab 50 Beschäftigten nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit; bezahlten Familienurlaub von 8 bis 12 Wochen gibt es nur in gut einem Dutzend Staaten (Kalifornien, New York, New Jersey, Washington, Massachusetts, Colorado, Oregon …) aus Versicherungssystemen, und viele Arbeitgeber bieten eigene Regelungen. Deutsche Entsandte mit fortbestehendem deutschen Vertrag behalten Elternzeit und Elterngeld nach deutschem Recht.
Was kostet ein Kitaplatz?
Je nach Ort 800 bis 3 500 Dollar im Monat für ein Kleinkind: im Mittleren Westen und Süden am unteren Ende, in San Francisco, New York, Boston und Washington am oberen; lizenzierte Tagesmütter sind günstiger und oft schneller verfügbar. Ab vier Jahren (in New York City ab drei) übernimmt vielerorts die kostenlose öffentliche Vorschule; der Steuerkredit und das FSA-Konto mindern die Kosten um einige tausend Dollar im Jahr.
Bekomme ich Kindergeld für mein Kind in den USA?
Nur, wenn du in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig bleibst (etwa als Entsandter mit deutschem Wohnsitz) oder in Deutschland versicherungspflichtig beschäftigt bist; wer mit Familie ganz in die USA zieht, verliert den Anspruch. In den USA ersetzt der Child Tax Credit (2 200 Dollar je Kind im Jahr seit 2025) das Kindergeld teilweise, für Steuerpflichtige mit Sozialversicherungsnummer des Kindes.
Offizielle Quellen und Links
- Child Care Aware of America — Vermittlungsdienste und Preisberichte nach Bundesstaat
- Office of Child Care — Zuschüsse (CCDF) — staatliche Zuschussprogramme
- Deutsche Auslandsschulen in den USA — ZfA — Deutsche Internationale Schulen und Sprachschulen
- USA.gov — amtliches Portal der Bundesregierung, mit Verweisen auf die Behörden der Bundesstaaten
- Congress.gov und Gesetzessammlungen der Bundesstaaten — Bundesgesetze; jedes Familien- und Strafrecht ist Sache der Bundesstaaten
- Deutsche Vertretungen in den USA — germany.info — Botschaft Washington und Generalkonsulate: Urkunden, Pässe, Anwaltslisten, Hinweise für Deutsche in den USA
