Die Rechtsgrundlage
Namibia folgt dem südafrikanisch geprägten römisch-holländischen Recht: weitgehende Testierfreiheit, ergänzt durch Unterhaltsansprüche des überlebenden Ehegatten und minderjähriger Kinder. Bei gesetzlicher Erbfolge greift die Intestate Succession Ordinance. Der High Court erklärte 2007 in Frans v Paschke die Regelung für verfassungswidrig, die außerehelich geborenen Kindern die Erbfolge nach dem Vater versagte. Nachlässe werden vom Master of the High Court beaufsichtigt.
Am wichtigsten ist in Namibia die Frage, was überhaupt in den Nachlass fällt. Lebensversicherungen mit Bezugsberechtigung, betriebliche Altersvorsorge und Gemeinschaftskonten gehen häufig am Testament vorbei — und werden nach Trennung oder Wiederheirat fast nie angepasst.
Die gesetzliche Erbfolge ist keine neutrale Voreinstellung. Sie verteilt nach einer Formel, die selten dem entspricht, was ein Paar gewollt hätte, und sie berücksichtigt weder Stiefkinder noch einen Betrieb, der weitergeführt werden muss.
Grenzüberschreitendes Vermögen verkompliziert alles. Eine Ferienwohnung oder ein Konto im Ausland verlangt meist ein eigenes Verfahren dort, und die beiden Rechtsordnungen können sich über das anwendbare Recht uneinig sein.
Die wichtigsten Punkte
| Rechtsgrundlage | Intestate Succession Ordinance; Administration of Estates Act |
|---|---|
| Testierfreiheit | Weitgehend, begrenzt durch Unterhaltsansprüche |
| Außereheliche Kinder | Gleichgestellt seit Frans v Paschke (2007) |
| Aufsicht | Master of the High Court über jede Nachlassabwicklung |
| Gewohnheitsrecht | Für bestimmte Nachlässe weiterhin von Bedeutung |
| Erbschaftsteuer | Keine allgemeine Erbschaftsteuer |
In der Praxis
- Den Todesfall bei der zuständigen Behörde anzeigen und die Sterbeurkunde beschaffen.
- Nach einem Testament suchen und das zuständige Register abfragen lassen.
- Über Annahme oder Ausschlagung innerhalb der gesetzlichen Frist entscheiden.
- Den Nachlass inventarisieren, Schulden feststellen und vor jeder Verteilung begleichen.
- Die erforderlichen Nachweise beantragen, damit Banken und Grundbuch die Übertragung vornehmen.
Kosten und Übernahme
Die Verfahrenskosten hängen vom Nachlasswert ab und bleiben in der Regel überschaubar. Teuer wird es bei Streit unter Erben und bei Immobilien ohne geklärte Eigentumsverhältnisse. Wo eine Erbschaftsteuer besteht, zählen die Freibeträge mehr als der Steuersatz.
Aktuelle Entwicklungen
Die Gerichte haben nacheinander die Bestimmungen beseitigt, die Frauen und außerehelich geborene Kinder benachteiligten; die Umsetzung in ländlichen Gebieten bleibt die Aufgabe.
Anlaufstellen
- Zuständiges Nachlassgericht oder zuständige Behörde
- Notariat, für Testament, Erbvertrag und Nachlassabwicklung
- Testamentsregister des jeweiligen Staates
- Finanzverwaltung, soweit Steuern anfallen
- Grundbuchamt oder Katasterbehörde, für die Übertragung von Immobilien
Gut zu wissen
Jeder Nachlass ab einem geringen Wert ist beim Master of the High Court anzumelden; ohne Anmeldung bleiben Konten und Grundstücke blockiert.
Häufige Fragen
Wer erbt ohne Testament?
Die gesetzlichen Erben in der vom Recht vorgesehenen Reihenfolge: Ehegatte und Abkömmlinge zuerst, danach die weiteren Verwandten.
Fallen Lebensversicherungen in den Nachlass?
In der Regel nicht. Sie gehen an die bezugsberechtigte Person und gehen dem Testament vor.
Wie lange dauert die Abwicklung?
Bei unstreitigen Nachlässen meist sechs bis achtzehn Monate, bei Streit oder Auslandsvermögen deutlich länger.
Kann ein Testament angefochten werden?
Ja, wegen Testierunfähigkeit, Willensmängeln oder Formfehlern — und Pflichtteilsberechtigte können ihren Anspruch geltend machen. Die Fristen sind kurz.
Offizielle Quellen und Links
- UN-Menschenrechtsbüro — ratifizierte Verträge und Länderprüfungen
