Güterstand und Erbrecht — Liechtenstein

Gütertrennung nach österreichischem Vorbild, Pflichtteilsrecht und keine Erbschaftssteuer.

Übersichtskarte — Liechtenstein — Güterstand und Erbrecht
Liechtenstein. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Das liechtensteinische Ehe- und Erbrecht folgt weitgehend dem österreichischen ABGB-Modell: Gütertrennung als gesetzlicher Güterstand, Aufteilung des ehelichen Gebrauchsvermögens bei Scheidung, und ein Pflichtteilsrecht der nächsten Angehörigen. Eine Erbschaftssteuer wird nicht erhoben.

Gütertrennung nach österreichischem Vorbild, ein Pflichtteilsrecht für Nachkommen und Ehegatten — und keine Erbschaftssteuer. Liechtenstein ist zudem für seine Stiftungen und Treuhandschaften bekannt, die in der Nachlassplanung eine Rolle spielen können; für ein binationales Paar sind sie allerdings nur sinnvoll, wenn der Wohnsitzstaat des Erben sie anerkennt und nicht als Umgehung behandelt.

Die wichtigsten Punkte

Gesetzlicher GüterstandGütertrennung
Aufteilung bei ScheidungEheliches Gebrauchsvermögen und Ersparnisse
PflichtteilFür Nachkommen und Ehegatten vorgesehen
TestamentEigenhändig oder fremdhändig mit Zeugen
ErbschaftssteuerNicht erhoben
StiftungenLiechtensteinische Stiftungen und Trusts spielen in der Nachlassplanung eine große Rolle
Anlehnung an ÖsterreichDas Erbrecht folgt weitgehend österreichischem Vorbild
Internationale BezügeRechtswahl und Zuständigkeit sind bei Auslandsvermögen zu klären

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Notarielle Verträge und Testamente werden nach Aufwand honoriert. Bei grenzüberschreitenden Vermögen ist eine Beratung in beiden Staaten nötig — sparen Sie daran nicht, die Folgekosten eines Fehlers sind höher.

Aktuelle Entwicklungen

Das Erb- und Güterrecht ist schrittweise modernisiert worden; mit der Eheöffnung 2025 gelten die erbrechtlichen Regeln für alle Ehepaare gleichermaßen.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Wer Vermögen in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich hält, sollte die Testamente aufeinander abstimmen: Eine allgemeine Widerrufsklausel in einem späteren Testament kann die anderen unbeabsichtigt aufheben. Vermögensübertragungen auf Stiftungen können bei der Pflichtteilsberechnung hinzugerechnet werden. Wer damit Pflichtteile umgehen will, riskiert langwierige Prozesse.

Häufige Fragen

Gibt es in Liechtenstein eine Erbschaftssteuer?

Nein. Das macht das Fürstentum für Vermögensübertragungen attraktiv. Entscheidend ist aber der Wohnsitz der beteiligten Personen: Lebt der Erbe in Deutschland oder Österreich, kann dort Steuer anfallen, unabhängig davon, wo der Nachlass liegt.

Welches Erbrecht gilt bei einem binationalen Paar?

Im EU-Raum gilt die Europäische Erbrechtsverordnung: Maßgeblich ist das Recht des Staates, in dem die verstorbene Person ihren letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte — nicht ihre Staatsangehörigkeit. Sie können aber im Testament das Recht Ihres Heimatstaats wählen. Für Länder außerhalb der EU gelten eigene Kollisionsregeln; lassen Sie sich notariell beraten, bevor Sie ein Testament aufsetzen.

Offizielle Quellen und Links

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