Die Erbfolge — Italien (Südtirol)

In Südtirol gilt italienisches Erbrecht mit Pflichtteil, ergänzt durch eine Besonderheit ohne Gegenstück: den geschlossenen Hof.

Übersichtskarte — Italien (Südtirol) — Die Erbfolge
Italien (Südtirol). Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Maßgeblich ist der italienische Codice civile: Pflichtteilsberechtigt sind Ehegatte, Kinder und, in deren Abwesenheit, die Eltern; die Quoten hängen von der Zusammensetzung der Familie ab. Die italienische Erbschaftsteuer kennt hohe Freibeträge — eine Million Euro je Kind und Ehegatte — und niedrige Sätze. Die Südtiroler Besonderheit ist das Höferecht: Der geschlossene Hof geht ungeteilt auf einen einzigen Übernehmer über, die weichenden Erben werden abgefunden.

Am wichtigsten ist in Südtirol die Frage, was überhaupt in den Nachlass fällt. Lebensversicherungen mit Bezugsberechtigung, betriebliche Altersvorsorge und Gemeinschaftskonten gehen häufig am Testament vorbei — und werden nach Trennung oder Wiederheirat fast nie angepasst.

Die gesetzliche Erbfolge ist keine neutrale Voreinstellung. Sie verteilt nach einer Formel, die selten dem entspricht, was ein Paar gewollt hätte, und sie berücksichtigt weder Stiefkinder noch einen Betrieb, der weitergeführt werden muss.

Grenzüberschreitendes Vermögen verkompliziert alles. Eine Ferienwohnung oder ein Konto im Ausland verlangt meist ein eigenes Verfahren dort, und die beiden Rechtsordnungen können sich über das anwendbare Recht uneinig sein.

Als Mitgliedstaat der Europäischen Union richtet sich das auf einen grenzüberschreitenden Nachlass anwendbare Recht hier nach der Verordnung (EU) Nr. 650/2012: Maßgeblich ist der gewöhnliche Aufenthalt, sofern nicht ausdrücklich das Heimatrecht gewählt wurde.

Die wichtigsten Punkte

RechtsgrundlageItalienischer Codice civile; Südtiroler Höfegesetz
PflichtteilFür Ehegatten, Kinder und ersatzweise Eltern
ErbschaftsteuerFreibetrag 1 Mio. € je Kind und Ehegatte, Satz 4 %
Geschlossener HofUngeteilter Übergang auf einen Übernehmer, Abfindung der übrigen Erben
ZweisprachigkeitVerfahren und Urkunden auf Deutsch möglich
ErbschaftsannahmeAusdrücklich oder stillschweigend; Inventarerrichtung möglich

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Die Verfahrenskosten hängen vom Nachlasswert ab und bleiben in der Regel überschaubar. Teuer wird es bei Streit unter Erben und bei Immobilien ohne geklärte Eigentumsverhältnisse. Wo eine Erbschaftsteuer besteht, zählen die Freibeträge mehr als der Steuersatz.

Aktuelle Entwicklungen

Das Höferecht wird regelmäßig angepasst, zuletzt bei der Bewertung der Abfindung; es bleibt der wichtigste Unterschied zum übrigen italienischen Erbrecht.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Beim geschlossenen Hof gilt nicht die freie Teilung: Die Höfekommission wacht über die Unteilbarkeit, und die Abfindung der weichenden Erben folgt eigenen Bewertungsregeln.

Häufige Fragen

Wer erbt ohne Testament?

Die gesetzlichen Erben in der vom Recht vorgesehenen Reihenfolge: Ehegatte und Abkömmlinge zuerst, danach die weiteren Verwandten.

Fallen Lebensversicherungen in den Nachlass?

In der Regel nicht. Sie gehen an die bezugsberechtigte Person und gehen dem Testament vor.

Wie lange dauert die Abwicklung?

Bei unstreitigen Nachlässen meist sechs bis achtzehn Monate, bei Streit oder Auslandsvermögen deutlich länger.

Kann ein Testament angefochten werden?

Ja, wegen Testierunfähigkeit, Willensmängeln oder Formfehlern — und Pflichtteilsberechtigte können ihren Anspruch geltend machen. Die Fristen sind kurz.

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