Gewalt, Einvernehmen und Sexualstraftaten — Brasilien

Einvernehmen und Schutzalter. Die Vergewaltigung ist durch Gewalt oder schwere Drohung definiert (Artikel 213 Strafgesetzbuch), mit sechs bis zehn Jahren Haft, und die Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen — unter 14 Jahren oder ohne Einsichtsfähigkeit — mit acht bis fünfzehn Jahren, mit unwiderleglicher Vermutung; sexuelle Belästigung ist seit 2018 strafbar und alle Sexualdelikte werden von Amts wegen verfolgt; das Gesetz Maria da Penha erfasst sexuelle Gewalt in der Partnerschaft; Disque 180 und Frauenpolizeiwachen — und für Deutsche zusätzlich das deutsche Strafrecht bei Taten gegen Kinder.

Illustration: Gewalt, Einvernehmen und Sexualstraftaten
Übersichtskarte — Brasilien
Brasilien. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Einvernehmen und Schutzalter

Das Strafgesetzbuch (Artikel 213, 2009 reformiert) bestraft die Vergewaltigung — jemanden durch Gewalt oder schwere Drohung zum Geschlechtsverkehr oder zu einer anderen sexuellen Handlung zu zwingen — mit sechs bis zehn Jahren Haft, acht bis zwölf bei schwerer Verletzung oder wenn das Opfer zwischen 14 und 18 ist, zwölf bis dreißig bei Todesfolge; Brasilien folgt damit dem Nötigungsmodell, aber die Rechtsprechung lässt die stillschweigende schwere Drohung zu und der Superior Tribunal de Justiça weitet den Begriff aus. Die Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen (Artikel 217-A) bestraft mit acht bis fünfzehn Jahren jede sexuelle Handlung mit einer Person unter 14 Jahren oder ohne Einsichtsfähigkeit oder Widerstandsmöglichkeit, mit unwiderleglicher Vermutung (Súmula 593 des STJ): weder Einwilligung noch Erfahrung des Minderjährigen schließen sie aus. Das Gesetz 13.718/2018 schuf die sexuelle Belästigung (sexuelle Handlung ohne Einwilligung, ein bis fünf Jahre), machte alle Sexualdelikte zu Offizialdelikten — verfolgt ohne Antrag des Opfers — und bestrafte die Verbreitung von Vergewaltigungsszenen. Die sexuelle Handlung durch Täuschung (Artikel 215) erfasst durch List erlangte Handlungen. Das Gesetz Maria da Penha (11.340/2006) behandelt sexuelle Gewalt in der Partnerschaft mit dringenden Schutzmaßnahmen. Das Gesetz 12.845/2013 verpflichtet die SUS-Krankenhäuser, Opfer sofort zu versorgen, und das Gesetz 14.245/2021 (Lei Mariana Ferrer) schützt die Würde des Opfers in der Verhandlung.

Das Schutzalter ist mit 14 Jahren dasselbe wie in Deutschland, aber die brasilianische Regel ist absolut und die Strafe drakonisch: jede sexuelle Handlung mit einer Person unter 14 ist eine Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen mit acht bis fünfzehn Jahren Haft, ohne die deutschen Abstufungen (§ 176 gegen Kinder, § 182 gegen Jugendliche unter 16 bei Ausnutzung, unter 18 gegen Entgelt) und ohne Rücksicht auf Altersnähe — ein 15-Jähriger mit einer 13-Jährigen ist Täter. Für Deutsche gilt daneben § 5 Nr. 8 StGB: Sexualdelikte gegen Kinder unter 14 im Ausland werden auch in Deutschland verfolgt, und Brasilien war lange ein Ziel des Sextourismus, den beide Länder heute mit Nachdruck verfolgen (Brasilien mit Artikel 218-B, Deutschland mit § 176 und dem Verlust des Passes).

Deutsche Opfer sexueller Gewalt in Brasilien haben Anspruch auf sofortige, kostenlose Versorgung in jedem SUS-Krankenhaus (Gesetz 12.845/2013) mit Notfallverhütung, HIV-Prophylaxe und Beweissicherung, ohne vorherige Anzeige; die Anzeige erfolgt bei einer Frauenpolizeiwache (DEAM) oder online, und das Verfahren läuft von Amts wegen, auch wenn das Opfer nach Deutschland zurückkehrt. Das deutsche Konsulat vermittelt Anwälte und Dolmetscher und informiert die Familie auf Wunsch; das deutsche Opferentschädigungsgesetz gilt seit 2024 auch für Taten im Ausland an Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland; die Tat kann zusätzlich in Deutschland angezeigt werden, wenn Täter oder Opfer Deutsche sind.

Die wichtigsten Punkte

DefinitionGewalt oder schwere Drohung (Artikel 213); Nötigungsmodell, durch Rechtsprechung erweitert
StrafenVergewaltigung: sechs bis zehn Jahre; acht bis zwölf bei schwerer Verletzung oder Opfer von 14 bis 18; zwölf bis dreißig bei Todesfolge
SchutzbedürftigeUnter 14 Jahren oder ohne Einsichtsfähigkeit: acht bis fünfzehn Jahre; unwiderlegliche Vermutung, keine Altersnähe-Ausnahme
Sexuelle BelästigungEin bis fünf Jahre (Gesetz 13.718/2018)
VerfolgungOffizialdelikt für alle Sexualdelikte seit 2018
Vergewaltigung in der EheStrafbar; Gesetz Maria da Penha mit Schutzmaßnahmen
VerjährungNach der Strafe; für minderjährige Opfer ab dem 18. Geburtstag
DeutscheSchutzalter 14 wie in Deutschland, aber absolut; § 5 Nr. 8 StGB für Taten gegen Kinder; kostenlose Versorgung und Verfahren von Amts wegen für Opfer

In der Praxis

  • Nach einer Tat in ein SUS-Krankenhaus gehen, das zur sofortigen Versorgung verpflichtet ist (Gesetz 12.845/2013): Behandlung, Notfallverhütung, HIV- und STI-Prophylaxe und Dokumentation der Verletzungen, ohne vorherige Anzeige; die Untersuchung des Rechtsmedizinischen Instituts (IML) kann danach erfolgen; das Konsulat vermittelt Dolmetscher.
  • Die Anzeige (boletim de ocorrência) wird bei jeder Polizeiwache erstattet, vorzugsweise bei einer Frauenpolizeiwache (DEAM) in den Großstädten, oder online in mehreren Staaten (die Online-Anzeige verlangt oft eine CPF — Ausländer gehen persönlich); das Opfer kann dringende Schutzmaßnahmen beantragen, wenn der Täter der Partner oder ein Familienmitglied ist.
  • Das Delikt ist ein Offizialdelikt: das Opfer kann die Anzeige nicht zurückziehen, die Staatsanwaltschaft verfolgt auch ohne es; das Opfer hat Anspruch auf Vernehmung ohne Konfrontation mit dem Täter und ohne Fragen zu seinem Sexualleben (Lei Mariana Ferrer); eine Rückkehr nach Deutschland beendet das Verfahren nicht — die Vernehmung kann per Video oder Rechtshilfe erfolgen.
  • Ein schwangeres Mädchen unter 14 ist von Gesetzes wegen Opfer einer Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen, mit Anspruch auf den legalen Abbruch; Conselho Tutelar und Staatsanwaltschaft greifen ein.
  • Disque 180 (Zentrale für Frauen) und Disque 100 (Menschenrechte, für Kinder) sind rund um die Uhr erreichbar und nehmen Anzeigen entgegen; das deutsche Konsulat hilft mit Anwaltslisten, Kontakt zur Familie und bei Bedarf mit der Rückreise.

Kosten und Übernahme

Anzeige, Versorgung im SUS, Untersuchung des IML und Begleitung sind kostenlos, auch für Ausländerinnen; die Defensoria Pública steht Opfern ohne Mittel bei; die Entschädigung durch den Täter wird im Strafverfahren oder zivilrechtlich beantragt; deutsches Opferentschädigungsgesetz für Deutsche mit Wohnsitz in Deutschland auch für Auslandstaten.

Aktuelle Entwicklungen

Das Gesetz 14.245/2021 schützte die Opfer in der Verhandlung nach dem Fall Mariana Ferrer; das Gesetz 14.786/2023 schuf das Protokoll «Não é Não» in Bars und Veranstaltungen; der Superior Tribunal de Justiça festigte die unwiderlegliche Vermutung bei Schutzbedürftigen und weitete den Begriff der schweren Drohung aus; Brasilien verzeichnet mehr als 80 000 Vergewaltigungen im Jahr, die Mehrheit gegen Minderjährige. Deutschland verschärfte 2021 die Strafen für Kindesmissbrauch.

Anlaufstellen

  • Disque 180 (Frauen) und Disque 100 (Kinder), rund um die Uhr.
  • Frauenpolizeiwachen (DEAM) und allgemeine Polizeiwachen; SUS-Krankenhäuser (Pflichtversorgung), Defensoria Pública, Conselhos Tutelares.
  • Deutsche Botschaft und Generalkonsulate (Notfallnummern, Anwalts- und Dolmetscherlisten); Weißer Ring für Opfer mit Wohnsitz in Deutschland.

Gut zu wissen

Brasilien behält die Definition durch Gewalt oder schwere Drohung, was viele Handlungen ohne Einwilligung und ohne körperliche Gewalt außerhalb der Vergewaltigung lässt — seit 2018 teilweise durch die sexuelle Belästigung erfasst. Die Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen dagegen ist absolut: jede Beziehung mit einer Person unter 14 ist ein Verbrechen mit acht bis fünfzehn Jahren, auch «einvernehmlich», auch zwischen Jugendlichen mit geringem Altersabstand. Und Deutsche werden für Taten gegen Kinder in Brasilien zusätzlich in Deutschland verfolgt.

Häufige Fragen

Ich wurde in Brasilien vergewaltigt und bin nur zu Besuch — was tun?

Sofort in ein SUS-Krankenhaus (jedes ist zur Versorgung verpflichtet, in den Großstädten gibt es Referenzkrankenhäuser wie das Pérola Byington in São Paulo): Behandlung, Notfallverhütung, HIV-Prophylaxe binnen 72 Stunden und Beweissicherung sind kostenlos, ohne Anzeige. Dann Anzeige bei einer Frauenpolizeiwache (DEAM) — persönlich, mit Pass; das deutsche Konsulat stellt Dolmetscher- und Anwaltslisten und kann dich begleiten. Das Verfahren läuft von Amts wegen weiter, wenn du zurückfliegst; in Deutschland kannst du zusätzlich Anzeige erstatten und, bei Wohnsitz in Deutschland, Opferentschädigung beantragen.

Mein Sohn ist 16, seine brasilianische Freundin 13 — was riskiert er?

Ein Verbrechen: jede sexuelle Handlung mit einer Person unter 14 ist in Brasilien Vergewaltigung einer Schutzbedürftigen, mit acht bis fünfzehn Jahren für Erwachsene und, für einen 16-Jährigen, sozialerzieherischen Maßnahmen bis zur Unterbringung nach dem Jugendstatut; die Einwilligung des Mädchens und die Altersnähe spielen keine Rolle (Súmula 593 STJ), und die Verfolgung erfolgt von Amts wegen. Aus deutscher Sicht käme § 176 StGB hinzu. Bis zum 14. Geburtstag der Freundin gibt es keine legale Sexualität — das muss er wissen.

Was ist «Não é Não»?

Das Protokoll des Gesetzes 14.786/2023: Bars, Restaurants, Konzerte und Veranstaltungen müssen Personal schulen, Beschwerden von Frauen über Belästigung sofort aufnehmen, den Belästiger entfernen, die Polizei rufen und das Opfer schützen und begleiten — mit Plakaten «Não é Não» am Eingang. Es ergänzt die strafbare sexuelle Belästigung (importunação sexual, ein bis fünf Jahre) im Nachtleben, wo die meisten Fälle geschehen; ein Zeichen, dass Brasilien beim Einwilligungsbegriff aufholt, ohne bisher das Strafgesetz zu ändern.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Einvernehmen und Schutzalter · Mit einem anderen Land vergleichen

Häusliche Gewalt

Das Gesetz Maria da Penha (2006) organisiert den Schutz vor häuslicher und familiärer Gewalt gegen Frauen — körperlich, psychisch, sexuell, vermögensbezogen und moralisch —, mit dringenden Schutzmaßnahmen binnen 48 Stunden, Fachgerichten, Frauenpolizeiwachen, Casas da Mulher Brasileira und dem Disque 180; der Femizid ist seit 2024 ein eigenständiges Verbrechen mit zwanzig bis vierzig Jahren; Brasilien zählt etwa 1 400 Femizide im Jahr — und deutsche Frauen haben dieselben Rechte, mit dem Konsulat als zusätzlicher Anlaufstelle.

Das Gesetz 11.340/2006, genannt Maria da Penha, definiert häusliche und familiäre Gewalt gegen Frauen — körperlich, psychisch, sexuell, vermögensbezogen und moralisch — im Rahmen der Familie, der Hausgemeinschaft oder jeder intimen Beziehung, unabhängig vom Zusammenleben, und schafft die Instrumente: dringende Schutzmaßnahmen (Wohnungsverweis, Näherungs- und Kontaktverbot, Entzug der Waffenerlaubnis, vorläufiger Unterhalt), vom Richter binnen 48 Stunden auf Antrag des Opfers oder der Staatsanwaltschaft angeordnet — seit 2023 allein aufgrund der Aussage des Opfers —, Gerichte für häusliche Gewalt, Frauenpolizeiwachen (DEAM), Casas da Mulher Brasileira, die alle Dienste vereinen, Patrouillen Maria da Penha der Polizei und das Verbot von Geldstrafen. Der Verstoß gegen eine Schutzmaßnahme ist seit 2018 strafbar (seit dem Gesetz 14.994/2024 zwei bis fünf Jahre Freiheitsstrafe); psychische Gewalt seit 2021 (Gesetz 14.188, das auch das «Sinal Vermelho» in den Apotheken schuf). Der Femizid, seit 2015 Qualifikation des Mordes, wurde 2024 eigenständiges Verbrechen (Gesetz 14.994) mit zwanzig bis vierzig Jahren Haft. Der Disque 180 (Zentrale für Frauen) ist rund um die Uhr erreichbar. Brasilien verzeichnet etwa 1 400 Femizide und mehr als 250 000 Schutzmaßnahmen im Jahr; das Gesetz schützt auch Transfrauen und gilt für Frauenpaare.

Das Gesetz Maria da Penha gilt als eines der vollständigsten der Welt und geht in manchem über das deutsche Gewaltschutzgesetz hinaus: Schutzmaßnahme binnen 48 Stunden allein auf das Wort des Opfers, Verstoß als eigenes Verbrechen, Fachgerichte, Frauenpolizeiwachen, Casas da Mulher Brasileira mit Polizei, Gericht, Defensoria, Psychologinnen und Notunterkunft unter einem Dach; Deutschland hat 2025 mit dem Gewalthilfegesetz einen Rechtsanspruch auf Schutz erst für 2032 beschlossen und diskutiert die Fußfessel. Die Kehrseite ist die Gewalt selbst: 1 400 Femizide im Jahr, Waffen, überlastete Frauenhäuser außerhalb der Hauptstädte. Deutsche Frauen in Brasilien haben dieselben Rechte wie Brasilianerinnen — das Gesetz fragt nicht nach der Staatsangehörigkeit —, und der Aufenthalt hängt in Brasilien nicht vom gewalttätigen Ehemann ab: eine Aufenthaltserlaubnis aus Familienzusammenführung bleibt bei Trennung wegen Gewalt bestehen (Migrationsgesetz 2017, Resolutionen des CNIg).

Die wichtigste Warnung betrifft die Kinder: Brasilien und Deutschland sind Vertragsstaaten des Haager Kindesentführungsübereinkommens, und wer mit den Kindern ohne Zustimmung des Vaters oder eines brasilianischen Gerichts nach Deutschland flieht, riskiert die Rückführungsanordnung — Brasilien selbst ist für seine langsamen Rückführungen bekannt, aber Deutschland führt zurück. Der richtige Weg: in der Schutzmaßnahme die vorläufige Sorge beantragen, dann beim Familiengericht die Erlaubnis zum Umzug (autorização de viagem/mudança); die Ausreise eines Kindes ohne Zustimmung beider Eltern wird von der Polícia Federal am Flughafen kontrolliert. Das Bundesamt für Justiz in Bonn und die Autoridade Central in Brasília beraten; das Konsulat hilft mit Anwaltslisten, Notunterkunft in akuter Gefahr und Rückreise.

Die wichtigsten Punkte

Gesetz Maria da Penha11.340/2006: fünf Formen von Gewalt; jede intime Beziehung, mit oder ohne Zusammenleben; auch für Ausländerinnen
SchutzmaßnahmenBinnen 48 Stunden; Wohnungsverweis, Näherungsverbot, Waffenentzug, Unterhalt; allein auf das Wort des Opfers (2023)
VerstoßVerbrechen seit 2018 (Gesetz 13.641); seit 2024 zwei bis fünf Jahre Freiheitsstrafe (Gesetz 14.994)
Psychische GewaltVerbrechen seit 2021 (Gesetz 14.188); «Sinal Vermelho» in den Apotheken
FemizidEigenständiges Verbrechen: zwanzig bis vierzig Jahre (Gesetz 14.994/2024)
DiensteFrauenpolizeiwachen, Fachgerichte, Casas da Mulher Brasileira, Patrouillen Maria da Penha
NummernDisque 180 (24 h, kostenlos); 190 Polizei; 100 Menschenrechte
DeutscheGleiche Rechte; Aufenthalt bei Trennung wegen Gewalt gesichert; Haager Übereinkommen bei Flucht mit Kindern; Konsulat und Bundesamt für Justiz

In der Praxis

  • In unmittelbarer Gefahr 190 (Polícia Militar) rufen; die Patrouille Maria da Penha, in vielen Städten vorhanden, begleitet Frauen mit Schutzmaßnahme; das Konsulat hat Notfallnummern außerhalb der Bürozeiten.
  • Die Anzeige (boletim de ocorrência) bei einer Frauenpolizeiwache — in den Hauptstädten und Großstädten, manche rund um die Uhr — oder jeder Polizeiwache erstatten, oder online in mehreren Staaten; das Opfer beantragt gleichzeitig die Schutzmaßnahmen, die der Richter binnen 48 Stunden anordnet; Ausländerinnen bringen Pass und, falls vorhanden, CPF und Aufenthaltsausweis (CRNM).
  • Die Schutzmaßnahme wird dem Täter zugestellt; ihr Verstoß wird über 190 angezeigt und ist ein Verbrechen mit Haft; das Opfer kann den Panikknopf (Alarmgerät) beantragen, wo er existiert. In Deutschland gilt die brasilianische Anordnung nicht automatisch — dort beim Familiengericht eine eigene nach dem Gewaltschutzgesetz beantragen, mit der brasilianischen als Beweis.
  • Der Disque 180 informiert, berät und registriert Anzeigen rund um die Uhr (auch auf Englisch und Spanisch); die Casas da Mulher Brasileira (ein Dutzend Hauptstädte) vereinen Polizeiwache, Gericht, Defensoria, Psychologinnen und Notunterkunft; die Defensoria Pública steht kostenlos bei.
  • Mit den Kindern nicht ohne Gerichtsbeschluss nach Deutschland ausreisen: die vorläufige Sorge in der Schutzmaßnahme, dann die Umzugserlaubnis beim Familiengericht beantragen; das Bundesamt für Justiz (Zentrale Behörde) und das Konsulat beraten zum Haager Übereinkommen; die Polícia Federal kontrolliert die Ausreise von Kindern am Flughafen.

Kosten und Übernahme

Anzeige, Schutzmaßnahmen, Disque 180, Casas da Mulher Brasileira und Defensoria Pública sind kostenlos; die Frauenhäuser sind kostenlos, aber außerhalb der Hauptstädte wenige; das Opfer hat Anspruch auf Fortbestand des Arbeitsverhältnisses (Freistellung bis sechs Monate), Vorrang in Sozial- und Wohnprogrammen und Schutz der Kinder.

Aktuelle Entwicklungen

Das Gesetz 14.994/2024 machte den Femizid zum eigenständigen Verbrechen mit zwanzig bis vierzig Jahren; das Gesetz 14.550/2023 schrieb die Anordnung der Schutzmaßnahmen allein auf das Wort des Opfers vor, unabhängig von einer Anzeige; das Gesetz 14.713/2023 schloss das gemeinsame Sorgerecht bei Gefahr aus; die Zahl der Femizide bleibt bei etwa 1 400 im Jahr. Deutschland beschloss 2025 das Gewalthilfegesetz mit Rechtsanspruch ab 2032 und plant die elektronische Fußfessel nach spanischem Vorbild.

Anlaufstellen

  • Disque 180 (24 h, auch Englisch); 190 (Polícia Militar).
  • Frauenpolizeiwachen (DEAM); Casas da Mulher Brasileira; Gerichte für häusliche Gewalt; Defensoria Pública; Staatsanwaltschaft; Patrouillen Maria da Penha.
  • Deutsche Botschaft Brasília und Generalkonsulate (Notfallnummern, Anwaltslisten, Rückreisehilfe); Bundesamt für Justiz (Bonn) für Kinder und Haager Verfahren; Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 116 016 aus Deutschland.

Gut zu wissen

Das Gesetz Maria da Penha ist eines der vollständigsten der Welt, und Brasilien eines der Länder, in denen die meisten Frauen getötet werden: das Gesetz schützt, wenn es früh in Gang gesetzt wird, und die Schutzmaßnahme — binnen 48 Stunden allein auf das Wort des Opfers — ist das Werkzeug, das Leben rettet. Ihr Verstoß ist ein Verbrechen: jede Annäherung des Täters wird über 190 angezeigt, ohne zu warten. Und niemals mit den Kindern ohne Gerichtsbeschluss ausreisen — das Haager Übereinkommen macht aus dem Opfer die Entführerin.

Häufige Fragen

Ich bin Deutsche, mein brasilianischer Mann schlägt mich — verliere ich bei Trennung mein Aufenthaltsrecht?

Nein: das Migrationsgesetz von 2017 und die Praxis der Polícia Federal erhalten die Aufenthaltserlaubnis aus Familienzusammenführung, wenn die Ehe wegen häuslicher Gewalt endet, mit der Anzeige und der Schutzmaßnahme als Nachweis; nach einem Jahr Aufenthalt kann die Erlaubnis ohnehin in eine eigenständige umgewandelt werden. Zuerst aber Sicherheit: 190 in Gefahr, Disque 180, Anzeige bei der DEAM und Schutzmaßnahme binnen 48 Stunden; die Defensoria Pública vertritt dich kostenlos, das Konsulat hilft mit Anwaltslisten und Notunterkunft.

Kann ich mit unseren Kindern zurück nach Deutschland?

Nicht ohne Zustimmung des Vaters oder eines brasilianischen Gerichts: Brasilien und Deutschland sind Vertragsstaaten des Haager Kindesentführungsübereinkommens, ein deutsches Gericht würde die Rückführung anordnen, und die Polícia Federal lässt ein Kind ohne Zustimmung beider Eltern nicht ausreisen. Der Weg: in der Schutzmaßnahme die vorläufige Sorge beantragen, dann beim Familiengericht die Erlaubnis zum Umzug mit den Kindern (Gerichte gewähren sie bei nachgewiesener Gewalt häufig); das Bundesamt für Justiz und das Konsulat beraten. Das dauert Monate — aber der andere Weg endet mit einer Rückführung.

Gilt meine brasilianische Schutzmaßnahme in Deutschland?

In Deutschland beantragst du beim Familiengericht eine eigene Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz, im Eilverfahren binnen Tagen, mit der brasilianischen Anordnung, Polizeiberichten und Attesten als Beweise. Umgekehrt kann eine deutsche Anordnung in Brasilien als Beweis für eine Maßnahme nach dem Gesetz Maria da Penha dienen, die der Richter binnen 48 Stunden anordnet.

Quellen

Der allgemeine Artikel: Häusliche Gewalt · Mit einem anderen Land vergleichen

Allgemeine Quellen

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