Die Rechtsgrundlage
Belgien hat die Ehe 2003 geöffnet, ein Jahr nach den Niederlanden, und die Adoption 2006. Seit 2015 gilt die Mitmutterschaft: Die Ehefrau oder gesetzlich zusammenwohnende Partnerin der Gebärenden wird ohne Adoption als zweite Mutter anerkannt, sofern das Kind durch medizinisch unterstützte Fortpflanzung gezeugt wurde. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfolgen Beratung und Begleitung auf Deutsch.
Belgien ging schnell und über das Parlament: drei Jahre zwischen der gesetzlichen Zusammenwohnung von 2000 und der Eheöffnung 2003. Die Adoption wurde bewusst ausgeklammert, um eine Mehrheit zu erreichen, und drei Jahre später nachgeholt — ein Beispiel für den schrittweisen parlamentarischen Weg.
Die wichtigsten Punkte
| Ehe | Geöffnet seit dem 1. Juni 2003 |
|---|---|
| Adoption | Gemeinsam und als Stiefkindadoption seit 2006 |
| Mitmutterschaft | Automatische Anerkennung der zweiten Mutter seit 2015 |
| Fortpflanzungsmedizin | Für Frauenpaare zugänglich und erstattet |
| Leihmutterschaft | Weder verboten noch geregelt |
| Konversionspraktiken | Seit 2023 verboten |
| Diskriminierung | Bundesgesetz von 2007; Unia nimmt Meldungen entgegen |
In der Praxis
- Für die Mitmutterschaft ist eine dokumentierte Behandlung erforderlich: Bewahren Sie die Bescheinigungen des Zentrums auf.
- Belgien kann auch Ausländer trauen, deren Heimatrecht dies verbietet, sofern ein Wohnsitzbezug besteht.
- In der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind Standesamt und Beratung deutschsprachig.
- Eine belgische Ehe wird in der gesamten EU anerkannt.
Kosten und Übernahme
Die Trauung bei der Gemeinde ist kostenlos oder kostet wenige Dutzend Euro. Die Fortpflanzungsmedizin wird im Rahmen des allgemeinen Erstattungssystems getragen.
Aktuelle Entwicklungen
Das Verbot von Konversionspraktiken ist 2023 in Kraft getreten und ergänzt einen der weitreichendsten Schutzrahmen Europas.
Anlaufstellen
- Gemeindeverwaltung des Wohnsitzes.
- Unia, für Diskriminierungen; in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit eigener Anlaufstelle.
- Zugelassene Zentren für Fortpflanzungsmedizin.
Gut zu wissen
Die Leihmutterschaft ist weder verboten noch gesetzlich geregelt: Diese Lücke erzeugt echte Unsicherheit über die Abstammung, besonders wenn ein Elternteil Ausländer ist.
Häufige Fragen
Was bedeutet Mitmutterschaft?
Dass die Ehefrau oder gesetzlich zusammenwohnende Partnerin der Gebärenden ohne Adoption Mutter des Kindes wird, wenn es durch medizinisch unterstützte Fortpflanzung gezeugt wurde. Die Anerkennung erfolgt bei der Gemeinde, wie bei einem Vater.
Kann man aus dem Ausland in Belgien heiraten?
Ja, sofern mindestens eine der beiden Personen einen Wohnsitzbezug zur Gemeinde hat. Das belgische Recht erlaubt es, das Heimatrecht einer ausländischen Person beiseitezulassen, wenn es die gleichgeschlechtliche Ehe verbietet.
Offizielle Quellen und Links
- belgium.be — amtliches Portal der föderalen Dienste, auch auf Deutsch
- Ostbelgien Live — Portal der Deutschsprachigen Gemeinschaft
