Güterstand und Erbrecht — Österreich

Gütertrennung als gesetzlicher Güterstand, Pflichtteil seit 2017 modernisiert — und keine Erbschaftssteuer.

Übersichtskarte — Österreich — Güterstand und Erbrecht
Österreich. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

In Österreich ist die Gütertrennung der gesetzliche Güterstand: Während der Ehe bleibt alles getrennt, auch die Schulden. Erst bei Scheidung werden eheliches Gebrauchsvermögen und Ersparnisse nach Billigkeit aufgeteilt. Das Erbrechts-Änderungsgesetz, in Kraft seit 2017, hat das Pflichtteilsrecht reformiert.

Österreich kennt die Gütertrennung als gesetzlichen Güterstand: Was jedem gehört, bleibt seins, auch während der Ehe. Aufgeteilt wird bei der Scheidung nur das eheliche Gebrauchsvermögen und die Ersparnisse. Eine Besonderheit, die für Paare mit Vermögen zählt: Österreich erhebt keine Erbschafts- und Schenkungssteuer — wohl aber die Grunderwerbsteuer bei Immobilienübertragungen.

Als Mitgliedstaat der Europäischen Union, der an der Verstärkten Zusammenarbeit teilnimmt, richtet sich das auf den Güterstand internationaler Paare anwendbare Recht hier nach der Verordnung (EU) 2016/1103.

Die wichtigsten Punkte

Gesetzlicher GüterstandGütertrennung
Aufteilung bei ScheidungEheliches Gebrauchsvermögen und Ersparnisse nach Billigkeit
Erbteil des EhegattenEin Drittel neben Kindern
PflichtteilHälfte des gesetzlichen Erbteils; Eltern sind seit 2017 nicht mehr pflichtteilsberechtigt
StundungDer Pflichtteil kann auf bis zu fünf Jahre gestundet werden
LebensgefährtenAußerordentliches Erbrecht und befristetes Wohnrecht
ErbschaftssteuerSeit 2008 abgeschafft; bei Immobilien fällt Grunderwerbsteuer an
Aufteilung nach BilligkeitNicht hälftig, sondern nach Beiträgen und Umständen des Einzelfalls
UnternehmenBetriebsvermögen bleibt grundsätzlich von der Aufteilung ausgenommen
PflichtteilsminderungBei fehlendem Naheverhältnis kann der Pflichtteil halbiert werden
VerlassenschaftsverfahrenLäuft zwingend über den Gerichtskommissär, also einen Notar

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Ein notarieller Ehevertrag kostet nach Geschäftswert. Ein eigenhändiges Testament ist kostenlos; die Hinterlegung im Zentralen Testamentsregister ist günstig und verhindert, dass es später nicht gefunden wird.

Aktuelle Entwicklungen

Die Erbrechtsreform von 2017 hat den Kreis der Pflichtteilsberechtigten verkleinert, die Stundung des Pflichtteils ermöglicht und das außerordentliche Erbrecht von Lebensgefährten eingeführt.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Weil Gütertrennung gilt, profitiert der weniger verdienende Ehegatte nicht automatisch vom Vermögenszuwachs. Wer das ändern will, braucht einen Ehepakt. Die Verlassenschaft wird in Österreich nicht automatisch übertragen: Erst die Einantwortung durch das Gericht macht die Erben zu Eigentümern – bis dahin sind Verfügungen unwirksam.

Häufige Fragen

Zahlt man in Österreich Erbschaftssteuer?

Nein, sie wurde 2008 abgeschafft. Bei der Übertragung von Immobilien fällt jedoch Grunderwerbsteuer nach einem gestaffelten Satz an, und Schenkungen über bestimmten Beträgen sind meldepflichtig. Die Meldepflicht zu versäumen kann teuer werden.

Welches Erbrecht gilt bei einem binationalen Paar?

Im EU-Raum gilt die Europäische Erbrechtsverordnung: Maßgeblich ist das Recht des Staates, in dem die verstorbene Person ihren letzten gewöhnlichen Aufenthalt hatte — nicht ihre Staatsangehörigkeit. Sie können aber im Testament das Recht Ihres Heimatstaats wählen. Für Länder außerhalb der EU gelten eigene Kollisionsregeln; lassen Sie sich notariell beraten, bevor Sie ein Testament aufsetzen.

Offizielle Quellen und Links

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