Recht am eigenen Bild — Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft)

Belgien verlangt eine doppelte Einwilligung: einmal für die Aufnahme und noch einmal für die Veröffentlichung.

Übersichtskarte — Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft) — Recht am eigenen Bild
Belgien (Deutschsprachige Gemeinschaft). Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Das belgische Recht trennt klar zwischen dem Recht, aufgenommen zu werden, und dem Recht, veröffentlicht zu werden. Beides erfordert eine eigene Einwilligung. Das Wirtschaftsgesetzbuch regelt das Bildnisrecht, das Strafgesetzbuch erfasst Voyeurismus und die Verbreitung intimer Aufnahmen ohne Einwilligung.

Belgien verlangt eine doppelte Einwilligung: einmal für die Aufnahme selbst und noch einmal für jede Veröffentlichung. Wer zugestimmt hat, fotografiert zu werden, hat damit nicht der Verbreitung zugestimmt. Diese Trennung ist strenger als in den meisten Nachbarländern und in Streitfällen das entscheidende Argument.

Als Mitgliedstaat der Europäischen Union ist das Foto einer Person auch hier ein personenbezogenes Datum im Sinne der DSGVO, und die Entfernung rechtswidriger Inhalte folgt dem Verfahren der Verordnung (EU) 2022/2065 über digitale Dienste.

Die wichtigsten Punkte

Doppelte EinwilligungGetrennt für Aufnahme und für Veröffentlichung
Gesetzliche GrundlageWirtschaftsgesetzbuch, Buch XI
StrafrechtVoyeurismus und Verbreitung intimer Bilder seit 2016 ausdrücklich strafbar
AusnahmenAktuelle Ereignisse, öffentliche Personen in Ausübung ihrer Funktion
DatenschutzDSGVO für identifizierbare Bilder
KinderEinwilligung beider Elternteile
Zwei EinwilligungenGetrennt für Aufnahme und Veröffentlichung – der Kern des belgischen Bildnisrechts
WiderrufMöglich; die weitere Verbreitung wird dadurch unzulässig
Child FocusMeldestelle bei Bildern von Minderjährigen

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Plattformmeldungen und Beschwerden bei der Datenschutzbehörde sind kostenlos. Eilverfahren vor Gericht verursachen Kosten; bei geringem Einkommen greift die juristische Zweitlinienhilfe.

Aktuelle Entwicklungen

Die Verbreitung intimer Aufnahmen ohne Einwilligung ist eigenständig unter Strafe gestellt worden, und Plattformen unterliegen den Melde- und Beschwerdepflichten des Digital Services Act.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Eine Einwilligung in die Aufnahme deckt die Veröffentlichung nicht ab. Diese Trennung ist der Kern des belgischen Bildnisrechts und wird von Gerichten konsequent angewendet. Ältere Kinder müssen der Veröffentlichung zusätzlich selbst zustimmen. Die Einwilligung der Eltern allein genügt bei Jugendlichen nicht mehr.

Häufige Fragen

Was bedeutet doppelte Einwilligung konkret?

Dass Sie zweimal fragen müssen: vor der Aufnahme und vor der Veröffentlichung. Eine allgemeine Zustimmung „zu Fotos“ genügt nicht; sie muss den konkreten Verwendungszusammenhang erfassen. Die Einwilligung kann für die Zukunft widerrufen werden.

Wie bekommt man ein Bild aus dem Netz?

Zuerst bei der Plattform melden — das geht am schnellsten und ist kostenlos; halten Sie Bildschirmfotos mit URL und Datum fest, bevor Sie melden. Parallel die verbreitende Person schriftlich zur Löschung auffordern, mit Frist. Bleibt das erfolglos, folgen die Unterlassungsklage im Eilverfahren und, bei intimen Aufnahmen, die Strafanzeige. Suchmaschinen entfernen Treffer auf gesonderten Antrag.

Offizielle Quellen und Links

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