Der Kontext
Brasilien gehört zu den Ländern, aus denen regelmäßig Ehepartnerinnen und Ehepartner deutscher Staatsangehöriger kommen, und die Beziehungen beginnen häufiger als anderswo in Deutschland selbst — über Studium, Arbeit oder die brasilianische Gemeinschaft in den großen Städten.
Einreise
Brasilianische Staatsangehörige können für Kurzaufenthalte bis 90 Tage je 180 Tage visumfrei in den Schengen-Raum einreisen; das gilt umgekehrt ebenso für deutsche Staatsangehörige nach Brasilien. Das nimmt dem Kennenlernen die größte Hürde — nicht aber dem Zusammenziehen, für das ein Aufenthaltstitel nötig bleibt.
Heiraten und anerkennen lassen
In Brasilien beurkundet das Cartório de Registro Civil die Ehe, nach einem Aufgebot (habilitação) mit Zeugen. Brasilien ist Vertragsstaat des Haager Apostille-Übereinkommens: Urkunden werden in der Regel mit Apostille und beglaubigter Übersetzung vorgelegt — lassen Sie sich das Vorgehen vom Standesamt bestätigen, bevor Sie Dokumente beschaffen. Für die Heirat in Deutschland gilt die übliche Kette; ein Ehefähigkeitszeugnis in deutscher Form ist nicht immer erhältlich, sodass die Befreiung durch das Oberlandesgericht in Betracht kommt.
Die Kette ist immer dieselbe: Anmeldung der Eheschließung beim Standesamt des Wohnorts, Vorlage der Urkunden in beglaubigter Übersetzung mit Apostille oder Legalisation, dann entweder das Ehefähigkeitszeugnis des Heimatstaats der ausländischen Person oder, wenn dieser Staat keines ausstellt, die Befreiung nach § 1309 Abs. 2 BGB durch die Präsidentin oder den Präsidenten des Oberlandesgerichts. Der Antrag läuft über das Standesamt; die Bearbeitung dauert in der Regel drei bis sechs Wochen, deutlich länger, wenn zuvor eine im Ausland geschiedene Ehe anerkannt werden muss.
Hinkommen
Direktflüge nach São Paulo und Rio ab Frankfurt, sonst Umstieg; rund zwölf Stunden reine Flugzeit. Die Jahreszeiten sind umgekehrt, die Entfernungen im Land sind kontinental — von Recife nach Porto Alegre ist es weiter als von Lissabon nach Moskau.
Bräuche und Familie
Die Familie ist groß und nah, die Hochzeit ausgiebig, und der Kontakt ist körperlicher und direkter, als es deutsche Gepflogenheiten erwarten lassen. Die Vorstellung bei der Familie erfolgt früh und gilt nicht als großer Schritt.
Worauf zu achten ist
- Sicherheitslage: Die Reisehinweise des Auswärtigen Amts sind für einzelne Städte und Viertel sehr konkret — lesen Sie sie vor der Buchung, nicht danach.
- Urkunden aus kleineren Cartórios brauchen Zeit und sind nicht immer digital verfügbar.
- Beim Zuzug nach Deutschland gelten die üblichen Anforderungen des Ehegattennachzugs, einschließlich der Sprachkenntnisse auf Niveau A1 mit den gesetzlichen Ausnahmen.
Zwei absolute Verbote, wo immer Sie leben
Sexttourismus und jede Beziehung mit einer minderjährigen Person sind hier wie überall strafbar, und das Recht Ihres eigenen Landes folgt Ihnen ins Ausland. Bei Sexualstraftaten an Kindern verzichten nahezu alle Staaten auf die beiderseitige Strafbarkeit und auf einen Strafantrag: Sie können zu Hause verfolgt und verurteilt werden, gleich was das Recht vor Ort sagt. Siehe Sexualstraftaten im Ausland.
Wenn Sie sich online kennengelernt haben
Die Warnzeichen sind überall dieselben: eine sehr schnelle Steigerung, die Weigerung zu videotelefonieren, eine Geldbitte mit dringendem Anlass, Drängen, die Plattform zu verlassen. Man schickt keiner Person Geld, der man nie persönlich begegnet ist. Siehe Liebesbetrug.
Quellen und Anlaufstellen
- Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts — vor jeder Abreise lesen; sie bedingen auch Ihre Reiseversicherung. Amtliche Portale: Deutschland · Österreich · Schweiz
- Die deutsche Botschaft oder das Generalkonsulat vor Ort — Urkunden, Eheschließung, Notfälle; die Nummer vor der Abreise notieren. Amtliche Verzeichnisse: Deutschland · Österreich · Schweiz
- Ihr Standesamt — es nimmt den Befreiungsantrag entgegen und sagt Ihnen, welche Urkunden in welcher Form verlangt werden
- Auswärtiges Amt — internationaler Urkundenverkehr
