Wie es abläuft
Drei Bräuche prägen die deutsche Hochzeit. Der Polterabend am Vorabend, bei dem Porzellan zerschlagen wird — niemals Glas — und das Brautpaar gemeinsam zusammenkehrt. Das Baumstammsägen nach der Trauung, bei dem beide mit der Zugsäge einen Stamm durchtrennen müssen. Und das Spalier der Gäste, oft mit einem Band, das freigeschnitten oder freigekauft wird.
Die deutschen Hochzeitsbräuche sind regional sehr unterschiedlich und werden fast nie alle zusammen gefeiert. Der Polterabend findet einige Tage vor der Hochzeit statt, das Baumstammsägen direkt nach der Trauung, das Spalier beim Verlassen der Kirche. Für ein binationales Paar ist die praktische Frage weniger, welche Bräuche man übernimmt, als wer sie organisiert — traditionell sind das Freunde und Nachbarn, nicht das Brautpaar selbst.
Die wichtigsten Punkte
| Standesamt zuerst | Die standesamtliche Trauung ist die rechtlich wirksame; die kirchliche ist freiwillig |
|---|---|
| Polterabend | Am Vorabend: Porzellan zerschlagen, niemals Glas |
| Zusammenkehren | Das Paar kehrt die Scherben gemeinsam auf — darin liegt der Sinn |
| Baumstammsägen | Gemeinsames Durchsägen eines Stammes nach der Trauung |
| Spalier | Von Kolleginnen, Verein oder Nachbarschaft gebildet |
| Brautentführung | Regional verbreitet; der Bräutigam muss sie auslösen |
| Hochzeitszeitung | Von Freunden gestaltet und am Fest verteilt |
In der Praxis
- Glas beim Polterabend bringt Unheil — es ist ausschließlich Porzellan.
- Das Spalier wird meist ohne Wissen des Paares organisiert; etwas Bargeld einstecken.
- Die kirchliche Trauung ist seit 2009 auch vor der standesamtlichen zulässig, hat aber keine Rechtswirkung.
- Geldgeschenke sind üblich und gelten nicht als unpersönlich.
Was es kostet
Polterabend und Spalier kosten wenig und werden meist von Freunden getragen. Die eigentliche Feier liegt je nach Region und Gästezahl zwischen achttausend und dreißigtausend Euro, mit der Location als größtem Posten.
Aktuelle Entwicklungen
Freie Trauungen mit Rednerinnen und Rednern haben stark zugenommen und werden häufig mit der standesamtlichen Trauung kombiniert; klassische Bräuche wie das Baumstammsägen werden dabei oft bewusst zitiert statt streng eingehalten.
An wen Sie sich wenden
- Standesamt, für die Eheschließung.
- Pfarramt oder freie Trauredner, für die Zeremonie.
- Gaststätten, Caterer und Musikkapellen vor Ort.
- Familien und Nachbarschaft, für die örtlichen Bräuche.
Gut zu wissen, bevor Sie teilnehmen
Die Bräuche unterscheiden sich stärker nach Region und Familie als nach Land. Die Frage, die vorab wirklich zählt: Wer organisiert was — und wer bezahlt was.
Häufige Fragen
Was passiert beim Polterabend?
Gäste zerschlagen Porzellan — niemals Glas, das bringt der Überlieferung nach Unglück —, und das Brautpaar kehrt die Scherben gemeinsam auf. Gefeiert wird formlos, oft im Hof oder vor dem Haus, meist ohne Einladungskarten. Wer aus dem Ausland kommt, sollte wissen: Es ist kein Ersatz für die Hochzeitsfeier, sondern ein eigener Abend davor.
Muss man sich wirklich freikaufen?
Beim Spalier nach der Trauung wird dem Paar symbolisch der Weg versperrt, etwa mit einem Band, das durchschnitten werden muss, oder mit einer Aufgabe. Freigekauft wird mit einer kleinen Runde oder einem Beitrag. Es ist ein Spiel, kein Zwang — der Betrag ist symbolisch.
Offizielle Quellen und Links
- Gesetze im Internet — amtliche Fassung der Bundesgesetze
- Bund.de — Behördenwegweiser des Bundes
