Häusliche Gewalt — Deutschland

Gewaltschutzgesetz mit Kontakt- und Näherungsverbot, polizeilicher Platzverweis und das Hilfetelefon 116 016.

Übersichtskarte — Deutschland — Häusliche Gewalt
Deutschland. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Das Gewaltschutzgesetz erlaubt dem Familiengericht Kontakt-, Näherungs- und Wohnungszuweisungsanordnungen; Verstöße sind strafbar. Die Polizei kann sofort einen Platzverweis aussprechen. Häusliche Gewalt wird zudem strafrechtlich als Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung oder Nachstellung verfolgt.

Das Gewaltschutzgesetz erlaubt zivilrechtliche Kontakt- und Näherungsverbote sowie die befristete Zuweisung der gemeinsamen Wohnung — unabhängig von einem Strafverfahren. Die Polizei kann daneben einen Platzverweis aussprechen, der eine erste Atempause verschafft. Das Hilfetelefon 116 016 ist rund um die Uhr, kostenlos und in vielen Sprachen erreichbar; es vermittelt auch in Frauenhäuser.

Als Mitgliedstaat der Europäischen Union muss die hiesige Gesetzgebung den Mindeststandard der Richtlinie (EU) 2024/1385 erreichen, umzusetzen bis spätestens Juni 2027.

Die wichtigsten Punkte

GewaltschutzanordnungKontakt- und Näherungsverbot, auch ohne vorherige Anzeige
WohnungszuweisungDie gewaltausübende Person muss die gemeinsame Wohnung verlassen
PlatzverweisSofort durch die Polizei, landesrechtlich geregelt
Nachstellung§ 238 StGB, auch bei digitalem Stalking
FrauenhäuserBundesweit, Aufnahme meist ohne Voranmeldung
AufenthaltsrechtEigenständiges Aufenthaltsrecht kann bei Gewalt vorzeitig entstehen
KostenVerfahrenskostenhilfe für die Anordnung
Dauer der AnordnungGewaltschutzanordnungen werden befristet und können verlängert werden
Strafbarkeit von VerstößenEin Verstoß gegen die Anordnung ist eine eigene Straftat
VerfahrenskostenhilfeFür das Gewaltschutzverfahren möglich
Umgang mit KindernEr wird gesondert geregelt und kann begleitet angeordnet werden

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Das Hilfetelefon und die Beratung in Fachberatungsstellen sind kostenlos. Für Verfahren nach dem Gewaltschutzgesetz gibt es Beratungs- und Verfahrenskostenhilfe; die Aufnahme in ein Frauenhaus wird in der Regel öffentlich finanziert.

Aktuelle Entwicklungen

Ein Gewalthilfegesetz, das einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung schaffen soll, ist beschlossen worden und wird schrittweise umgesetzt; die Finanzierung der Frauenhäuser wird damit erstmals bundesweit geregelt.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Die Wohnungszuweisung bedeutet, dass Sie bleiben können und die gewaltausübende Person gehen muss. Das ist fast immer besser, als mit Kindern das Zuhause zu verlassen. Die polizeiliche Wegweisung gilt nur wenige Tage. Wer länger Schutz braucht, muss in dieser Zeit die gerichtliche Anordnung beantragen – sonst entsteht eine Lücke.

Häufige Fragen

Wie schnell bekommt man ein Kontaktverbot?

Über eine einstweilige Anordnung beim Familiengericht, die in dringenden Fällen binnen Tagen und ohne vorherige Anhörung ergehen kann. Die Polizei kann sofort einen Platzverweis aussprechen, der einige Tage gilt und die Zeit bis zur gerichtlichen Entscheidung überbrückt.

Was passiert mit meinem Aufenthaltsrecht, wenn ich gehe?

Ein Aufenthaltstitel, der von der Ehe abhängt, ist in den meisten Ländern nach einer Trennung gefährdet — es gibt aber fast überall eine Härtefallregelung für Betroffene häuslicher Gewalt, die ein eigenständiges Aufenthaltsrecht ermöglicht. Sie müssen die Gewalt belegen: ärztliche Atteste, Polizeiberichte, Schutzanordnungen. Lassen Sie sich vor der Trennung bei einer Fachberatungsstelle zu Ihrer konkreten Lage beraten.

Offizielle Quellen und Links

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