Tarot

Tarot begann als Kartenspiel und wurde erst später zu einem Deutungssystem. Diese Seite erklärt, woher die Karten kommen und wie eine Legung gelesen wird.

Illustration: Tarot

Herkunft

Die ältesten erhaltenen Tarotkarten stammen aus dem Italien des 15. Jahrhunderts und dienten dem Spiel — das Tarockspiel wird in Österreich bis heute gespielt. Die Verwendung zur Wahrsagerei setzte erst im 18. Jahrhundert in Frankreich ein, die heute verbreitete Bildsprache prägte das Rider-Waite-Smith-Deck von 1909 mit den Illustrationen von Pamela Colman Smith.

Aufbau

Legesysteme

Verbreitet sind die Dreierlegung (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft oder Situation, Handlung, Ergebnis), das Keltische Kreuz mit zehn Karten und die Tageskarte. Die Deutung erfolgt nicht Karte für Karte, sondern aus dem Zusammenspiel von Bild, Position und Frage.

Was dabei wirklich passiert

Die Karten treffen keine Vorhersagen. Was sie liefern, sind mehrdeutige Bilder, an denen sich eigene Gedanken ordnen — ein Anlass, eine Frage auszusprechen, die man sonst nicht formuliert hätte. Dieser projektive Nutzen ist real und unabhängig von jeder übersinnlichen Annahme.

Wo Vorsicht angebracht ist

Kommerzielle Kartenlegedienste per Telefon oder Chat arbeiten oft mit Minutentarifen und emotionaler Bindung. Wer in einer Krise steckt, ist dafür besonders anfällig. Und für medizinische, rechtliche oder finanzielle Entscheidungen sind Karten kein Ratgeber — dafür gibt es Fachleute, in schwierigen Lagen auch kostenlose Beratungsstellen.

Große und kleine Arkana

Ein Tarotdeck umfasst achtundsiebzig Karten: zweiundzwanzig große Arkana, vom Magier bis zur Welt, und sechsundfünfzig kleine Arkana in vier Farben. Die großen werden als Stufen oder allgemeine Kräfte gelesen, die kleinen als konkrete Alltagssituationen.

Die Legungen reichen von einer einzelnen Karte für eine bestimmte Frage bis zu komplexen Mustern aus zehn und mehr Karten. Die Methode zählt weniger als die Frage: Eine geschlossene Frage ergibt eine dürftige Deutung, eine offene ein brauchbares Gespräch.

Häufige Fragen

Muss man an Tarot glauben, um sich damit zu befassen?

Nein, und viele heutige Legende stellen eine Legung nicht als Vorhersage dar, sondern als Anstoß zum Nachdenken: Die Bilder bringen zum Vorschein, was man ohnehin denkt, ohne es formuliert zu haben. So verstanden ist es ein Gesprächsanlass mit sich selbst und verlangt keinerlei Glauben.

Kann Tarot die Zukunft vorhersagen?

Nichts deutet darauf hin, und keine kontrollierte Studie hat gezeigt, dass eine Legung Auskunft über künftige Ereignisse gibt. Was den Eindruck von Treffsicherheit erzeugt, ist die Bildfülle der Karten, die fast jedes Motiv mit fast jeder Lage verbinden lässt, und das selektive Erinnern der Zufallstreffer.

Wann sollte man misstrauisch werden?

Sobald Beratungen wiederholt Geld kosten, sobald ein Unglück angekündigt wird, das ein weiteres Ritual abwenden würde, oder sobald damit anstelle einer Ärztin, einer Anwältin oder einer Therapeutin entschieden wird. Diese drei Merkmale kennzeichnen Betrug, nicht die Praxis des Tarots.

Zum Weiterlesen

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