Gleichgeschlechtliche Ehe — Deutschland

Ehe für alle seit Oktober 2017 — die Abstammung der zweiten Mutter ist bis heute nicht geregelt.

Übersichtskarte — Deutschland — Gleichgeschlechtliche Ehe
Deutschland. Vereinfachte Übersichtskarte — Natural-Earth-Daten, gemeinfrei.

Die Rechtsgrundlage

Die Ehe steht gleichgeschlechtlichen Paaren seit dem 1. Oktober 2017 offen, beschlossen in einer namentlichen Abstimmung ohne Fraktionszwang. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird seither nicht mehr begründet; bestehende Partnerschaften können in eine Ehe umgewandelt werden. Was fehlt, ist die Reform des Abstammungsrechts: Die Ehefrau der Frau, die das Kind zur Welt bringt, wird nicht automatisch Mutter, sondern muss ihr eigenes Kind adoptieren.

Die Öffnung der Ehe kam in Deutschland überraschend schnell: Nach Jahren des Stillstands wurde sie binnen einer Woche auf die Tagesordnung gesetzt und mit den Stimmen einer Mehrheit über die Fraktionsgrenzen hinweg beschlossen. Genau diese Eile erklärt, warum das Abstammungsrecht unberührt blieb — es war schlicht nicht Teil des Gesetzes.

Die wichtigsten Punkte

EheGeöffnet seit dem 1. Oktober 2017
LebenspartnerschaftKeine neuen mehr; Umwandlung in eine Ehe möglich
AdoptionGemeinsame Adoption und Stiefkindadoption möglich
AbstammungKeine automatische Mutterschaft der Ehefrau — Stiefkindadoption nötig
SamenspendeZugänglich; das Samenspenderregistergesetz regelt die Auskunft des Kindes
LeihmutterschaftVerboten; im Ausland begründete Elternschaft wird nur teilweise anerkannt
DiskriminierungAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Frist von zwei Monaten

In der Praxis

Kosten und Übernahme

Die Eheschliessung kostet je nach Kommune vierzig bis achtzig Euro. Die Stiefkindadoption verursacht Gerichts- und Notarkosten sowie in der Regel Anwaltskosten und dauert mehrere Monate.

Aktuelle Entwicklungen

Eine Reform des Abstammungsrechts, die die automatische Mutterschaft der Ehefrau vorsieht, ist seit mehreren Legislaturperioden angekündigt und bislang nicht verabschiedet.

Anlaufstellen

Gut zu wissen

Die fehlende Abstammungsregelung ist der grösste praktische Mangel: Zwischen Geburt und Adoptionsbeschluss steht das Kind rechtlich nur einem Elternteil zu, mit allen Folgen bei Krankheit, Reise oder Todesfall.

Häufige Fragen

Warum muss die zweite Mutter adoptieren?

Weil das Abstammungsrecht unverändert an die Vaterschaftsvermutung anknüpft und keine entsprechende Regelung für die Ehefrau der Gebärenden kennt. Die Stiefkindadoption ist deshalb bis heute der einzige Weg, und sie dauert Monate, in denen das Kind rechtlich nur eine Mutter hat.

Lohnt die Umwandlung einer Lebenspartnerschaft?

Sie ist nicht verpflichtend, aber meist sinnvoll: Die Ehe wird im Ausland deutlich zuverlässiger anerkannt, und die Umwandlung wirkt auf das Datum der Begründung der Partnerschaft zurück, was für Fristen im Aufenthalts- und Rentenrecht zählt.

Offizielle Quellen und Links

← Alle Länder Der allgemeine Artikel zum Thema →

Seite geprüft im September 2026. Die genannten Rechtstexte können sich ändern: Im Zweifel bei der genannten amtlichen Quelle bestätigen.

Diese Seite in der Sitemap finden

Eine Frage, eine Korrektur, ein Vorschlag? Schreiben Sie uns.