Die Rechtsgrundlage
Es gilt belgisches Bundesrecht. Der gesetzliche Güterstand ist die auf die Errungenschaften beschränkte Gemeinschaft. Die Erbrechtsreform vom 1. September 2018 hat den Pflichtteil aller Kinder zusammen auf die Hälfte des Nachlasses begrenzt und Erbverträge zugelassen. Die Erbschaftssteuern sind regional geregelt.
Belgien hat sein Erbrecht 2018 grundlegend reformiert: Der Pflichtteil aller Kinder zusammen ist auf die Hälfte des Nachlasses begrenzt, unabhängig von ihrer Zahl. Damit steht immer mindestens die Hälfte zur freien Verfügung. Die Erbschaftsteuer ist dagegen regional geregelt und unterscheidet sich zwischen Flandern, Wallonien und Brüssel erheblich — sie ist bei der Planung wichtiger als das Zivilrecht.
Als Mitgliedstaat der Europäischen Union, der an der Verstärkten Zusammenarbeit teilnimmt, richtet sich das auf den Güterstand internationaler Paare anwendbare Recht hier nach der Verordnung (EU) 2016/1103.
Die wichtigsten Punkte
| Gesetzlicher Güterstand | Auf die Errungenschaften beschränkte Gemeinschaft |
|---|---|
| Pflichtteil der Kinder | Insgesamt die Hälfte des Nachlasses, unabhängig von ihrer Zahl |
| Überlebender Ehegatte | Nießbrauch am gesamten Nachlass, einschließlich der Familienwohnung |
| Erbverträge | Seit 2018 unter Bedingungen zulässig |
| Erbschaftssteuer | Regional: Flandern, Wallonien und Brüssel mit unterschiedlichen Tarifen |
| Schenkungen | Regional besteuert, meist deutlich günstiger als Erbschaften |
| Reform 2018 | Der Pflichtteil der Kinder wurde auf die Hälfte des Nachlasses begrenzt |
| Regionale Steuersätze | Die Erbschaftssteuer ist regional geregelt und unterscheidet sich erheblich |
In der Praxis
- Ehevertrag notariell abschließen, wenn Gütertrennung gewünscht ist.
- Nachlassplanung über Schenkungen prüfen — die Tarife sind regional sehr unterschiedlich.
- Erbvertrag erwägen, um ein Gleichgewicht zwischen Kindern festzuschreiben.
- Testament im Zentralen Testamentsregister eintragen lassen.
- Die regionalen Steuersätze vergleichen: Der Wohnsitz des Erblassers entscheidet.
- Schenkungen zu Lebzeiten prüfen – sie sind steuerlich meist deutlich günstiger.
Kosten und Übernahme
Notarielle Verträge und Testamente werden nach Tarif berechnet. Die Erbschaftsteuer ist der größte Posten und hängt von der Region ab; eine Beratung vor einer Schenkung oder einem Immobilienkauf lohnt sich fast immer.
Aktuelle Entwicklungen
Die Erbrechtsreform von 2018 hat den Pflichtteil begrenzt und Erbverträge in gewissem Umfang zugelassen; die Regionen haben ihre Erbschaftsteuersätze mehrfach angepasst, teilweise zugunsten von Ehegatten und Zusammenwohnenden.
Anlaufstellen
- Notariate (notaire.be mit Rechnern und Verzeichnis).
- Regionale Steuerverwaltungen für die Erbschaftssteuer.
- Zentrales Testamentsregister.
- Notariate und regionale Steuerverwaltungen.
Gut zu wissen
Weil die Erbschaftssteuer regional ist, kann ein Umzug zwischen Regionen in den letzten fünf Lebensjahren die steuerliche Behandlung des gesamten Nachlasses verändern. Die Reform von 2018 hat den frei verfügbaren Teil deutlich vergrößert. Ältere Testamente sollten daraufhin überprüft werden – viele nutzen die neuen Möglichkeiten nicht.
Häufige Fragen
Wie viel können Kinder mindestens verlangen?
Seit der Reform von 2018 zusammen die Hälfte des Nachlasses, egal wie viele Kinder es sind. Früher stieg der Pflichtteil mit der Kinderzahl bis auf drei Viertel. Über die andere Hälfte können Sie frei verfügen — etwa zugunsten eines Partners oder eines Stiefkindes.
Welches Erbrecht gilt bei einem binationalen Paar?
Im EU-Raum gilt die Europäische Erbrechtsverordnung: Maßgeblich ist das Recht des Staates, in dem die verstorbene Person ihren letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte — nicht ihre Staatsangehörigkeit. Sie können aber im Testament das Recht Ihres Heimatstaats wählen. Für Länder außerhalb der EU gelten eigene Kollisionsregeln; lassen Sie sich notariell beraten, bevor Sie ein Testament aufsetzen.
Offizielle Quellen und Links
- belgium.be — amtliches Portal der föderalen Dienste, auch auf Deutsch
- Ostbelgien Live — Portal der Deutschsprachigen Gemeinschaft
