Der Kontext
Wie bei Thailand ist die Verteilung stark einseitig — in rund 95 % der Ehen mit deutschen Staatsangehörigen ist die philippinische Person die Frau — und ein erheblicher Teil der Beziehungen entsteht online. Die Philippinen haben zudem eine sehr große Diaspora, sodass viele Paare sich in einem dritten Land begegnen.
Einreise
Philippinische Staatsangehörige benötigen ein Schengen-Visum, meist mit Verpflichtungserklärung der einladenden Person. Die Bearbeitungszeiten schwanken erheblich.
Heiraten und anerkennen lassen
Die entscheidende Besonderheit: Es gibt keine Scheidung. Die Philippinen sind praktisch der einzige Staat ohne allgemeines Scheidungsrecht — Gesetzentwürfe liegen seit Jahren vor, sind aber nicht in Kraft. Wer dort verheiratet war, kann die Ehe nur über eine Nichtigerklärung (annulment) beenden, ein langes, teures Gerichtsverfahren mit engen Gründen. Für muslimische Filipinos gilt ein eigenes Recht.
Eine Ausnahme ist wichtig: Wenn die ausländische Ehegattin oder der ausländische Ehegatte im Ausland wirksam geschieden wird, kann die philippinische Person nach Art. 26 des Family Code die Anerkennung dieser Scheidung erwirken und wieder heiraten — auch das erfordert ein Gerichtsverfahren auf den Philippinen. Klären Sie diesen Punkt vor allem anderen: Ohne ihn ist eine zweite Ehe nicht möglich.
Die Urkunden. Die Philippinen sind dem Haager Apostille-Übereinkommen zwar beigetreten, Deutschland hat gegen diesen Beitritt jedoch Einspruch erhoben: Zwischen beiden Staaten gilt das Übereinkommen nicht. Philippinische Urkunden brauchen deshalb die volle Legalisation durch die deutsche Botschaft in Manila, in der Regel nach vorheriger Überprüfung. Das dauert. Der Ledigennachweis heißt dort CENOMAR und wird von der PSA ausgestellt; ein Ehefähigkeitszeugnis in deutscher Form gibt es nicht, sodass die Befreiung durch das Oberlandesgericht nötig wird.
Die Kette ist immer dieselbe: Anmeldung der Eheschließung beim Standesamt des Wohnorts, Vorlage der Urkunden in beglaubigter Übersetzung mit Apostille oder Legalisation, dann entweder das Ehefähigkeitszeugnis des Heimatstaats der ausländischen Person oder, wenn dieser Staat keines ausstellt, die Befreiung nach § 1309 Abs. 2 BGB durch die Präsidentin oder den Präsidenten des Oberlandesgerichts. Der Antrag läuft über das Standesamt; die Bearbeitung dauert in der Regel drei bis sechs Wochen, deutlich länger, wenn zuvor eine im Ausland geschiedene Ehe anerkannt werden muss.
Hinkommen
Keine Direktflüge ab Deutschland; Umstieg in Doha, Dubai, Istanbul oder Singapur, rund 16 bis 20 Stunden Reisezeit. Trockenzeit von Dezember bis Mai, Taifunsaison im Sommer und Herbst. Inlandsflüge sind zahlreich und günstig, die Inselstruktur macht die Wege dennoch lang.
Bräuche und Familie
Stark katholisch geprägt, mit einer großen Rolle der Großfamilie und der Paten. Die finanzielle Unterstützung der Familie durch das im Ausland lebende Kind ist die Norm und wird vorausgesetzt — über die Höhe sollte früh gesprochen werden, nicht nach der Hochzeit.
Worauf zu achten ist
- Der Familienstand ist der kritische Punkt. Lassen Sie sich den CENOMAR zeigen, bevor Sie irgendetwas planen.
- Agenturen und Vorkasse. Dieselben Warnzeichen wie überall; Beratungsstellen warnen seit Langem vor Abhängigkeit und Menschenhandel.
- Die Abhängigkeit nach dem Zuzug ist dieselbe wie in allen Nicht-EU-Fällen: In den ersten Jahren hängt der Aufenthalt am Bestehen der Ehe.
Zwei absolute Verbote, wo immer Sie leben
Sexttourismus und jede Beziehung mit einer minderjährigen Person sind hier wie überall strafbar, und das Recht Ihres eigenen Landes folgt Ihnen ins Ausland. Bei Sexualstraftaten an Kindern verzichten nahezu alle Staaten auf die beiderseitige Strafbarkeit und auf einen Strafantrag: Sie können zu Hause verfolgt und verurteilt werden, gleich was das Recht vor Ort sagt. Siehe Sexualstraftaten im Ausland.
Wenn Sie sich online kennengelernt haben
Die Warnzeichen sind überall dieselben: eine sehr schnelle Steigerung, die Weigerung zu videotelefonieren, eine Geldbitte mit dringendem Anlass, Drängen, die Plattform zu verlassen. Man schickt keiner Person Geld, der man nie persönlich begegnet ist. Siehe Liebesbetrug.
Quellen und Anlaufstellen
- Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts — vor jeder Abreise lesen; sie bedingen auch Ihre Reiseversicherung. Amtliche Portale: Deutschland · Österreich · Schweiz
- Die deutsche Botschaft oder das Generalkonsulat vor Ort — Urkunden, Eheschließung, Notfälle; die Nummer vor der Abreise notieren. Amtliche Verzeichnisse: Deutschland · Österreich · Schweiz
- Ihr Standesamt — es nimmt den Befreiungsantrag entgegen und sagt Ihnen, welche Urkunden in welcher Form verlangt werden
- Auswärtiges Amt — internationaler Urkundenverkehr
