Zwei sehr verschiedene Lagen
Der medizinische Fertilitätserhalt geht einer Behandlung voraus, die die Fruchtbarkeit zerstört — Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, Transition. Er wird überall angeboten und meist erstattet. Der vorsorgliche Erhalt ohne medizinischen Grund ist nur in manchen Ländern erlaubt, selten erstattet, und sein Ergebnis hängt vollständig vom Alter ab.
Samenkryokonservierung
Einfach, schnell, günstig: ein bis drei Proben, eine Analyse, Lagerung in flüssigem Stickstoff. Sie muss vor jeder gonadotoxischen Therapie angeboten werden, auch bei Jugendlichen. Ist keine Probe möglich, findet eine operative Hodenbiopsie mitunter Spermien für eine spätere ICSI.
Eizellvitrifikation
Der Weg ist die erste Hälfte eines IVF-Zyklus: Stimulation, Kontrolle, Punktion — ohne Befruchtung. Reife Eizellen werden einzeln vitrifiziert.
Das Alter ist der einzige Faktor, der wirklich zählt. Unter 35 sind die Eizellen gut und es braucht relativ wenige; mit 38 deutlich mehr; ab 40 ist die nötige Zahl in einem Zyklus oft nicht erreichbar. Viele Frauen kommen zu spät, weil sich die Frage mit 32 selten stellt.
Zwei Zahlen gehören vor die Unterschrift: wie viele Eizellen eingelagert wurden, und die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt mit dieser Zahl in diesem Alter. Ein Angebot, das ohne beide Zahlen eine „Versicherung“ verkauft, verkauft eine Illusion.
Eierstockgewebe
Ein Stück Eierstockrinde wird laparoskopisch entnommen und eingefroren; nach der Genesung kann es zurückverpflanzt werden und stellt Zyklus und Fruchtbarkeit wieder her. Es ist die einzige Option vor der Pubertät und die einzige, wenn die Therapie die zwei Wochen einer Stimulation nicht abwarten kann. Bei Leukämie kann das Gewebe maligne Zellen enthalten; die Rückverpflanzung wird dann im Einzelfall abgewogen.
Wie lange, und dann?
Höchstlagerdauer, jährliche Bestätigung und das Schicksal der Zellen bei Tod oder Trennung richten sich nach nationalem Recht. Genau danach fragt am Anfang niemand — und genau das macht zehn Jahre später Probleme.
