Gleichgeschlechtliche Ehe — Argentinien

Erstes Land Lateinamerikas, das im Juli 2010 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnete (Gesetz 26.618), mit völliger Gleichstellung — gemeinsame Adoption, Abstammung, Renten — und Gesetz über die Geschlechtsidentität durch einfache Erklärung seit 2012; sieben Jahre vor Deutschland, und mit Abstammungsregeln, die Deutschland noch nicht hat.

Übersichtskarte — Argentinien — Gleichgeschlechtliche Ehe
Argentinien. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Das Gesetz 26.618, verkündet am 21. Juli 2010, änderte das Zivilgesetzbuch so, dass die Ehe «dieselben Voraussetzungen und Wirkungen hat, unabhängig davon, ob die Eheschließenden gleichen oder verschiedenen Geschlechts sind». Das Zivil- und Handelsgesetzbuch von 2015 integrierte das vollständig: gemeinsame Adoption, Abstammung durch «Fortpflanzungswillen» (voluntad procreacional) für Kinder aus Kinderwunschbehandlung (beide Ehegatten stehen ohne Adoption in der Geburtsurkunde), Rente, Familiennachzug. Das Gesetz 26.743 über die Geschlechtsidentität (2012) erlaubt die Änderung des Geschlechtseintrags durch einfache Erklärung vor dem Registro Civil. Ausländer können in Argentinien ohne Wohnsitz heiraten; Buenos Aires ist ein Hochzeitsziel für Paare aus Nachbarländern, die es nicht erlauben.

Argentinien war 2010 das zehnte Land der Welt mit der Ehe für alle, Deutschland folgte 2017: deutsch-argentinische gleichgeschlechtliche Paare werden in beiden Ländern als Ehepaar anerkannt, eine argentinische Ehe wird in Deutschland seit 2017 als Ehe nachbeurkundet, eine deutsche in Argentinien ohne Verfahren behandelt — mit Familiennachzug in beide Richtungen. Beim Kind ist Argentinien weiter: zwei Ehefrauen, die eine Samenspende nutzen, stehen kraft Fortpflanzungswillens beide in der Geburtsurkunde, ohne Adoption; in Deutschland muss die zweite Mutter bis zur angekündigten Abstammungsreform adoptieren, und deutsche Behörden erkennen die argentinische Urkunde mit zwei Müttern nicht ohne Weiteres an — die Stiefkindadoption in Deutschland bleibt vorerst der sichere Weg.

Die Geschlechtsidentität wird in Argentinien seit 2012 durch Erklärung geändert, Deutschland folgte 2024 mit dem Selbstbestimmungsgesetz; ein in Argentinien geänderter Geschlechtseintrag wird in Deutschland anerkannt (Artikel 7a EGBGB seit 2024 mit Rechtswahl). Gesellschaftlich ist Buenos Aires mit dem Viertel Palermo und der Marcha del Orgullo eine der offensten Städte Lateinamerikas; die Regierung seit 2023 hat Diversitätsprogramme gekürzt, ohne die Gesetze anzutasten.

Die wichtigsten Punkte

Öffnung21. Juli 2010 (Gesetz 26.618), erste in Lateinamerika, sieben Jahre vor Deutschland
WirkungenIdentisch: gemeinsame Adoption, Abstammung durch Fortpflanzungswillen, Renten, Familiennachzug
AbstammungBeide Ehegatten (oder Partner) stehen in der Geburtsurkunde des durch Kinderwunschbehandlung geborenen Kindes mit vorheriger Einwilligung; ohne Adoption
GeschlechtsidentitätÄnderung des Eintrags durch Erklärung seit 2012 (Gesetz 26.743); Behandlungen übernommen
AusländerKönnen ohne Wohnsitz heiraten; die Ehe gilt nicht in Ländern, die sie nicht anerkennen
ZahlenMehr als 30 000 Ehen seit 2010
DeutscheEhe in Deutschland seit 2017 als Ehe anerkannt; Zwei-Mütter-Urkunde in Deutschland unsicher — Stiefkindadoption; Geschlechtseintrag anerkannt

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Die der standesamtlichen Ehe: kostenlos zu den Bürozeiten; Gebühr außerhalb. Nachbeurkundung in Deutschland etwa 80 bis 150 Euro.

Aktuelle Entwicklungen

Das Gesetzbuch von 2015 festigte die Abstammung durch Fortpflanzungswillen; die 2023 gewählte Regierung hat die Diversitätspolitik zurückgefahren, ohne die Gesetze über Ehe und Geschlechtsidentität anzutasten. Fünfzehn Jahre Ehe für alle wurden 2025 gefeiert. Deutschland führte 2024 das Selbstbestimmungsgesetz ein und plant die Abstammungsreform.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Argentinien ist das Land der Region mit dem vollständigsten Schutz: Ehe, Abstammung ohne Adoption, Geschlechtsidentität durch Erklärung. Paare aus Nachbarländern müssen prüfen, was ihr Land anerkennt: Chile und Uruguay alles, Paraguay und Bolivien nichts. Und deutsche Paare: die Ehe ist in Deutschland sicher, die Zwei-Mütter-Urkunde noch nicht — bis zur Abstammungsreform adoptieren.

Häufige Fragen

Wird unsere argentinische Ehe in Deutschland eingetragen?

Ja, seit Oktober 2017 als Ehe, mit acta de matrimonio, Apostille und Übersetzung; eine vor 2017 geschlossene argentinische Ehe, die in Deutschland als Lebenspartnerschaft behandelt wurde, gilt seitdem als Ehe. Die Nachbeurkundung beim Standesamt ist freiwillig, öffnet aber Familiennachzug, Steuerklasse und Hinterbliebenenrente ohne Diskussion.

Unser Kind hat eine argentinische Geburtsurkunde mit zwei Müttern — gilt das in Deutschland?

Nicht ohne Weiteres: das deutsche Abstammungsrecht kennt bisher nur die gebärende Mutter und einen Vater, und die argentinische Eintragung beruht auf einer Einwilligung, nicht auf einer Gerichtsentscheidung, sodass deutsche Standesämter die zweite Mutter meist nicht übernehmen. Der sichere Weg ist die Stiefkindadoption in Deutschland (Familiengericht, Jugendamt, einige Monate); die angekündigte Reform des Abstammungsrechts soll die Mit-Mutterschaft einführen — den Stand bei der Botschaft erfragen. Für die deutsche Staatsangehörigkeit des Kindes reicht die deutsche leibliche Mutter.

Ich habe in Argentinien meinen Geschlechtseintrag geändert — gilt das in Deutschland?

Ja: seit dem Selbstbestimmungsgesetz 2024 erkennt Deutschland eine im Ausland wirksam vorgenommene Änderung des Geschlechtseintrags und des Vornamens an (Artikel 7a EGBGB), und du kannst als Deutscher zudem die Anwendung deutschen Rechts wählen. Die argentinische Urkunde mit Apostille und Übersetzung wird beim Standesamt vorgelegt, das Personenstandsregister und Pass anpasst.

Offizielle Quellen und Links

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