Der Titel und seine Regelung
Die Schweiz schützt das Wort „Sexologe“ nicht. Geschützt sind der Titel Psychologin und die Tätigkeit als Psychotherapeutin durch das Psychologieberufegesetz sowie die ärztliche Tätigkeit durch das Medizinalberufegesetz. Sexualtherapie wird also unter dem Grundberuf ausgeübt — Ärztin, psychologische Psychotherapeutin, Hebamme, Physiotherapeut, Pflegefachperson — oder als nicht reglementierte Therapie im Rahmen der Wirtschaftsfreiheit.
Die Schweizerische Gesellschaft für Sexologie (SSS) vergibt den privaten Titel „Spezialist/Spezialistin in Sexologie SSS“ nach einem anerkannten Curriculum, 45 Stunden Supervision und Selbsterfahrung, mit Fortbildungspflicht; ihre Ausbildenden müssen die europäischen Zertifikate FECSM oder ECPS tragen. Hochschulseitig gibt es Weiterbildungszertifikate in klinischer Sexologie, in der Romandie an der Universität Genf mit dem Universitätsspital; in der Deutschschweiz bildet das Zürcher Institut für klinische Sexologie und Sexualtherapie (ZISS) aus. Der Verband der Psychologinnen und Psychologen in klinischer Sexologie bündelt die Psychologen des Feldes.
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt ärztliche Behandlung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Seit dem 1. Juli 2022 übernimmt sie auch psychologische Psychotherapie auf ärztliche Anordnung — das Anordnungsmodell: fünfzehn Sitzungen je Anordnung, verlängerbar, mit Bericht an den Vertrauensarzt nach dreißig Sitzungen. Eine Sexualtherapeutin, die eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin ist, kann also auf Anordnung abrechnen, sofern eine anerkannte Störung behandelt wird.
Wer weder Ärztin noch Psychotherapeutin ist, wird von der Grundversicherung nie bezahlt. Manche Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Sitzungen bei Therapeutinnen mit ASCA- oder EMR-Registrierung, je nach Police. Eine Sitzung kostet üblicherweise 120 bis 200 Franken.
Die wichtigsten Punkte
| Titel Sexologe | Nicht geschützt; geschützt: Arzt, Psychologin, Psychotherapeutin |
|---|---|
| Privater Referenztitel | Spezialist in Sexologie SSS: anerkanntes Curriculum, Supervision, Fortbildungspflicht |
| Ausbildung | Hochschulzertifikate in klinischer Sexologie (Genf); ZISS in Zürich |
| Grundversicherung, Ärzte | Übernommen, abzüglich Franchise und Selbstbehalt |
| Grundversicherung, psychologische Psychotherapie | Auf ärztliche Anordnung seit Juli 2022 (15 Sitzungen je Anordnung, verlängerbar) |
| Sexologin ohne Arzt- oder Psychotherapeutenstatus | Nie Grundversicherung; Zusatzversicherung bei ASCA- oder EMR-Registrierung möglich |
| Üblicher Preis | 120 bis 200 Franken je Sitzung |
In der Praxis
- Suchen Sie die Person in der Spezialistenliste der SSS: Sie zeigt Grundberuf und Titel.
- Für die Grundversicherung führt der Weg über die Hausärztin, die eine Psychotherapie bei einer anerkannten Psychotherapeutin anordnet oder an eine sexualmedizinische Sprechstunde überweist.
- Bei nichtärztlichen Sexologinnen nach der ASCA- oder EMR-Nummer fragen und die Zusatzversicherung nach dem Betrag.
- Die Universitätsspitäler (Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne) haben sexualmedizinische Sprechstunden mit Zuweisung.
Kosten und Erstattung
Ärztlich: Grundversicherung, Franchise und Selbstbehalt selbst. Angeordnete Psychotherapie: ebenso. Sexologin ohne diese Status: 120 bis 200 Franken je Sitzung, selbst zu zahlen, sofern keine Zusatzversicherung greift.
Was sich zuletzt geändert hat
Das Anordnungsmodell hat am 1. Juli 2022 das Delegationsmodell abgelöst: Psychologische Psychotherapeutinnen rechnen selbst mit der Kasse ab, auf ärztliche Anordnung. Psychologen ohne eidgenössischen Weiterbildungstitel in Psychotherapie sind nicht erfasst.
Anlaufstellen
- Schweizerische Gesellschaft für Sexologie (SSS): Liste der zertifizierten Spezialistinnen.
- Zürcher Institut für klinische Sexologie und Sexualtherapie (ZISS).
- Stiftung ASCA und Erfahrungsmedizinisches Register (EMR): von Zusatzversicherungen anerkannte Therapeuten.
- Kantonale Fachstellen für sexuelle Gesundheit: Beratung zu reduzierten Tarifen.
- Sexualmedizinische Sprechstunden der Universitätsspitäler.
Gut zu wissen
Ein CAS oder ein „Diplom“ in Sexologie verleiht für sich allein keinen Spezialistentitel: Die SSS verlangt zusätzlich supervidierte Praxis. Und kein sexologischer Titel öffnet die Grundversicherung — nur der Status als Ärztin oder Psychotherapeut.
Häufige Fragen
Zahlt die Grundversicherung Sexualtherapie?
Nur bei Ärzten oder bei anerkannten psychologischen Psychotherapeutinnen auf ärztliche Anordnung. Sonst selbst zu zahlen, allenfalls teilweise über eine Zusatzversicherung.
Was ist der Titel Spezialistin SSS wert?
Er ist privat, aber anspruchsvoll: anerkanntes Curriculum, 45 Stunden Supervision, Fortbildungspflicht. Rechtlich bedeutet er nichts; praktisch ist er der beste Anhaltspunkt in der Schweiz.
Wie viele Sitzungen deckt eine Anordnung?
Fünfzehn, einmal formlos verlängerbar; nach dreißig Sitzungen braucht es einen Bericht an den Vertrauensarzt der Kasse.
Offizielle Quellen und Links
- Schweizerische Gesellschaft für Sexologie (SSS) — Liste der zertifizierten Spezialistinnen und Spezialisten
- Bundesamt für Gesundheit — psychologische Psychotherapie — Anordnungsmodell seit Juli 2022
- ch.ch — amtliches Portal von Bund, Kantonen und Gemeinden
- Fedlex — Sammlung des Bundesrechts
