Die Erbfolge — Liechtenstein

Das Erbrecht folgt dem österreichischen ABGB-Modell mit Pflichtteil, und seit 2011 gibt es keine Erbschaftsteuer mehr.

Übersichtskarte — Liechtenstein — Die Erbfolge
Liechtenstein. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Das liechtensteinische Erbrecht ist dem österreichischen nachgebildet: gesetzliche Erbfolge nach Linien, Pflichtteil für Nachkommen und Ehegatten, Testament in eigenhändiger oder öffentlicher Form. Die Erbschafts- und Schenkungssteuer wurde mit der Steuerreform 2011 abgeschafft. Wegen der Bedeutung von Stiftungen und Trusts im liechtensteinischen Recht wird Vermögen häufig ausserhalb des Nachlasses strukturiert, was eigene Regeln über Pflichtteilsergänzung auslöst.

Am wichtigsten ist in Liechtenstein die Frage, was überhaupt in den Nachlass fällt. Lebensversicherungen mit Bezugsberechtigung, betriebliche Altersvorsorge und Gemeinschaftskonten gehen häufig am Testament vorbei — und werden nach Trennung oder Wiederheirat fast nie angepasst.

Die gesetzliche Erbfolge ist keine neutrale Voreinstellung. Sie verteilt nach einer Formel, die selten dem entspricht, was ein Paar gewollt hätte, und sie berücksichtigt weder Stiefkinder noch einen Betrieb, der weitergeführt werden muss.

Grenzüberschreitendes Vermögen verkompliziert alles. Eine Ferienwohnung oder ein Konto im Ausland verlangt meist ein eigenes Verfahren dort, und die beiden Rechtsordnungen können sich über das anwendbare Recht uneinig sein.

Die wichtigsten Punkte

RechtsgrundlageABGB liechtensteinischer Fassung
PflichtteilFür Nachkommen und Ehegatten
ErbschaftsteuerSeit der Steuerreform 2011 abgeschafft
StiftungenHäufig genutzt; Pflichtteilsergänzung ist zu beachten
TestamentEigenhändig oder öffentlich
VerfahrenVerlassenschaftsverfahren beim Landgericht

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Die Verfahrenskosten hängen vom Nachlasswert ab und bleiben in der Regel überschaubar. Teuer wird es bei Streit unter Erben und bei Immobilien ohne geklärte Eigentumsverhältnisse. Wo eine Erbschaftsteuer besteht, zählen die Freibeträge mehr als der Steuersatz.

Aktuelle Entwicklungen

Die Rechtsprechung zur Pflichtteilsergänzung bei Stiftungsvermögen hat sich in den letzten Jahren gefestigt und ist bei jeder Gestaltung zu berücksichtigen.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Vermögen in einer Stiftung fällt nicht in den Nachlass, kann aber Pflichtteilsergänzungsansprüche auslösen: Die Gestaltung muss diese Ansprüche mitdenken.

Häufige Fragen

Wer erbt ohne Testament?

Die gesetzlichen Erben in der vom Recht vorgesehenen Reihenfolge: Ehegatte und Abkömmlinge zuerst, danach die weiteren Verwandten.

Fallen Lebensversicherungen in den Nachlass?

In der Regel nicht. Sie gehen an die bezugsberechtigte Person und gehen dem Testament vor.

Wie lange dauert die Abwicklung?

Bei unstreitigen Nachlässen meist sechs bis achtzehn Monate, bei Streit oder Auslandsvermögen deutlich länger.

Kann ein Testament angefochten werden?

Ja, wegen Testierunfähigkeit, Willensmängeln oder Formfehlern — und Pflichtteilsberechtigte können ihren Anspruch geltend machen. Die Fristen sind kurz.

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