Die Rechtsgrundlage
In Südtirol gilt italienisches Recht; nach Artikel 99 des Autonomiestatuts ist Deutsch der italienischen Sprache gleichgestellt. Das italienische Strafgesetzbuch kennt mit der Personenverwechslung einen eigenen Tatbestand: Wer sich zu Unrecht einen falschen Namen, Status oder eine falsche Eigenschaft beilegt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, macht sich strafbar. Hinzu kommen der Computerbetrug und die Fälschung digitaler Dokumente. Zuständig für Onlinefälle ist die Postpolizei.
Der italienische Tatbestand der Personenverwechslung ist alt — er stammt aus dem Strafgesetzbuch von 1930 — und zugleich weit gefasst: Wer sich einen falschen Namen, Status oder eine falsche Eigenschaft zulegt, um sich oder anderen einen Vorteil zu verschaffen, macht sich strafbar. Er passt deshalb auf viele Onlinefälle, ohne dafür geschaffen worden zu sein. Zuständig ist die Postpolizei.
Als Mitgliedstaat der Europäischen Union setzt dieses Land mit der Strafbarkeit des rechtswidrigen Zugangs zu Informationssystemen die Richtlinie 2013/40/EU um; die Ahndung von Fake-Profilen bleibt dagegen nationales Recht.
Die wichtigsten Punkte
| Personenverwechslung | Eigener Straftatbestand, auch für gefälschte Onlineprofile |
|---|---|
| Computerbetrug | Erfasst missbräuchliche Transaktionen |
| Postpolizei | Spezialdienststelle für Onlinedelikte, Anzeige auch online möglich |
| Bank | Nicht autorisierte Zahlungen sind nach den europäischen Zahlungsdienstregeln zu erstatten |
| Kreditauskunft | Zentrale Risikodatenbank und private Auskunfteien geben kostenlos Auskunft |
| Identitätskarte | Verlust bei Gemeinde und Polizei melden |
In der Praxis
- Zuerst das E-Mail-Konto sichern, dann Karten sperren, dann Anzeige erstatten.
- Anzeige bei der Postpolizei erstatten und die Kopie aufbewahren: Alle Stellen verlangen sie.
- Kreditauskunft einholen und jeden unbekannten Eintrag schriftlich bestreiten.
- Der Bank schriftlich widersprechen – und die Frist für die Rückerstattung beachten.
Kosten und Übernahme
Anzeige und Datenschutzbeschwerde sind kostenlos. Bei geringem Einkommen übernimmt der Staat über das patrocinio a spese dello Stato die Anwaltskosten. Die Verbraucherzentrale Südtirol berät zweisprachig und kostengünstig.
Aktuelle Entwicklungen
Die Postpolizei hat die Online-Anzeige erweitert, und die italienische Datenschutzbehörde geht verstärkt gegen Unternehmen vor, die Verträge ohne ausreichende Identitätsprüfung abschließen.
Anlaufstellen
- Postpolizei Bozen.
- Verbraucherzentrale Südtirol für die Abwicklung mit Banken.
- Garante per la protezione dei dati personali bei Datenpannen.
Gut zu wissen
Bei nicht autorisierten Zahlungen gilt eine kurze Rügefrist. Widersprechen Sie schriftlich, sobald Sie die Abbuchung sehen, auch wenn die Sache noch unklar ist.
Häufige Fragen
Passt der alte Tatbestand auf Onlinefälle?
Ja, die Rechtsprechung wendet ihn regelmäßig auf gefälschte Profile und Kontoübernahmen an — er verlangt keinen Vermögensschaden, sondern nur den Vorteils- oder Schädigungszweck. Ergänzend kommen Betrug und Computerdelikte in Betracht.
Was tut man in den ersten Stunden?
Bank und Kartenherausgeber anrufen und sperren lassen, Passwörter der betroffenen Konten ändern und die Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren, Bildschirmfotos aller Beweise sichern, Anzeige erstatten und eine Kopie der Anzeige aufbewahren. Diese Kopie brauchen Sie später gegenüber Banken, Inkassobüros und Plattformen — ohne sie werden Forderungen nicht storniert.
Offizielle Quellen und Links
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol — amtliches Landesportal, deutsch und italienisch
- Landesinstitut für Statistik ASTAT — Landesstatistiken
