Im Notfall
Kind in unmittelbarer Gefahr: 110 / 112. Sorge, Verdacht, Anvertrautes — Deutschland: Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530 (kostenlos, anonym), Nummer gegen Kummer 116 111 (Kinder und Jugendliche) und 0800 111 0 550 (Eltern); Österreich: Rat auf Draht 147; Schweiz: Pro Juventute 147, clickandstop.ch. Inhalte oder Konten melden: jugendschutz.net, die Internet-Beschwerdestelle (FSM/eco), das BKA; Bilder eines Jugendlichen entfernen lassen: Take It Down (NCMEC). Vermisstes Kind in Europa: 116 000.
Was diese Seite tut — und was nicht
Sie ist für Eltern geschrieben. Sie beschreibt keine Tat; sie beschreibt Mechanismen — wie sich ein Erwachsener einem Kind nähert, wie er Schweigen erreicht, welche Kanäle er nutzt —, denn das muss man kennen, um zu schützen. Die Zahlen stammen von der WHO, vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), vom BKA, von Europol und aus nationalen Untersuchungen wie der französischen CIIVISE (2023). Ein Punkt zuerst, weil er alles ändert: in mehr als acht von zehn Fällen ist der Täter ein Bekannter des Kindes — Familie, Stiefelternteil, Familienfreund, Nachbar, Trainer — und kein Fremder. Der UBSKM geht von ein bis zwei betroffenen Kindern pro Schulklasse aus; die polizeiliche Kriminalstatistik zählte 2024 rund 18 000 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland, das Dunkelfeld ist ein Vielfaches. Das Internet hat die Gefahr nicht geschaffen; es hat ihr eine weitere Tür geöffnet.
Wie Täter vorgehen
Fachleute sprechen von Grooming, „Anbahnung“. Die Abfolge ist fast immer dieselbe, online wie im Alltag: ein etwas isoliertes Kind oder eines im Streit mit den Eltern ausmachen; zum Vertrauten werden, der zuhört und „besser versteht als die Erwachsenen“; Geschenke, Spielguthaben, Aufmerksamkeit anbieten; ein gemeinsames Geheimnis einrichten („das bleibt unter uns“); die Grenzen schrittweise testen; dann die Schuld umdrehen („wenn du es sagst, bekommst du Ärger, deine Eltern wären enttäuscht“). Geheimnis und Isolation sind die beiden Hebel; sie muss man brechen — nicht das Kind ängstigen.
Online dominieren heute zwei Varianten. Die erste ist das klassische Grooming per Privatnachricht: ein Fremder, der sich als Jugendlicher ausgibt, in einem Spiel (Roblox, Fortnite, Minecraft), einem Messenger (Snapchat, Discord, WhatsApp) oder einem Netzwerk (Instagram, TikTok), und der dann zu einer diskreteren App und zum Versenden von Bildern drängt. Die zweite ist die Sextortion, stark zunehmend bei Jungen von 13 bis 17: ein wenige Stunden zuvor kennengelerntes „Mädchen“ schickt ein intimes Bild, verlangt eines zurück und fordert dann Geld unter der Drohung, alles an die Kontakte zu schicken. Das amerikanische NCMEC erhielt 2024 mehr als 26 000 Meldungen finanzieller Sextortion; mehrere Suizide Jugendlicher stehen damit in Verbindung. Die Regel, die man weitergeben muss: niemals zahlen, nichts löschen, sofort jemandem sagen — und es ist nicht deine Schuld.
Im wirklichen Leben sind die riskanten Orte jene, an denen ein Erwachsener Autorität und Nähe zu Kindern ohne weiteren Erwachsenen hat: Sport, Ferienlager, Nachhilfe, religiöse Einrichtungen — die MHG-Studie (2018) zählte über 3 600 Betroffene in der katholischen Kirche Deutschlands seit 1946 — und vor allem die erweiterte Familie. Die Zeichen beim Kind sind indirekt: plötzliche Verhaltensänderung, unerwartete Weigerung, irgendwohin zu gehen oder jemanden zu sehen, Albträume, Rückschritte (Einnässen), dem Alter unangemessenes sexuelles Wissen, unerklärte Geschenke oder Geld, Geheimnistuerei um einen Erwachsenen oder ein Konto. Keines dieser Zeichen beweist etwas; ihre Häufung muss zum Gespräch führen.
Welche sozialen Netzwerke, in welchem Alter
Die Nutzungsbedingungen fast aller Netzwerke setzen 13 Jahre als Minimum — eine Regel aus einem amerikanischen Datenschutzgesetz (COPPA), nicht aus Überlegungen zur Reife. In Deutschland ist die Einwilligung in die Datenverarbeitung nach der DSGVO erst ab 16 wirksam, darunter braucht es die Eltern; Österreich hat 14 gewählt. Australien verbietet seit dem 10. Dezember 2025 Social-Media-Konten unter 16 Jahren, mit der Pflicht bei den Plattformen; die EU diskutiert ein gemeinsames Alter. Die Empfehlungen der Fachleute laufen zusammen: kein Handy vor etwa 11, kein vernetztes Smartphone vor 13, keine sozialen Netzwerke vor 15 oder 16.
| Netzwerk oder Spiel | Alter laut AGB | Was man wissen muss |
|---|---|---|
| 13 | „Teenkonten“ (2024) standardmäßig privat, Nachrichten nur von Followern; Elternaufsicht möglich. Das in aktuellen Untersuchungen meistgenannte Netzwerk (siehe unten). | |
| Snapchat | 13 | Verschwindende Nachrichten — Screenshots verschwinden, Beweise auch; Standortkarte abschalten („Geistmodus“); Family Center zeigt die Kontakte. |
| TikTok | 13 | Konten 13–15 standardmäßig privat, Direktnachrichten vor 16 aus; „Begleiteter Modus“ (Family Pairing). |
| Discord | 13 | Offene Server, Privatnachrichten mit Fremden, keine wirksame eigene Aufsicht: für Ältere, auf bekannten Servern. |
| 13 (16 in Europa bis 2024) | Gruppen: jeder kann das Kind hinzufügen, wenn die Einstellung nicht auf Kontakte beschränkt ist. | |
| Roblox, Fortnite, Minecraft | Kein echtes Minimum | Der Chat ist vor 12 der häufigste Einstieg für Kontaktversuche: Chat mit Fremden abschalten, im Gemeinschaftsraum spielen. |
| YouTube | 13 (YouTube Kids: keines) | Das Problem sind weniger Kontakte als Inhalte und Kommentare; YouTube Kids oder ein beaufsichtigtes Konto. |
Insbesondere Instagram. Im Juni 2023 zeigte eine Untersuchung des Wall Street Journal mit dem Stanford Internet Observatory und der Universität Massachusetts, dass Instagrams Empfehlungsalgorithmen Netzwerke von Konten, die Missbrauchsbilder verkauften, miteinander verbanden und einander vorschlugen. Meta richtete eine Sondereinheit ein und löschte zehntausende Konten; der Generalstaatsanwalt von New Mexico verklagte Meta im Dezember 2023, rund vierzig US-Bundesstaaten klagen wegen der Wirkung der Plattformen auf Minderjährige. Die Lehre für Eltern lautet nicht „Instagram ist verboten“, sondern: das Konto eines Jugendlichen muss privat sein, seine Nachrichten für Fremde geschlossen, und das Kind muss wissen, dass ein Erwachsener, der ein Foto, ein Geheimnis oder einen App-Wechsel verlangt, ein Alarmsignal ist — egal, welches Alter er angibt.
Die Kindersicherung, die wirklich hilft
Werkzeuge ersetzen das Gespräch nicht, aber sie nehmen Gelegenheiten weg. Drei Ebenen:
- Das Gerät. Google Family Link (Android), Bildschirmzeit (iPhone, iPad), Microsoft Family Safety (Windows, Xbox), die Einstellungen der Konsolen (PlayStation, Nintendo Switch): Zeitlimits, Freigabe von Installationen, Filter, Standort.
- Netz und Apps. Der kostenlose Jugendschutz des Anbieters (Router, Mobilfunk), Familien-DNS-Filter (etwa CleanBrowsing) und vor allem die Einstellungen jeder App: privates Konto, Nachrichten nur von Freunden, Standort aus, gefilterte Kommentare. Kostenpflichtige Apps (Qustodio, Salfeld, Bark) ergänzen Stichwort-Alarme und Nachrichtenaufsicht. Die Initiativen klicksafe und SCHAU HIN! bieten Anleitungen für jedes Alter.
- Die Hausregeln. Nachts kein Bildschirm im Kinderzimmer; kein privater Chat mit jemandem, den man nie gesehen hat; niemals ein Foto von sich in Badekleidung, im Schlafanzug oder im Bad, auch nicht an einen „Freund“; nichts installieren ohne zu fragen; und — das Wichtigste — man darf alles erzählen und wird niemals bestraft, weil man geredet hat. Ein Kind, das fürchtet, seine Konsole zu verlieren, wenn es zugibt, mit einem Fremden geschrieben zu haben, schweigt; genau darauf setzt der Täter.
Zwei Klarstellungen. Heimliche Überwachung (Nachrichten ohne Wissen des Jugendlichen lesen) funktioniert schlecht: wird sie entdeckt, zerstört sie das Vertrauen, das besser schützt als jede Software; angekündigte und mit dem Alter gelockerte Aufsicht wirkt besser. Und Körpererziehung beginnt früh, ohne Dramatik: Intimzonen, das Recht, zu einem Kuss oder einer Umarmung Nein zu sagen, der Unterschied zwischen einem „Überraschungs“-Geheimnis (das glücklich macht und irgendwann verraten wird) und einem Geheimnis, „das weh tut“ (das immer erzählt werden muss).
Codes und Jargon, die man erkennen sollte
Täter kommunizieren auf öffentlichen Plattformen mit einem verschlüsselten Vokabular, das Ermittler, Europol und die Stanford-Forscher dokumentiert haben. Es zu kennen hilft Eltern, ein verdächtiges Gespräch oder Profil zu erkennen — zu nichts anderem —, und die Begriffe wechseln regelmäßig.
- „Cheese pizza“ und das Pizza- oder Käse-Emoji stehen für die englischen Initialen „CP“ und bezeichnen Missbrauchsbilder. Dieser reale, von der US-Polizei seit den 2010er-Jahren beobachtete Gebrauch wurde 2016 von der Verschwörungstheorie „Pizzagate“ gekapert — die ihrerseits jeder Grundlage entbehrt: in der angegriffenen Pizzeria gab es nie ein Netzwerk, und ein Bewaffneter schoss dort im Dezember 2016. Den dokumentierten Code von der Fabel zu unterscheiden, ist wesentlich.
- „MAP“ (minor-attracted person), „NOMAP“, die zugehörige Flagge und das Karten-Emoji: Selbstbezeichnung von Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern, trotz Verboten auf manchen Netzwerken vorhanden.
- Scheinbar harmlose Stichwörter und Emoji-Ketten (Obst, Kinderschuhe, bestimmte Zahlen, die ein Alter angeben), um einen Buchstaben veränderte Hashtags, privat versprochene „Dropbox“-, „Mega“- oder „Tele“-Links: diese Mischung wiesen die Stanford-Forscher auf Instagram und X nach.
- In Spielen und Messengern: „ASL?“ (age, sex, location), „bist du allein?“, „schauen deine Eltern zu?“, der rasche Vorschlag, „auf Snap/Telegram/Discord zu wechseln“, aufdringliche Komplimente zum Körper, virtuelle Geschenke (Robux, V-Bucks) „fürs Liebsein“.
Zerschlagene Netzwerke, Darknet und der Fall Epstein
Die großen Fälle der letzten Jahre zeigen zwei Wirklichkeiten nebeneinander. Auf der einen Seite anonyme digitale Netzwerke im Darknet: „Welcome to Video“ (Südkorea, 2019 geschlossen, 337 Festnahmen in 38 Ländern, Zahlung in Bitcoin), „Boystown“ (2021 von deutschen Ermittlern abgeschaltet, über 400 000 Konten), „Elysium“ (2017, Hessen), die koordinierten Aktionen von Europol und Interpol, die jedes Jahr tausende Opfer anhand von Bildern identifizieren. Bilder „zirkulieren“ nicht bloß: jedes ist die Spur eines realen Kindes, und die Ermittler arbeiten zuerst daran, es zu finden. Auf der anderen Seite Täter aus dem Umfeld, die jahrzehntelang allein handeln — die Fälle Lügde (2019), Bergisch Gladbach und Münster (2020) in Deutschland, in Frankreich der Chirurg Joël Le Scouarnec, im Mai 2025 zu zwanzig Jahren verurteilt für Taten an 299 Patienten, fast alle Kinder, zwischen 1989 und 2014 — teils seiner Klinikleitung bekannt und nie gestoppt.
Der Fall Epstein gehört zu beiden. Jeffrey Epstein, amerikanischer Finanzier, rekrutierte über Jahre Jugendliche — oft 14 bis 17 Jahre alt, aus einfachen Verhältnissen, angesprochen von anderen jungen Frauen, die fürs Heranführen bezahlt wurden — in seine Anwesen in Florida, New York, New Mexico und auf den Jungferninseln. 2008 brachte ihm ein vielkritisierter Deal in Florida dreizehn Monate Haft mit Freigang wegen Prostitution einer Minderjährigen und Immunität vor Bundesanklagen; ein Richter urteilte 2019, die Opfer seien rechtswidrig von diesem Deal ausgeschlossen worden. Im Juli 2019 erneut wegen Sexhandels mit Minderjährigen verhaftet, nahm er sich im Folgemonat in der Haft das Leben. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell wurde 2021 zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Die seit 2024 schrittweise veröffentlichten Gerichtsakten (Kontaktlisten, Aussagen, Unterlagen des Justizministeriums) zeigten die Reichweite seines Beziehungsnetzes unter den Mächtigen, ohne dass die Justiz bislang eine Tatbeteiligung weiterer Personen festgestellt hätte. Was der Fall Eltern lehrt, passt in einen Satz: der Täter sieht nicht aus wie das Bild, das wir von ihm haben — er ist oft charmant, großzügig, angesehen — und er wählt Kinder, von denen er glaubt, dass niemand ihrem Wort zuhören wird.
Wo melden, wen anrufen
- Deutschland. Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 22 55 530 (auch bei bloßem Verdacht); Nummer gegen Kummer 116 111 (Kinder) und 0800 111 0 550 (Eltern); Hilfe-Portal des UBSKM (hilfe-portal-missbrauch.de); Meldung von Inhalten an jugendschutz.net, die Internet-Beschwerdestelle oder die Onlinewache der Polizei; Anzeige bei jeder Polizeidienststelle. Die Beratung Kein Täter werden richtet sich an Menschen, die eigene Neigungen fürchten.
- Österreich: Rat auf Draht 147, Stopline.at, die Kinder- und Jugendanwaltschaften. Schweiz: Pro Juventute 147, Kinderschutz Schweiz, clickandstop.ch, Opferhilfe 143. Südtirol: Telefono Azzurro 19696. Luxemburg: BEE SECURE Stopline, Kanner-Jugendtelefon 116 111.
- Vereine: Deutscher Kinderschutzbund, Weißer Ring (116 006), Zartbitter, Wildwasser, Innocence in Danger, Dunkelziffer; international ECPAT, das INHOPE-Netz der Meldestellen, die Internet Watch Foundation (Großbritannien) und das NCMEC (USA).
Was das Gesetz sagt — Strafen nach Ländern
Überall gehört sexuelle Gewalt an Kindern zu den am schwersten bestraften Verbrechen; was variiert, sind das Alter des absoluten Schutzes und die tatsächliche Strenge.
- Deutschland. Schutzalter 14. Sexueller Missbrauch von Kindern (§ 176 StGB) ist seit 2021 ein Verbrechen: Freiheitsstrafe von einem bis zu fünfzehn Jahren; Cybergrooming (§ 176b) auch beim bloßen Versuch strafbar; Besitz von Missbrauchsbildern drei Monate bis fünf Jahre (2024 nach unten korrigiert), Verbreitung bis zu zehn Jahre; sexueller Missbrauch von Jugendlichen (14–17) bei Ausnutzung einer Zwangslage oder gegen Entgelt (§ 182). Erweiterte Führungszeugnisse sind für die Arbeit mit Kindern Pflicht. Österreich: 14; schwerer sexueller Missbrauch von Unmündigen bis zu zehn Jahre, bei Todesfolge lebenslang. Schweiz: 16; sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 StGB) höchstens fünf Jahre — eine oft kritisierte Milde —, Vergewaltigung bis zehn Jahre.
- Frankreich: seit 2021 ist jede Penetration eines Erwachsenen an einem Kind unter 15 bei fünf Jahren Altersabstand Vergewaltigung (20 Jahre), ohne Nachweis von Zwang; 18 bei Inzest. Großbritannien: 16; Vergewaltigung eines Kindes unter 13 lebenslang, Grooming eigener Straftatbestand seit 2003. USA: je nach Bundesstaat 16 bis 18; bundesrechtlich 15 bis 30 Jahre für die Herstellung von Missbrauchsbildern; öffentliche Täterregister. Kanada: 16; sexuelle Berührung eines Kindes mindestens ein Jahr, bis 14 Jahre.
- In vielen Ländern Afrikas und Asiens sind die Strafen auf dem Papier hoch, die Straflosigkeit aber groß — und die Kinderehe, legal oder geduldet, bleibt die erste institutionalisierte Form sexueller Gewalt an Mädchen: der nächste Abschnitt.
Das gesetzliche Heiratsalter, Land für Land
Ja, es ist wahr: in einigen Ländern verhindert das Gesetz die Verheiratung eines Mädchens unter zehn Jahren nicht. UNICEF zählt 12 Millionen vor dem 18. Geburtstag verheiratete Mädchen pro Jahr und 640 Millionen lebende Frauen, die als Kinder verheiratet wurden. Das „offizielle“ Alter sagt nicht alles: es sind die Ausnahmen — Zustimmung der Eltern, Erlaubnis des Richters, „Pubertät“, religiöses oder Gewohnheitsrecht —, die die Tür öffnen.
| Land | Gesetzliches Alter | Was tatsächlich geschieht |
|---|---|---|
| Jemen | Keines seit 1999 | Das Gesetz verweist auf die „Pubertät“; Ehen mit Mädchen von 8 bis 10 Jahren sind dokumentiert, mehrere Todesfälle sorgten für Empörung. |
| Sudan | 10 Jahre (Gesetz von 1991) | Ehe „mit der Pubertät“ möglich, ab 10 mit Zustimmung von Vormund und Richter. |
| Iran | 13 Mädchen, 15 Jungen | Mit Zustimmung von Vater und Richter noch jünger; jährlich zehntausende Ehen mit Mädchen unter 15. |
| Saudi-Arabien | 18 (seit 2019) | Bis 2019 kein Mindestalter; der Richter kann weiterhin Ausnahmen erlauben. |
| Afghanistan | 16 Mädchen (Zivilgesetz), nicht angewandt | Unter den Taliban wird das Zivilrecht ignoriert; Zwangsehen kleiner Mädchen gegen Schulden oder Nahrung. |
| Niger | 15 Mädchen, 18 Jungen | Weltrekord: rund 76 % der Frauen vor 18 verheiratet, 28 % vor 15. |
| Bangladesch | 18 Mädchen, 21 Jungen | Gesetz von 2017 mit „Sonderfällen“ ohne Mindestalter; eine der höchsten Kinderehe-Raten Asiens. |
| Indien | 18 Mädchen, 21 Jungen | Verboten seit 1929 und 2006, doch etwa jedes vierte Mädchen wird vor 18 verheiratet; die Ehen bleiben gültig, wenn sie nicht angefochten werden. |
| Pakistan | 16 Mädchen (18 in Sindh und seit 2025 in Islamabad) | Schwache Durchsetzung; der Rat für islamische Ideologie bekämpft die 18-Jahre-Gesetze. |
| Marokko | 18 | Richter erteilen jährlich zehntausende Ausnahmen, fast alle für Mädchen; Reform des Familiengesetzbuchs in Diskussion. |
| Nigeria | 18 (Bundesgesetz 2003) | Von mehreren nördlichen Bundesstaaten nicht übernommen, wo religiöses Recht kein Alter kennt. |
| USA | 18 in nur etwa fünfzehn Bundesstaaten | In den meisten Staaten Ehe Minderjähriger mit Zustimmung der Eltern oder des Richters möglich; mehrere hatten bis in die 2010er-Jahre gar keine Untergrenze. Delaware und New Jersey verboten 2018 als erste jede Ehe unter 18. |
| Großbritannien | 18 in England und Wales (2023), 16 in Schottland | Bis 2023 in England 16 mit elterlicher Zustimmung. |
| Frankreich | 18 (seit 2006) | Dispens der Staatsanwaltschaft aus „schwerwiegenden Gründen“, sehr selten; Zwangsehe ist ein Verbrechen. |
| Deutschland | 18 ohne Ausnahme (2017) | Im Ausland vor 16 geschlossene Ehen sind nichtig; das Bundesverfassungsgericht verlangte 2023 Nachbesserungen zu den Folgen, die 2024 kamen. |
| Niederlande, Schweden, Dänemark, Spanien (16 bei Volljährigkeitserklärung), Philippinen (2021), Indonesien (19, 2019), Japan (18, 2022), Mexiko (2019), Brasilien (absolutes Minimum 16, 2019), Türkei (17, 16 mit Gerichtsbeschluss) | Allgemeiner Trend zu 18 ohne Ausnahme — doch richterliche Ausnahmen bestehen in den meisten Ländern fort. | |
Die Ehe eines Kindes ist keine Ehe: sie ist eine einer Minderjährigen aufgezwungene sexuelle Beziehung unter dem Deckmantel eines Vertrags. Deshalb zielt das Völkerrecht (Kinderrechtskonvention 1989; UN-Ziel 5.3) auf ihr Verschwinden bis 2030, und deshalb bestraft Deutschland die Zwangsheirat (§ 237 StGB) mit bis zu fünf Jahren, auch das Verbringen ins Ausland zu diesem Zweck. Die Seite über Zwangsehe und Brautraub vertieft diese Praktiken.
Ein wenig Geschichte: als Heiraten mit 12 die Norm war
Es war früher nicht selten, ein Mädchen mit 12 oder 15 zu verheiraten — und man muss es sagen, ohne daraus eine Entschuldigung zu machen. Das römische Recht setzte die Ehefähigkeit auf 12 Jahre für Mädchen und 14 für Jungen; das mittelalterliche Kirchenrecht übernahm diese Alter, Verlöbnisse waren ab 7 möglich. Fürstliche Ehen wurden sehr früh geschlossen: Isabella von Valois heiratete 1396 mit sechs Jahren Richard II. von England; Margarete von Österreich wurde mit drei per Prokura vermählt. Auf dem Land dagegen lag das tatsächliche Alter bei der ersten Heirat weit höher — im Westeuropa des 17. und 18. Jahrhunderts um 24 bis 26 Jahre, weil ein Hausstand gegründet werden musste —, und Kinderehen betrafen vor allem den Adel und seine Bündnisstrategien.
Das BGB von 1900 erlaubte die Ehe für Frauen ab 16, für Männer ab 21; erst 1974 wurde einheitlich 18 mit Ausnahme ab 16, und erst 2017 fiel jede Ausnahme. Frankreichs Code civil von 1804 ließ 15 Jahre für Mädchen und 18 für Jungen zu — ein Unterschied, der erst 2006 abgeschafft wurde; England behielt 12 Jahre bis 1929 (dann 16). Das strafrechtliche Schutzalter ging denselben Weg: in England 12, dann 13 (1875), dann 16 (1885, nach der Pressekampagne „The Maiden Tribute of Modern Babylon“ über die Prostitution Londoner Mädchen); in Frankreich 11 (1832), 13 (1863), 15 (1945); in Deutschland 14 seit dem Reichsstrafgesetzbuch von 1871. Was sich geändert hat, ist nicht die Biologie, sondern die Idee, dass ein Kind eine Person ist und kein zu übertragendes Gut: die Schulpflicht, die Anerkennung der Kindheit als eigenes Lebensalter, dann die Konvention von 1989. Sexueller Missbrauch ist kein Überbleibsel einer Zeit, in der „das normal war“; er ist die Verletzung einer Einwilligung, die es in diesem Alter nicht gibt — und im Namen dieser jungen, zerbrechlichen Idee schützen wir Kinder heute.
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Einvernehmen und seine Länderseiten nennen das Schutzalter jedes Landes; Wenn das Kind seine erste Beziehung hat behandelt Beziehungen unter Jugendlichen; Bildschirmzeit hilft beim Aufstellen von Regeln; die Seiten zum Online-Dating und ihre Rechte erklären, was ein Foto und eine Identität im Netz wert sind. Die Länderseiten zum Recht beschreiben im Ausland begangene Sexualstraftaten und Sextourismus, die auch ohne Anzeige vor Ort zu Hause verfolgt werden.
