Die Rechtsgrundlage
In Südtirol gilt italienisches Recht; nach Artikel 99 des Autonomiestatuts ist Deutsch der italienischen Sprache gleichgestellt. Italien kennt die konkordatäre Ehe: Eine nach katholischem Ritus geschlossene Ehe entfaltet zivile Wirkung, sobald sie in die Standesamtsregister eingetragen wird. Dasselbe gilt für Religionsgemeinschaften, die mit dem Staat ein Abkommen geschlossen haben, etwa Waldenser, jüdische Gemeinden, Adventisten und weitere. Religionsgemeinschaften ohne solches Abkommen – darunter der Islam – können keine zivilrechtlich wirksame Ehe schließen.
Italien ist der Sonderfall im deutschsprachigen Raum: Eine katholische Trauung kann zivile Wirkung entfalten, wenn sie nach dem Konkordat in die Personenstandsregister eingetragen wird — die sogenannte Konkordatsehe. Das Aufgebot beim Standesamt bleibt trotzdem erforderlich. Für Religionsgemeinschaften mit einem Staatsvertrag gelten vergleichbare Regeln; für alle anderen bleibt es bei der rein zivilen Eheschließung.
Die wichtigsten Punkte
| Konkordatäre Ehe | Katholische Trauung mit ziviler Wirkung durch Eintragung |
|---|---|
| Abkommen | Weitere Konfessionen mit Staatsvertrag können ebenfalls wirksam trauen |
| Ohne Abkommen | Keine zivile Wirkung; eine Zivilehe ist zusätzlich erforderlich |
| Aufgebot | Auch bei der konkordatären Ehe beim Standesamt zu beantragen |
| Eintragung | Der Pfarrer übermittelt die Urkunde binnen weniger Tage an das Standesamt |
| Kirchliche Nichtigkeit | Ein kirchliches Nichtigkeitsurteil kann für den Staat anerkannt werden |
In der Praxis
- Auch für die kirchliche Trauung das zivile Aufgebot beim Standesamt beantragen – ohne das entsteht keine zivile Wirkung.
- Nach der Trauung prüfen, ob die Eintragung tatsächlich erfolgt ist, und einen Auszug anfordern.
- Wenn Ihre Religionsgemeinschaft kein Abkommen hat, zusätzlich zivil heiraten.
- Den Güterstand vor der Trauung klären; ohne Erklärung gilt Gütergemeinschaft.
Kosten und Übernahme
Für die zivile Eheschließung fallen Gemeindegebühren an, die je nach Trauort variieren. Die kirchliche Feier ist für Gemeindemitglieder üblicherweise kostenlos; Musik, Blumen und Chor kommen hinzu.
Aktuelle Entwicklungen
Die Zahl rein ziviler Trauungen steigt auch in Südtirol, und die Gemeinden haben zusätzliche Trauorte ausgewiesen — von Schlössern bis zu Almhütten. Die Konkordatsehe bleibt in ländlichen Gemeinden verbreitet.
Anlaufstellen
- Standesämter der Gemeinden.
- Pfarrämter und Kirchenverwaltungen.
- Kirchliches Gericht der Diözese für Nichtigkeitsverfahren.
Gut zu wissen
Die zivile Wirkung hängt allein an der Eintragung. Kontrollieren Sie einige Wochen nach der Hochzeit beim Standesamt, ob sie vollzogen wurde – Versäumnisse kommen vor und fallen sonst erst Jahre später auf.
Häufige Fragen
Was ist eine Konkordatsehe?
Eine katholische Trauung, die zugleich zivile Wirkung hat, weil der Geistliche sie in die Personenstandsregister eintragen lässt. Voraussetzung ist das vorherige Aufgebot beim Standesamt. Sie ersparen sich damit eine zweite Zeremonie, nicht aber die Formalitäten.
Welche Reihenfolge gilt und warum?
Die zivile Eheschließung begründet die Rechtsfolgen — Name, Güterstand, Erbrecht, Aufenthalt. Die religiöse Feier hat davon unabhängig einen eigenen Wert, aber keine dieser Wirkungen. Wer im Ausland eine religiöse Feier plant, sollte vorher klären, ob die dortige Eheschließung zivil anerkannt wird; sonst gelten Sie zu Hause weiter als unverheiratet.
Offizielle Quellen und Links
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol — amtliches Landesportal, deutsch und italienisch
- Landesinstitut für Statistik ASTAT — Landesstatistiken
