Transparenz
AffectionPlus wird von dem Unternehmen herausgegeben, das auch Affection.org betreibt, eine französischsprachige Dating-Seite. Wir sagen das vorweg, damit Sie diese Seite in Kenntnis der Lage lesen.
Diese Seite enthält keinen bezahlten Link. Keine Plattform hat für ihre Nennung bezahlt, und es gibt keine Bestenliste: Im Folgenden geht es um Geschäftsmodelle und Publikum, denn davon hängt ab, ob eine Plattform zu Ihnen passt. Die einzige ehrliche Rangfolge ist die, die Sie nach zwei Wochen Nutzung selbst aufstellen.
Vier Familien von Plattformen
Es gibt Hunderte Apps und vielleicht vier echte Bauweisen. Zu wissen, mit welcher Familie man es zu tun hat, sagt mehr als jeder Test: Sie sagt voraus, wen man trifft, was man zahlt und wie das Gespräch beginnt.
Swipe-Apps
Ein Foto, ein paar Zeilen, eine Wischbewegung nach links oder rechts — und ein Gespräch, das nur zustande kommt, wenn beide Ja gesagt haben. Tinder hat das Format erfunden, Bumble die Regel ergänzt, dass in heterosexuellen Matches die Frau zuerst schreibt, Hinge baut seine Profile um vorgegebene Fragen, damit die erste Nachricht leichter fällt.
Die Menge ist ihre Stärke und ihre Schwäche: Man sieht sehr schnell sehr viele Menschen, und die Auswahl hängt fast ausschließlich am Foto. Die Nutzung ist gratis, bezahlt wird für Sichtbarkeit — Boosts, Super-Likes, sehen, wer einen mag. Sie funktionieren in dichten Städten; unterhalb einer gewissen Einwohnerzahl ist der Pool nach einer Woche leer.
Abo-Portale
Parship, ElitePartner, LoveScout24 und Neu.de arbeiten umgekehrt: Stöbern und Nachrichten empfangen ist gratis, Antworten kostet ein Abonnement. Das Publikum ist älter und benennt seine Absicht klarer — eine Beziehung, nicht ein Abend.
Zwei Dinge vor dem Bezahlen. Der beworbene Monatspreis setzt fast immer eine Bindung über sechs oder zwölf Monate voraus, im Voraus bezahlt; der echte Monatspreis liegt höher. Und das Abo verlängert sich automatisch. In Deutschland hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass eine Kündigung im Widerrufsfall nicht dazu führen darf, dass der volle Preis fällig bleibt, und seit 2022 muss ein online abgeschlossener Vertrag online kündbar sein — über einen Kündigungsbutton. Siehe was Sie beim Bezahlen online eingehen.
Fragebogen-Vermittler
Ein langer Persönlichkeitsfragebogen, danach eine begrenzte Zahl vorgeschlagener Profile statt einer endlosen Liste. Parship und ElitePartner stehen für dieses Modell im deutschsprachigen Raum. Versprochen wird ein wissenschaftlicher Passungswert.
Was die Forschung dazu hergibt, ist begrenzt. Fragebögen sind gut darin, offensichtliche Unvereinbarkeiten auszusortieren — Kinderwunsch gegen keinen Kinderwunsch — und schlecht darin, Anziehung vorherzusagen; das hat bislang kein veröffentlichter Algorithmus geschafft. Gekauft wird eine kürzere Liste und weniger Erschöpfung, keine Garantie.
Community-Apps
Plattformen um eine gemeinsame Identität herum: Grindr und HER für schwule, bisexuelle und queere Nutzerinnen und Nutzer, Apps für eine Religion, eine Sprache oder eine Diaspora. Der Vorteil liegt auf der Hand — das Erklären entfällt. Die Risiken sind ebenso spezifisch: In Ländern, die Homosexualität verfolgen, werden solche Apps für Fallen genutzt, und Profildaten sind mehr als einmal abgeflossen. Siehe personenbezogene Daten und sexuelle Orientierungen.
Wie man konkret wählt
- Erst die eigene Lage, dann die App. Großstadt und Landkreis haben nicht dieselbe Antwort, fünfundzwanzig und fünfundfünfzig auch nicht.
- Zwei Wochen in der Gratisstufe. Passiert dort nichts, wo der Pool real ist, wird Bezahlen daran nichts ändern.
- Beim ersten Mal monatlich zahlen, auch wenn der Monat teurer ist. Ein Jahr bindet man nur an etwas, das man schon benutzt hat.
- Den Kündigungsweg am Tag des Abschlusses notieren. Er steht selten dort, wo man ihn vermutet, und einen Tag zu spät kostet eine volle Periode.
- Eine Plattform an ihrer Moderation messen, nicht an ihrer Werbung: wie eine Meldung behandelt wird, wie schnell ein Fake-Profil verschwindet, ob je ein Mensch antwortet.
Vor dem Bezahlen zwei Prüfungen
Suchen Sie die jüngsten Bewertungen zur Kündigung, nicht die zum Dienst, und prüfen Sie, ob ein Impressum mit Firma und Anschrift vorhanden ist. Eine Plattform, der man nicht schreiben kann, ist eine Plattform, von der man kein Geld zurückbekommt. Wenn etwas schiefgeht, siehe Liebesbetrug.
Und abseits der Apps
Die meisten Paare lernen sich weiterhin über Arbeit, Freunde, Studium, ein gemeinsames Hobby oder die Nachbarschaft kennen. Apps sind stark gewachsen, haben davon aber nichts ersetzt — sie haben einen Kanal für Menschen hinzugefügt, deren Alltag keine neuen Gesichter mehr hervorbrachte. Tut Ihrer das noch, ist die App optional.
Welcher Weg es auch wird, die nächsten Schritte sind dieselben: ein Profil und die ersten Nachrichten, dann das erste Treffen.
